Nur vereinzelt höhere Gewinngutschriften
Lebensversicherer knausern

Die Lebensversicherungen müssen ihre Kunden ab 2008 stärker an den stillen Reserven der Lebensversicherungen beteiligen. Trotzdem gibt es im kommenden Jahr offenbar nur vereinzelt höhere Gewinngutschriften. Das Gros der Lebensversicherungen wartet mit der Entscheidung noch. Doch es gibt Hoffnung.

DÜSSELDORF. Versicherungssparer können im kommenden Jahr nicht mit einer kräftigen Erhöhung der Verzinsung ihrer Lebensversicherungen rechnen. Daran ändert auch nichts, dass die Kunden ab 2008 stärker an den stillen Reserven der Lebensversicherungen beteiligt werden müssen. Doch es bleibt Hoffnung: Die Gesamtverzinsung dürfte weitgehend stabil bleiben. In Einzelfällen gibt es auch Erhöhungen, aber nur geringe. Das hat das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfahren.

Nur wenige Gesellschaften haben sich bereits fest für eine Erhöhung der Gesamtverzinsung 2008 entschieden. Die Alte Leipziger will von 4,0 auf 4,1 Prozent anheben; die Hamburg-Mannheimer voraussichtlich von 4,2 auf 4,4 Prozent; die Gothaer von 4,2 auf 4,5 Prozent; der LVM von 4,25 auf 4,75 Prozent, und die Stuttgarter von 4,6 auf 4,8 Prozent. Das Gros der Lebensversicherungen wartet mit der Entscheidung noch bis weit in den Dezember hinein. Bis Ende des Jahres haben die Versicherer Zeit, gegenüber der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Gewinnbeteiligungssätze für das kommende Jahr verbindlich zu deklarieren.

In diesem Jahr haben die Lebensversicherer die Sparbeiträge ihrer Kunden im Schnitt mit 4,2 Prozent verzinst. Dieser Satz setzt sich aus der Gewinnbeteiligung für 2007 plus der jeweiligen Garantieverzinsung zusammen. Zum Beispiel bei Verträgen aus 2007 beträgt die Garantie 2,25 Prozent; bei älteren Verträgen kann sie durchaus bis zu vier Prozent erreichen. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Garantieverzinsung für die Bestände der Gesellschaften von rund 3,5 Prozent der Sparvermögen. Diesen Satz müssen die Versicherer am Kapitalmarkt also mindestens erwirtschaften oder aus Reserven zubuttern.

Alles was über die Garantie hinaus geht, ist abhängig vom Kapitalanlageerfolg und wird jedes Jahr neu festgelegt, allerdings immer im voraus für ein Jahr. Das ist dieses Mal aus zwei Gründen besonders schwierig. Zum einen, weil die Entwicklung der Kapitalmärkte wegen der Subprime-Krise schwer abzuschätzen ist. Die Krise, die vom US-Hypothekenmarkt für zweitklassige Schuldner ausgegangen ist, hat für niedrigere Zinsen und Aktienkurse gesorgt. Zum anderen sind die Versicherer ab 2008 erstmals gesetzlich gehalten, die stillen Reserven in die Verzinsung einzubinden. „Der Verteilungsspielraum wird dadurch jedoch nicht größer“, sagt Oskar Goecke, Professor des Instituts für Versicherungswesen in Köln. Er betont, dass die Kunden bisher ja auch schon an Reserven teil hätten, „aber die Sache wird jetzt transparenter“.

Die Lebensversicherer legen die Gelder ihrer Kunden zu drei Vierteln in Zinspapieren an. Die dafür maßgebliche Umlaufrendite ist in diesem Jahr leicht gestiegen, wie die Grafik zeigt. Steigende Zinsen lassen die Anleihekurse sinken . Dadurch entstehen Kursverluste, im Fachjargon stille Lasten genannt. Stille Reserven entstehen, wenn ein Papier am Kapitalmarkt höher gehandelt wird als sein Buchwert.

Wegen der Unsicherheiten wollen sich die meisten Gesellschaften noch nicht für 2008 festlegen. Dazu zählt auch die Debeka, die mit 5,1 Prozent Verzinsung zu den Top-Anbietern gehört. „An eine Absenkung ist nicht gedacht“, bestätigt Vorstandsmitglied Roland Weber: „Wir versuchen es tendenziell gleich zu lassen und bei Einmalbeiträgen etwas zu erhöhen.“

Die Allianz-Leben schreibt den Kunden dieses Jahr 4,5 Prozent gut. Der Marktführer verfügt zudem mit über die höchsten stillen Reserven. „Der Kuchen wird aber nicht größer“, sagte ein Allianz-Sprecher. Offenbar will er allzu großen Erwartungen von Verbrauchern vorbeugen, denn die Reserven dienten bisher schon zur Aufbesserung der Verzinsungen in schwachen Marktphasen.

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