Private Altersvorsorge
Die Qual der Wahl hemmt die Sparer

Private Altersvorsorge ist ein Muss – das sieht auch die überwiegende Mehrheit der Deutschen so. Doch wer konkret handeln will, muss sich mit vielen komplizierten Fragen auseinander setzen.

HB KÖLN. Bei der Suche nach der optimalen Altersvorsorge kann sich der Laie sehr leicht verzetteln. Deshalb kommt eine effektive Altersvorsorge, die die Vorteile der Zinsdynamik über mehrere Jahrzehnte nutzt, oft nicht zustande. Die verhaltenswissenschaftliche Forschung bezeichnet dieses Phänomen als mentale Überfrachtung bei der Auswahl: je mehr Alternativen, desto schwieriger die Wahl. Wurden in Altersvorsorgeprogrammen mehr Investmentfonds zur Auswahl angeboten, sank das Interesse der Beschäftigten.

Faustregel: Für jeweils zehn zusätzliche Fonds sank die Beteiligungsrate um rund zwei Prozent. Daraus folgt eine praktische Erkenntnis für Politik und Anbieter von Vorsorgeprodukten. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen und das Produktdesign müssen einfach und übersichtlich gestaltet werden, damit die Menschen sich nicht überfordert fühlen und den Abschluss verweigern.

Eine Idee zur Vereinfachung der Alterssicherungssysteme ist das Altersvorsorgekonto. Dort ließen sich alle privaten und betrieblichen Versorgungsansprüche bündeln. Der Bürger hätte so neben der jährlichen Information über seine gesetzlichen Rentenansprüche einen guten Überblick über seine gesamte Altersvorsorgeposition. Der Sparer würde außerdem erkennen, ob alle steuerlichen Fördermöglichkeiten ausgeschöpft sind und wie weit er seine Versorgungslücke im Alter geschlossen hat.

Eine Zusammenlegung der verschiedenen staatlichen Förderwege wäre eine weitere Möglichkeit, den Dschungel zu lichten. Eine gleichartige Förderung von privater und betrieblicher Altersvorsorge würde die Transparenz im Wettbewerb der Durchführungswege erhöhen. Derzeit erscheint dies utopisch, weil der gesetzgeberische Aufwand dafür erheblich ist und die Interessen der Anbieter zu unterschiedlich sind.

Und auch der Staat wird erkennen müssen, dass eine Vereinfachung in seinem Sinne ist und die Akzeptanz in breiten Kreisen der Bevölkerung dadurch steigt. Gelingt dies nicht, hat nicht nur der Einzelne, der zu spät eine zu geringe Initiative ergreift, später ein Armutsrisiko sondern auch die Gemeinschaft – denn die aus Steuern finanzierten Ausgaben für eine Grundsicherung müssten drastisch steigen, und die auch in der Zukunft enge Manövriermasse des Fiskus würde deutlich eingeschränkt.

Bernd Katzenstein ist Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge.

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