Niedrige Zinsen haben „dramatische Folgen“
Konzerne spüren höhere Pensionslasten

Die Deckungslücken bei Pensionsverpflichtungen internationaler Firmen haben sich wieder vergrößert. Grund sind die sinkenden Zinsen sowie Verluste an den Aktienmärkten, wie eine Studie der US-Unternehmensberatung Towers Perrin über das dritte Quartal 2004 zeigt.

HB/rez FRANKFURT/M. Da die Zinsen bis zum Jahresende auf niedrigen Niveaus bleiben dürften, könnte dies für einige Unternehmen auch aus dem deutschen Standardaktienindex Dax 30 „dramatische Folgen“ für die Höhe ihrer Pensionsverpflichtungen haben, sagt Michael Freisberg, Experte für betriebliche Altersvorsorge und Managing Partner bei Towers Perrin.

Unternehmen der Eurozone und in den USA, die ihre Pensionslasten mit Wertpapieren unterlegt haben, litten im Frühherbst in zweifacher Hinsicht unter der Entwicklung der Kapitalmärkte. Zum einen sank der Wert ihrer Wertpapiere, da die gesunkenen Aktienkurse steigende Bondkurse überkompensierten. Zum anderen sorgten die sinkenden Bondrenditen dafür, dass die künftigen Rentenverpflichtungen mit einem niedrigeren Zins abdiskontiert werden müssen, damit also gestiegen sind.

Daher nahm die Unterdeckung der Pensionslasten mit Vermögen bei Firmen in der Eurozone und in den USA um rund sechs Prozent zu, ermittelte Towers Perrin in der Studie über die Deckungsniveaus von Pensionsplänen mit Zusage einer festen Rentenzahlung (defined benefit), die mit fiktiven Pensionsfonds unterlegt sind. Bei großen US-Unternehmen sind demzufolge aktuell durchschnittlich 81 Prozent der betrieblichen Rentenlasten gedeckt. Bei Firmen aus dem Dax 30 sind es nach Einschätzung von Freisberg derzeit knapp 70 Prozent. Seit dem Jahr 2000 sind die Deckungs-Niveaus in der Euro-Zone und in den USA sogar um 42 Prozent beziehungsweise 37 Prozent gesunken.

Die anhaltend niedrigen Zinsen könnten nun Wirtschaftsprüfer dazu veranlassen, auch große deutsche Firmen dazu zu bewegen, für die Pensionsverpflichtungen einen niedrigeren Diskontfaktor anzusetzen, sagt Freisberg. Denn nach den internationalen Rechnungslegungsvorschriften nach IAS oder US GAAP, auf die die Unternehmen zunehmend umstellen, müssen Kapitalmarkttrends berücksichtigt werden. Da zahlreiche Firmen noch mit Diskontsätzen von 5,7 Prozent kalkulierten, der durchschnittliche Vergleichszins von „AA“-gerateten Firmen- und Staatsanleihen aber bei etwa 4,8 Prozent liege, dürften deren Pensionslasten gravierend steigen, betont der Experte von Towers Perrin, die ein Drittel der Dax-Firmen in Pensionsfragen beraten.

Ratingagenturen haben bereits deutsche Firmen dafür gerügt, dass ihre Rentenzahlungen zu viel Cash-Flow binden. Unter den Dax-30-Firmen soll davon knapp ein Drittel betroffen sein. Seit einiger Zeit suchen Unternehmen und Berater hier nach Auswegen. Zwar finanzieren die meisten deutschen Firmen ihre Pensionszahlungen aus dem operativen Geschäft. Aber der Trend geht nach Ansicht von Consultants zu Cash-Flow schonenden Lösungen mit Kapitaldeckung.

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