Policeverkäufer fordern mehr Aufklärung
Zweitmarkt für Lebensversicherungen boomt

Der Handel mit gebrauchten Lebensversicherungen hat im ersten Halbjahr 2006 um 260 Prozent auf rund 470 Mill. Euro zugelegt. Dies teilte der Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) mit, dem die fünf größten Policenaufkäufer angehören. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einem Volumen von 1,3 Mrd. Euro.

HB KÖLN. Die erst seit 1999 in Deutschland tätige Branche zwar wächst rapide, ist einer Studie von Allensbach zufolge aber erst 15 Prozent der Deutschen als Alternative zur Kündigung (Storno) einer Lebensversicherung bekannt. Den Policenaufkäufern reicht diese Position nicht. Sie fordern, dass die Lebensversicherer sich selbst verpflichten, über den Zweitmarkt aufzuklären, oder andernfalls der Gesetzgeber bei der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes diese Aufklärung vorschreibt. Den Lebensversicherern ist der Zweitmarkt ein Dorn im Auge, weil sie und ihre Vertreter daran nichts verdienen.

Am Zweitmarkt können Lebensversicherungskunden ihre Policen verkaufen und erhalten im Regelfall zwischen fünf und sieben Prozent mehr als beim Storno, sagte Gerd A. Bühler vom BVZL, der die Marktführerin Cash-life AG 1999 gegründet hat, auf einer Fachtagung in Köln. Der Kaufpreis ist unter anderem abhängig von der Restlaufzeit, der Vertragsart und der Bonität des Lebensversicherers. Beim Verkauf behalten die Versicherten ihren Todesfallschutz. Verbraucherschutzorganisationen befürworten daher den Zweitmarkt. Der Policenaufkäufer führt den Versicherungsvertrag bis zum Ende der Laufzeit fort und profitiert dann von einer Auszahlung, die zusätzlich den Schlussgewinnanteil enthält. 2005 wurden Lebensversicherungen im Wert von 11,5 Mrd. Euro storniert. Die Policenaufkäufer schätzen ihr Marktpotenzial allerdings nur auf sieben Mrd. Euro, da sich für sie üblicherweise erst Verträge ab dem 14. Laufzeitjahr rechnen.

Wolf-Rüdiger Heilmann vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hält den Zweitmarkt für überflüssig. Sicherlich habe die Branche ein Stornoproblem, das auch von Falschberatung und inflexiblen Produkten mitverursacht werde, sagte Heilmann. Diese Verträge würden aber in den Anfangsjahren gekündigt und seien für die Policenaufkäufer uninteressant. Für ältere Verträge böten die Lebensversicherer mit Beitragsfreistellung, Beitragsstundung und den Policendarlehen bessere Alternativen als den Verkauf, weil die Kunden dabei die Schlussgewinne behielten.

Auf Grund der bis 2004 geltenden Steuerfreiheit der Lebensversicherungen seien die Verträge in der Vergangenheit sehr starr gewesen, räumte Heilmann ein. Inzwischen gebe es aber mehr Transparenz und Produkte, die flexibler den Lebensumständen anzupassen seien. Daher erwartet er einen Rückgang der Stornoquoten.

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