Neuabschlüsse PKV-Policen: Für Männer wird es richtig teuer

Neuabschlüsse PKV-Policen
Für Männer wird es richtig teuer

Eine neue Studie zeigt: Das Unisex-Urteil hat für einen Preisschub bei den privaten Krankenversicherern gesorgt, der überraschend gewaltig ausfällt. Das hat Folgen: Die Vermittler müssen umdenken – aber auch der Kunde.
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DüsseldorfDas Unisex-Urteil des Europäischen Gerichtshofes hat die Tarifwelt in der privaten Krankenversicherung (PKV) kräftig durcheinander gewirbelt. Privatpolicen werden vor allem für Männer deutlich teurer. Das hatten die Versicherer angekündigt und war daher zu erwarten. Überraschend ist dennoch der gewaltige Preisschub, den die Krankenversicherer einzelnen Tarifen verpasst haben.

Das Analysehaus Franke und Bornberg aus Hannover hat für Handelsblatt Online 34 Tarife von 17 Gesellschaften unter die Lupe genommen und dabei jeweils Preise und Bedingungen in der alten Welt und in der neuen Unisex-Welt verglichen.

Das Fazit von Geschäftsführer Michael Franke: „Jetzt sollten die Vermittler lieber noch stärker über die Leistung in der PKV argumentieren“, empfiehlt der Branchenbeobachter. Viele Vermittler tun dies aus seiner Sicht ohnehin schon, „denn die Krankenversicherung eignet sich nicht zur Schnäppchenjagd.“

Berechnet wurden die Zahlen in dem Tarifvergleich jeweils für Dreißigjährige, die nun wechseln möchte – sei es von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die PKV oder innerhalb der PKV. Das Ergebnis: Im Schnitt steigen die Preise für die neuen Tarife bei Männern um mehr als ein Viertel (26 Prozent), für Frauen sinken sie dagegen ganz leicht. Wohl gemerkt: Dies gilt nur für Neukunden, nicht für Altkunden.

Die Spanne zwischen den stärksten und den schwächsten Veränderungen ist dabei jedoch gewaltig. Wer als Mann nun in einen Unisex-Tarif der PKV wechseln will, zahlt zwischen vier und 62 Prozent mehr als in einem vergleichbaren Vorjahrestarif – je nach Anbieter und Tarif. Bei den Frauen schwankt die Preisveränderungen zwischen minus 24 Prozent und plus 34 Prozent.

Die Zahlen belegen, wie bunt und vielfältig die Tarifwelt in der PKV ist. Denn nicht nur der Endpreis ist ja entscheidend für die Wahl. PKV-Interessenten müssen auch darauf achten, was sie für den jeweiligen Preis an möglichen Leistungen erhalten und auch wie viel Selbstbehalt jeweils enthalten ist.

In den ausgewerteten Tarifen schwankt der Selbstbehalt zum Beispiel zwischen Null und 1.000 Euro. Entsprechend groß ist auch die Spannbreite der Monatsbeiträge. Diese liegt zwischen knapp 200 Euro und mehr als 600 Euro.

Gerade am oberen Rand dieser Spanne schrumpft damit der Preisvorteil gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) enorm zusammen. Früher lockten die Vermittler neue Kunden oft mit dem Argument in die PKV, dass dort wesentlich weniger gezahlt werden müsse. Oft lag der Anfangsbeitrag nur bei der Hälfte des gesetzlichen Beitrags der Krankenkasse.

Zwar muss der neue PKV-Kunde die allgemeine Preissteigerung berücksichtigen. Und er sollte auch damit rechnen, dass er im Alter mehr bezahlen muss als in der GKV. Doch da die Rentenzeit gerade für junge Leute weit weg ist, vergessen viele PKV-Neulinge, rechtzeitig Geld für die Altersvorsorge zurückzulegen. Der Ratschlag, den Preisvorteil gegenüber dem GKV-Beitrag auf die hohe Kante zu legen, verpufft oft.

 

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  • "Nur die Private Krankenversicherung trifft Vorsorge für den demografischen Wandel" <- Diese Aussage stimmt nicht! Die PKV ist gezwungen die Vorsorgebeiträge mündelsicher anzulegen, d.h. im wesentlichen in Staatsanleihen der Eurozone, deren Werthaltigkeit sich aus den Steuerzahlungen zukünftiger Generationen speist. Das ist identisch zur Strategie zur GKV, deren Einnahmen ebenfalls aus Steuern/Abgaben zukünftiger Generationen generiert werden.

  • Die PKV Verantwortlichen probieren mit aller Gewalt ein System aufrecht zu erhalten, dass schon lange nicht mehr funktioniert. Legt man die Rücklagen der Versicherten auf die einzelnen Verträge um, kann man erahnen welche Aussichten man im Alter erwarten kann. Somal die angelegten Gelder keine großen Gewinne bringen. Bedenkt man dann noch, dass die Steuerzahler die in der Regel sehr vielen Beamten der PKV mit bis mit zu 70% Beitragszuschuss finanzieren, muss man sich echt Fragen warum so ein System noch erhalten werden soll.
    Das schlimmste daran ist, dass viele nicht Beamte ohne Zuschüsse an die finanzielle Belastungsgrenze stossen, und ab einem bestimmten Alter in dem System gefangen sind.
    Viele PKV Kassenchefs hatten schon die Überlegungen aus der Vollversicherung auszusteigen. Könnten die PKV Versicherten selbst wählen, würde sich PKV von selbst erledigen. Es stellt sich die Frage ob PKV nur noch wegen den Beamten aufrecht erhalten bleibt.
    Man müsste hinsichtlich PKV mal vor dem EuGH prüfen lassen ob eine Zwangsversicherung bestehen bleiben muss, mit der der Versicherte unzufrieden ist, für gleiche Leistungen einen vielfachen Gebührensatz für Ärzte bezahlen soll, und noch nicht einmal ein Wechsel zu einer anderen PKV Gesellschaft ohne Verluste der Altersrückstellungen möglich ist. Zu klären wäre wohl auch, ob nicht jeder Versicherte gesetzlich versichert sein muss. Entweder alle gesetzlich, oder für alle die Wahl PKV oder gesetzlich.

  • Das die so genannten Unisex Tarife zu massiven Ungerechtigkeiten und einer starken Benachteiligung von Männer führen würden, war schon lange bekannt und diskutiert es ist auch gewollt. Männer müssen die längere Lebenserwartung der Frauen mitfinanzieren wie auch deren häufigere Artzbesuche und Krankheiten. Wie immer in diesem Land verbirgt sich hinter einem scheinbar ehrenvollen Ziel, wie etwa Gleichberechtigung, das genaue Gegenteil, in diesem Fall Ausgrenzung und Benachteiligung von Männern. Mir ist noch die damalige Diskussion im Ohr: Auf den Hinweiß, dass Unisextarif nicht bedeuten, dass Frauen billiger wegkommen, kam die Antwort: Wir wollen ja auch, dass es für Euch teurer wird.
    Und zur Rechtssprechung: Gibt es eigentlich bei der KFZ Versicherung Unisex? Da kommen doch die Frauen günstiger weg.
    Na ja, schon vor 300 Jahren wusste man, das Gleichheit das Gegenteil von Freiheit ist.

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