PKV
Versicherer drehen an der Beitragsschraube

Fünf große private Krankenversicherer senken im nächsten Jahr ihren Rechnungszins. Für mehr als zwei Millionen Altkunden könnten dadurch die Beiträge steigen. Weitere Beitragserhöhungen sind wahrscheinlich.
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DüsseldorfRund 2,9 Millionen Kunden in der privaten Krankenversicherung (PKV) müssen von 2014 an mit höheren Beiträgen rechnen. Das entspricht 36 Prozent der knapp neun Millionen Versicherten in der Branche. Diese Zahlen teilte das Bundesfinanzministerium der Linken auf Nachfrage mit. Die Antwort liegt jetzt auch Handelsblatt Online vor.

Die absehbare Erhöhung der Prämien hängt mit der Kalkulation der PKV-Prämien zusammen. Ein Teil der Beiträge wird für das Alter angelegt, damit Privatpatienten als Senioren nicht so viel bezahlen müssen. Maßgebend für die Verzinsung dieser Beiträge ist der sogenannte Rechnungszins. Dieser ähnelt dem Garantiezins in der Lebensversicherung und beträgt in der PKV für die meisten Altkunden noch 3,5 Prozent. Durch die extrem niedrigen Zinsen am Finanzmarkt haben jedoch immer mehr der insgesamt 48 privaten Krankenversicherer Schwierigkeiten, diesen Zins mit ihren Kapitalanlagen zu erwirtschaften.

Eine Überprüfung durch die Finanzaufsicht Bafin ergab im Frühjahr, dass 18 Unternehmen den Rechnungszins wahrscheinlich künftig nicht mehr für ihre Altkunden erwirtschaften. Die Folge: Sie müssen diesen Satz nun senken – und im Gegenzug ihre Beiträge entsprechend erhöhen. Denn das Niveau der Altersrückstellungen für die Kunden soll nicht leiden.

Wie stark der Rechnungszins jeweils sinkt und wie stark die Beiträge dann steigen, hängt von den einzelnen Unternehmen und ihren Rücklagen ab. Genauso unklar ist überdies noch, welche Kunden in welchen Tarifen konkret betroffen sind. Bisher hatten nur nur fünf Unternehmen eingestanden, dass sie die Beiträge erhöhen werden.

Insgesamt haben diese fünf Versicherer allein schon mehr als zwei Millionen Versicherte. Bereits länger bekannt sind Axa und Central, die Nummer drei und die Nummer sechs der Branche. Auf Anfrage von Handelsblatt Online bestätigten nun drei weitere große Krankenversicherer, dass die Beiträge ihrer Kunden womöglich steigen könnten.

Kommentare zu " PKV: Versicherer drehen an der Beitragsschraube"

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  • So sollten wir es machen, wie es Ende2013 beschreibt. Schafft doch endlich die PKV ab. Einheitliche Leistungen für alle. Sobald die Beiträge dann wieder steigen müssten, sagen sich die Politiker: Nein, lieber senken wir die Leistungen, dass merken die Bürger weniger. Stück für Stück schwinden die GKV-Leistungen. Stück für Stück müssen anschließend die Bürger Zusatzleistungen selbst zahlen oder versichern. Spätestens dann sind wir in der Zwei-Klassen-Medizin angekommen. Denn nun kann sich der kleine Arbeiter keine Versicherung leisten, für Leistungen, die bisher seine GKV getragen hat.

    Und wieder ist jeder gleich, aber keiner besser gestellt ;)

  • Lieber exkoelner,

    den ersten Gedanken konnten Sie schon fassen. Jetzt kommt es darauf an, dass Sie den richtigen Transfer schaffen. Die Versicherungsunternehmen sind nicht alle als Aktiengesellschaften geführt. Evtl. gibt es eine Rechtsform, die Ihren Wunschvorstellungen näher kommt. Sollten Sie diese gefunden haben, dann haben Sie doch schon das erste Entscheidungskriterium für eine tendenziell bessere Krankenversicherung. Schauen Sie sich noch weitere handfeste Unternehmenskennzahlen an und Sie finden vllt sogar eine der besten 3-5 Krankenversicherungen.
    Aber einfach dem nächstbesten Vermittler/Makler zu glauben, dass die Central die Beste sei, ist wohl der falsche Weg ;)

  • Richtig, dass ist ein Argument der Betriebsräte. Die in erster Linie auch dafür da sind.

    Genauso ist der PKV Verband da, seine PKV zu verteigigen.
    http://www.pkv.de/w/files/buergerversicherung/buergerversicherung_kurzbrosch_18w.pdf

    Und genauso ist jede andere Interessensgruppe da, um ihre eigenen Interessen zu verteidigen.

    Deswegen ist aber nicht der Umkehrschluss erlaubt, dass die PKV deswegen schlecht/ oder nicht zu gebrauchen wäre.

    Wenn ich einen Herrn Lauterbach höre, dann heißt es immer, die PKV hätte weniger "Schadenfälle" und deswegen viele Geldreserven. In der Kranken- wie auch in der Pflegepflichtversicherung. (Beitrag aus dieser Woche auf N24 23:10) Dieses Geld möchte er sich kurzerhand schnappen. Neben den Steuergeldern der PKV'ler nun auch deren angesparte Reserve klauen und für die GKV einen für wenige Jahre schöneren Beitrag hinzubekommen. Um dann festzustellen, dass alles explodiert ;)

    Typische deutsche Gleichmachung. Um später festzustellen, dass man so gleich gar nich ist.

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