Neue Regeln
Mehr Rechte für die Versicherungs-Kunden

Neue Gesetzesregeln sollen die deutschen Versicherer zu mehr Kundenfreundlichkeit zwingen. Ein Überblick über die Vorhaben.

Noch vor der Sommerpause, so die jetzige Planung, wird der Bundestag den Regierungsentwurf für eine Änderung des sperrigen Versicherungsvertragsgesetzes verabschieden. Jahrelang haben Juristen, Verbraucherlobbyisten und Branchenvertreter um Details gerungen. Im Kern geht es um mehr Kundenschutz. Der Versicherungswirtschaft gehen viele Punkte zu weit. Durchläuft die Reform ungerupft das parlamentarische Prozedere, gelten die neuen Regeln für alle Verträge, auch bereits bestehende.

Stille Reserven

Erstmals bekommen Kunden zugestanden, dass ihnen die Unternehmen die Hälfte ihrer stillen Reserven, die sie aus dem Kapital der Kunden erwirtschaftet haben, in der Überschussbeteiligung gutschreiben müssen.

Rückkaufwert

Die Summe, die bei der Kündigung zum Beispiel einer Lebensversicherung an den Kunden zurückgezahlt wird, soll künftig höher sein. Dem Versicherten werden nicht mehr sämtliche Kosten und Provisionen seines Vertrags zu Beginn der Laufzeit in Rechnung gestellt, was bisher dazu führt, dass viele Kunden nach zwei oder drei Jahren weniger als die eingezahlten Beiträge zurückerhalten. Von Zinsen ganz zu schweigen. Künftig werden die Kosten auf die ersten fünf Jahre verteilt.

Abschluss- und Vertriebskosten

Teufelszeug aus Sicht vieler Unternehmen: Sie sollen künftig alle Kosten, die sie dem Kunden aufbrummen, offenlegen.

Beratung

Kunden müssen besser beraten und die gegebenen Informationen anschließend auch dokumentiert werden.

Vorvertragliche Anzeigepflicht

Der Kunde muss nur die Informationen offenlegen, nach denen ihn die Versicherung fragt – eine entscheidende Verbesserung. Beispiel Berufsunfähigkeits- oder private Krankenversicherung: Bisher konnten die Unternehmen Kostenübernahmen oder Rentenzahlungen abbügeln, indem sie nachwiesen, dass sie der Kunde vor Vertragsabschluss nicht im Detail über seinen Gesundheitszustand aufgeklärt hat – auch dem der vergangenen Jahre. Oft haben Kunden Vorerkrankungen nicht wissentlich verschwiegen, sondern schlicht nicht gewusst, dass sie auch die kurzzeitigen Rückenschmerzen vor fünf Jahren noch hätten angeben müssen. Jetzt gilt: Die Versicherung muss sagen, was sie wissen will – das Risiko liegt bei ihr.

Widerrufsrecht

Versicherungsverträge können zwei Wochen, bei Lebensversicherungen 30 Tage lang, widerrufen werden.

Alles-oder-nichts-Prinzip

Auch das ist ein echter Vorteil für Kunden: Keinem, der durch einen Fehler einen Schaden verursacht hat, kann künftig der komplette Versicherungsschutz gestrichen werden. Bisher galt das zum Beispiel bei grober Fahrlässigkeit. Die Versicherung darf ihre Leistung künftig nur noch je nach Schwere der Schuld kürzen.

Jahresbeitrag bei Kündigung

Wird ein Versicherungsvertrag im Laufe des Jahres gekündigt, muss der Kunde den Beitrag nur noch bis zu diesem Zeitpunkt und nicht mehr fürs komplette Jahr zahlen.

Policenmodell

Die Kunden sollen vor statt wie bisher nach Abschluss alle Vertragsbedingungen ausgehändigt bekommen. Darüber wie auch über die Höhe der Rückkaufwerte wird noch bis zur letzten Minute gestritten. Die Lobbyarbeit des Branchenverbandes GDV ist aber bisher längst nicht so erfolgreich wie die der privaten Krankenkassen bei der soeben verabschiedeten Gesundheitsreform.

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