Offenlegung der Bestandsprovision gefordert
Mehr Durchblick für Kunden

Die Gebühren für Zertifikate und Investmentfonds werden für deutsche Anleger übersichtlicher.

FRANKFURT. Laut der EU-Finanzmarktrichtlinie (Mifid) müssen Berater und Vermittler künftig die von Produktanbietern erhaltenen Vertriebsprovisionen gegenüber ihren Kunden offen legen – und eine erhaltene Provision muss die Beratungsqualität erhöhen. Experten zufolge dürfte die neue Regel den Absatz teurer Produkte erschweren und den Trend zur Honorarberatung forcieren (siehe „Der Anleger zahlt für die Beratung“).

Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer erwarten einen deutschen Gesetzentwurf zur Umsetzung des Mifid-Regelkataloges im Herbst. Banken und Vermittler sollen bis Anfang 2008 Zeit für eine Umsetzung im eigenen Unternehmen haben. Die deutsche Fondsbranche hält sich derzeit mit Stellungnahmen zurück. „Im Moment bewerten wir noch, was das für uns bedeutet“, sagt ein Sprecher des Verbandes BVI. Meinungsfreudiger ist Dieter Lendle, Vorstand des Deutschen Derivate Instituts: „Betroffen sind vor allem Garantiezertifikate und komplexe Zertifikate, die oft im Filialgeschäft der Banken angeboten werden.“

Gerade ausländische Fonds- und Zertifikateanbieter zahlen an inländische Vertreiber bzw. Banken häufig einen Betrag, um Zugang zum hiesigen Absatzmarkt zu bekommen. Das senkt die Rendite des Anlegers und führt teilweise zu einer Produktauswahl entgegen den Interessen des Kunden. Im Fondsgeschäft nennen Branchenkenner Provisionsanteile von 0,4 bis 0,8 Prozentpunkten an der jährlich der Investmentgesellschaft zufließenden Managementgebühr. Diese Gebühr erreicht bei Aktienportfolios im Schnitt etwa 1,5 Prozent.

Im rasant wachsenden Zertifikategeschäft sind für komplexe Produkte laut Insidern teilweise weit höhere Beträge üblich. „Da hat es Auswüchse gegeben“, sagt Önder Ciftci, Leiter des Zertifikate-Vertriebs bei der ABN Amro Bank in Frankfurt. Er nimmt sein eigenes Institut aber aus: „Wir begrüßen die Mifid-Forderung, denn sie bringt uns Wettbewerbsgleichheit mit unseren Konkurrenten.“

Andere Fachleute nennen ungefähre Zahlen. „Anbieter von komplexen Zertifikaten zahlen manchmal einige Prozent an den Vertrieb – auch hier zu Lasten des Anlegers“, sagt einer von ihnen. Die gesamte prozentuale Gebührenbelastung für den Endkunden könne sogar zweistellig sein. Betroffen seien typischerweise Produkte mit Kapitalgarantie, bei denen die Auszahlung an das Eintreten bestimmter Bedingungen gekoppelt sei – etwa die Entwicklung von Papieren in einem Aktienkorb. „Die sind gerade bei Volksbanken und Sparkassen beliebt, und dieses Geschäft wird in Zukunft tot sein“, glaubt ein Experte.

Mifid fordert mehr als nur die Offenlegung der Bestandsprovision. Die Provision muss auch nachweislich zur Verbesserung der Beratung führen und einen Mehrwert für den Kunden liefern. Bisher ist nach Einschätzung von Rechtsanwälten die Ausdeutung dieser Formulierung – wie auch manche andere Anforderung – unklar. „Das muss in der nationalen Mifid-Umsetzung konkretisiert werden“, sagt Roland Baum von Baum Financial Services Law Team.

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