Neue Ermittlungen der Treuhänder
Auto-Versicherung wird günstiger

Eine Reihe Autofahrer kann sich auf Preisnachlässe in der KFZ-Versicherung freuen. "Auf Grund der Ermittlungen der Treuhänder wird es im Herbst für den einen oder anderen Bereich auch moderate Tarifabsenkungen im Bestand geben. Dazu zählen Nutzfahrzeuge und Teile des PKW-Bestandes", sagte Reiner Hagemann , Vorstandschef der Allianz -Sachgruppe, dem Handelsblatt.

HB MÜNCHEN. Jährlich stufen zum 1. Oktober unabhängige Treuhänder Fahrzeuge in die Typenklassen ein. Liegt der Schadensbedarf des einzelnen Fahrzeugs deutlich unter der durchschnittlichen Schadenshöhe- oder -häufigkeit, so ergibt sich eine niedrigere Prämie. Die Empfehlungen sind für die Autoversicherer nicht verpflichtend; laut ADAC halten sich die Versicherer aber meist daran.

Deutlich widersprach Hagemann Befürchtungen von Wettbewerbern, die Allianz werde schon bald einen Preiskampf in der KFZ-Versicherung anzetteln. "Wir werden keine Verdrängungsschlacht lostreten", beteuerte Hagemann, der einen weiteren Marktanteilsrückgang einräumt. "Unser Marktanteil ist leicht rückläufig. Aber es läuten bei uns nicht die Alarmglocken. Auch im Jahr 2004 werden wir Geld in der KFZ-Sparte verdienen."

Die Allianz hatte Ende 2003 in Deutschland 8,8 Mill. Fahrzeuge versichert. Ein Jahr zuvor waren es noch 8,97 Millionen. Damit verringerte sich der Vorsprung des Marktführers vor dem Verfolger HUK Coburg, der auf knapp sieben Millionen versicherte PKW kommt. Die Branche hatte nach einem jahrelangen Preiskampf im vergangenen Jahr erstmals seit 1996 Geld mit der Autoversicherung verdient.

Für das laufende Jahr ist die Sachgruppe, eine der Ertragssäulen des Münchener Versicherers, optimistisch. "Für 2004 ist ein Beitragsplus von etwa zwei Prozent geplant", sagte Hagemann. Im März hatte er noch ein Beitragsplus unter zwei Prozent prognostiziert. Die Branche insgesamt rechnet derzeit mit einem Beitragsplus von zwei Prozent.

Weniger Großschäden

Auch die Ergebnisse im Schadens- und Unfallgeschäft in Deutschland stellen Hagemann zufrieden. "Das zweite Quartal ist operativ gut gelaufen. Die Kosten sind spürbar reduziert worden. Und es gab wenige Großschäden," sagt der Konzernvorstand. Die Konzernzahlen für das zweite Quartal kommen am 16. August. Die Sachgruppe verdiene zudem die Kapitalkosten. "Das ist auch 2004 nicht in Gefahr", betont Hagemann. Konzernchef Michael Diekmann fordert seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2003 von allen Bereichen eine strikte Ergebnisorientierung. Sonst droht eine Überprüfung des Geschäftsmodells.

Fortschritte sieht Hagemann bei der Umsetzung der Allfinanz-Idee. Der Allianz-Konzern hatte die Dresdner Bank vor drei Jahren mit dem Ziel übernommen, durch den gegenseitigen Vertrieb von Produkten Synergien zu heben. "Das braucht Zeit, der Trend ist aber positiv." Im laufenden Jahr erwarte man Steigerungsraten im Bankvertrieb auf dem Vorjahresniveau von 30 Prozent. Welches Potenzial in der Allfinanz-Idee stecke, belege die Kooperation der Allianz mit den bayerischen Genossenschaftsbanken, die seit 70 Jahren besteht und trotz des Dresdner-Kaufs fortgesetzt wird.

Das laufende Kartellverfahren gegen Industrieversicherer – darunter die Allianz - hat die Assekuranz zu Verhaltensänderungen veranlasst. "Wir sind vorsichtiger geworden, beispielsweise mit Äußerungen über Marktentwicklungen", betont Hagemann. Sein eigenes Haus ist auf einen möglichen Bußgeldbescheid des Kartellamts vorbereitet. "Wir haben bilanziell Vorsorge getroffen, alleine schon wegen der Verfahrenskosten." Die Wettbewerbshüter werfen den Assekuranz-Unternehmen vor, sich bei Prämienerhöhungen abgesprochen zu haben.

Quelle: Handelsblatt Nr. 143 vom 27.07.04 Seite 21

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