Neue Strategie
PKV startet Imageoffensive

Drei Monate nach Inkrafttreten der Gesundheitsreform haben die privaten Krankenversicherer den Kampf aufgenommen – und wehren sich gegen die Folgen der Reform. Auch ihr Image wollen sie aufbessern. Helfen soll dabei ein neuer „Qualitätsstandard Privatmedizin".

BERLIN. Die privaten Krankenversicherer fahren eine Doppelstrategie: Auf der einen Seite hoffen die private Krankenversicherungsbranche, die aus ihrer Sicht größten Zumutungen wie den Basistarif und die neuen Wahltarifangebote der gesetzlichen Kassen auf dem Gerichtsweg zu stoppen. Auf der anderen Seite setzt sie darauf, das Image ihrer Produkte weiter zu verbessern.

Helfen soll ihr dabei ein neuer „Qualitätsstandard Privatmedizin“, den der Vorsitzende des PKV-Verbands Reinhold Schulte gestern bei der Mitgliederversammlung des Verbands ankündigte. „Wir streben an, gemeinsam mit Ärzten neue Maßstäbe für die Behandlung von Privatversicherten zu entwickeln.“ Dabei werde es auch darum gehen, „in fairer Partnerschaft mit den Leistungserbringern“ stärker Einfluss auf Preise, Mengen und Qualität von Arzneien, Methoden und Heilbehandlungen zu nehmen,“ kündigte Schulte an.

Mit den Krankenhäusern hat der Verband bereits in den vergangenen fünf Jahren über 1 400 Vereinbarungen über bessere Unterkunftsstandards für Privatversicherte geschlossen. Vertragsverhandlungen mit den Leistungsanbietern wie die gesetzlichen Kassen kann die PKV allerdings bislang – außer bei der Umsetzung des Basistarifs – noch nicht führen. Die Honorierung bei Arzt und Krankenhaus richtet sich vielmehr nach der über 20 Jahre alten Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Die PKV will daher erreichen, dass die GOÄ bei der anstehenden Novellierung für abweichende Vereinbarungen geöffnet wird. Doch unabhängig davon ist sie davon überzeugt, dass ihre Produkte schon deshalb immer attraktiver werden, weil sich die gesetzlichen Kassen unter dem Druck des 2009 startenden Gesundheitsfonds immer weiter zu einer Standardversorgung mit zunehmender Rationierung von Leistungen entwickeln würden. Die aktuellen Geschäftszahlen geben ihr Recht: Trotz des gesetzlich erschwerten Zugangs zur PKV wuchs der Versichertenbestand in der Vollversicherung 2006 um 1,2 Prozent auf fast 8,5 Mill. Das Zusatzversicherungsgeschäft legte um 7,7 Prozent zu.

Seit April können allerdings Besserverdiener nur noch in die PKV, wenn ihr Jahreseinkommen drei Jahre in Folge über 47 700 Euro lag. Dies führe dazu, dass immer mehr langjährige PKV-Versicherte ihre Altersrückstellungen verlieren, weil sie wieder in die gesetzliche Kasse zurück müssen. Die Branche will diesem Personenkreis nun die Rückkehr in die PKV ohne Verlust der Rückstellungen ermöglichen, indem sie ihnen Anwartschaftstarife anbietet.

Auch die neuen Zusatztarife der GKV machen der Branche Sorgen. Gegen ein aus ihrer Sicht besonders dreistes Beispiel, den Chefarzttarif fürs Krankenhaus der AOK-Rheinland-Hamburg, hat sie geklagt, weil er nicht einmal durch die Gesundheitsreform gedeckt sei. Die Versicherungsaufsicht hat den Tarif allerdings genauso wie einen den PKV-Zusatztarifen nachempfundenen Zahnersatztarif der AOK genehmigt. AOK-Chef Wilfried Jacobs freut sich über seine gute Geschäftsidee. „In den ersten Wochen haben schon 700 AOKler den neuen Krankenhaustarif abgeschlossen,“ sagt er.

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