Pläne in Europa und Deutschland ähneln sich
Pensionsfonds wollen Aktienquote aufstocken

Die kontinentaleuropäischen Altersvorsorgeeinrichtungen wollen wieder stärker Aktien kaufen.

HANDELSBLATT, 2.10.2003 rez FRANKFURT/M. Kursverluste und Umschichtungen haben den Aktienanteil bei Institutionen wie Pensionsfonds, -kassen und Unterstützungskassen von rund 30 % im Jahr 2001 auf gut 20 % zusammenschmelzen lassen. Um die entstandene Finanzierungslücke zu schließen, wollen kontinentaleuropäische Pensionsfonds ihre Aktienquote in den kommenden Jahren ausbauen, wie die US-Consultingfirma Greenwich in einer Umfrage unter 282 Fondsmanagern ermittelte.

Bis 2005 planen demnach knapp 40 % der Fondsmanager in ihren aktiv gemanagten Portfolios und knapp 30 % der Verwalter in ihren passiven Depots stärker auf Dividendentitel setzen, stellt Greenwich- Partner Berndt Perl in der vorgelegten Studie fest. Verringert werden sollen die Quoten in einem Viertel der aktiven und in 13 % der passiven Portfolios.

Auch in Deutschland komme langfristig keine Altersvorsorgeeinrichtung um die Aktie herum, sagt Hartmut Leser, Geschäftsführer des Beratungshauses Feri Institutional Management. Bis Ende 2005 wollen 61 von Feri befragten Vorsorgeinstitutionen, die rund 140 Mrd. Euro verwalten, ihren Aktienanteil denn auch um 1,6 Prozentpunkte von aktuell 18 % erhöhen. Im Vergleich zu anderen professionellen Investoren sei dies unterdurchschnittlich, sagt Leser und nennt zwei Gründe.

Erstens könnten deutsche Verwalter von Vorsorgekapital nur begrenzt Kursrisiken eingehen. Denn sie müssten innerhalb kurzer Abstände - in der jährlichen Rechnungslegung - eine akzeptable Nettoverzinsung vorweisen. Zweitens hätten Manager deutscher Vorsorgegelder ihre Aktienquote in den Baissejahren auch weniger stark reduziert. Während deren Aktienquote von 26 % auf 18 % zurück gegangen sei, hätten institutionelle Anleger insgesamt ihren Aktienanteil im Durchschnitt sogar um ein gutes Drittel abgebaut.

Der Aktienanteil in kontinentaleuropäischen Pensionsfonds wird nach Angaben von Greenwich- Mann Perl zu Lasten von Anleihen erhöht. Vor allem europäische Staatsanleihen wollten die Vermögensverwalter abbauen. Andere Bond-Klassen wie Firmenanleihen und Renten von außereuropäischen Emittenten träfen hingegen auf zunehmendes Interesse.

Auch in Deutschland wollen die Asset-Manager ihre im Zuge der Börsenbaisse aufgestockten Rentenpapiere sowie Geldmarkttitel wieder abbauen. Seit 2001 haben die Vorsorge-Profis laut Leser vor allem in Schuldscheindarlehen und Namenspapiere umgeschichtet, um sich auf der Anleihenseite ein schwankungsarmes Polster zu schaffen. In den vergangenen zwei Jahren fuhren Vorsorgeeinrichtungen in ganz Kontinentaleuropa ihren Anleihe- wie auch Immobilien und Bargeldanteil auf 60 % beziehungsweise 17 % hoch, wie Greenwich ermittelte. Zunehmendes Interesse bekunden europäische Pensionsfonds ferner an alternativen Investments wie Hedge-Funds, Private Equity und Immobilien. Den aktuellen Anteil am Portfolio beziffert Greenwich mit 2 % beziehungsweise 6 % bei Immobilien. Deutsche Vorsorgeeinrichtungen wollen laut Leser ihre Anlage in Immobilien klar ausbauen. Bei Private Equity und Hedge-Funds dürften sie jedoch wegen der Risiken vorsichtig bleiben.

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