Private Kassen
Verbraucherschützer kritisieren steigende Beiträge

Die Krankenkassen reagieren auf ernüchternde Ergebnisse der Verbraucherzentralen. Die gesetzliche Konkurrenz fordert nun die Politik auf, die ausufernden Tarifsteigerungen bei den privaten Anbietern zu stoppen.
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BerlinVerbraucherschützer prangern Beitragsexplosionen und erschwerte Wechsel in der privaten Krankenversicherung (PKV) an. Die Krankenkassen fordern nun Konsequenzen. Die Politik sei dringend gefordert, die ausufernden Tarifsteigerungen bei den privaten Anbietern zu stoppen.

In den überprüften Fällen – es handelt sich um eine bundesweite, nicht repräsentative  Stichprobe von 160 Beschwerden - stiegen die Versicherungsbeiträge zum Jahreswechsel im Schnitt um rund 24 Prozent. Besonders negativ fielen aus Sicht der Verbraucherschützer die Central Krankenversicherung und die Gothaer Versicherung mit einer durchschnittlichen Erhöhung von 28,4 Prozent und 26,4 Prozent auf. In einem Einzelfall lag die Erhöhung sogar  bei 60 Prozent.

„Unsere Befürchtungen wurden weit übertroffen“, sagte Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Berlin. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ging es um Verträge, die länger als zehn Jahre bestanden und Versicherte, die älter als 45 Jahre alt waren. Kunden würden berichten, dass sie die Beiträge im Ruhestand nicht mehr aufbringen könnten. Gleichzeitig betonen die Verbraucherschützer, dass es sich um keine repräsentative Erhebung handele.

Die Aktion der Verbraucherzentralen zeigt nach Ansicht von Thomas Ballast, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Ersatzkassen e.V. (vdek), dass es nicht mehr um Einzelfälle gehe: „Gäbe es derartige Kostensteigerungen bei den gesetzlichen Krankenkassen, hätten die Aufsichtsbehörden längst die Schließung der Kasse verkündet.“ Die Auswertung zeige eindringlich, dass die Versicherten ihren Versicherungsschutz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht leichtsinnig über Bord werfen sollten. In der GKV drohten nicht - wie in der privaten Krankenversicherung - steigende Beiträge im Alter. Er warnte vor Lockangeboten: „Wer sich einmal für die PKV entschieden hat, für den gibt es nahezu kein Zurück mehr in die GKV.“

Auch die Politik erkenne mehr und mehr, dass die private Krankenversicherung existenzielle Probleme habe. Allerdings dürfe die Lösung des Problems nicht darin bestehen, den privaten Krankenversicherungen weitere Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Nicht nur die Beitragserhöhungen sind den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Nur in vier von 144 ausgewerteten Fällen gelang der Wechsel in einen kostengünstigeren Tarif problemlos. Das Wechselrecht werde vielfach unterlaufen, behaupten die Verbraucherschützer. Beispielsweise werde Versicherten lediglich angeboten, vom Alttarif in den noch teureren Basistarif zu wechseln, der aber schlechtere Leistungen biete.

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  • letztlich wird uns allen die Einsicht nicht erspart bleiben, dass es um einen Fehler im System geht: Gesundheit ist eben keine "Ware" wie Autos oder Brötchen. Der Autoverkäufer und der Bäcker mögen soviel Gewinn machen, wie sie möchten (und können, wenns der Markt hergibt), der Arzt und alle anderen im Gesundheitswesen bitte nicht. Gesundheit soll allen Menschen zustehen, unabhängig vom Einkommen! Der Arzt soll für seine Leistung gut bezahlt werden und ohne Einkommensdruck und hoher Verschuldung arbeiten können. Er sollte nicht dazu getrieben werden, PKV-Patienten und auch GKV-Patienten (IGELeitungen!!!) unnötige, überteuerte und möglicherweise schädliche Leistungen anbieten zu müssen, um seine Kredite abbezahlen zu müssen. Ein bisschen Verstaatlichung täte unserem Gesundheitssystem ganz gut. Das gilt übrigens auch für die Apotheken: ich war jahrelang in einer beschäftigt. Wir Apotheker wurden zunehmend genötigt, den Kunden und Kundinnen unnötige Vitaminpräparate, überteuerte Nahrungsergänzungsmittel und anderes Zeugs zu verkaufen. Nachdem ich eine Abmahnung bekommen habe, weil ich einem Kunden geraten habe, sein Geld lieber in frische hochwertige Lebensmittel zu investieren, war für mich das Ende der Fahnenstange erreicht. Eine Arbeit in unserem Gesundheitswesen konnte ich mit meinem Wissen nicht mehr vereinbaren!

  • Kraft Gesetz steht Katzelmacher bei Bedürftigkeit aber auch ein Zuschuß von derzeit 293,66 per Monat für die Krankenversicherung zu. Das entspricht 100% des Ihm zustehenden, halben Beitrags. So hätte er dann gar keine Aufwendungen für die Versicherung und könnte sicher besser auskommen. Zumindest so gut das mit der Rente geht....

  • egal wie das System zum Schluss sein wird: Es wird immer Menschen geben die sich Leistungen hinzukaufen oder Andere die sich gerade das Nötigste leisten können.

    Fakt ist:
    Das derzeitige System ist von Politikern, Kassenverbänden, den Wählern, den GKVs und PKVs so gebaut worden.
    GKV und PKV haben Vor- und Nachteile. Jeder sagt das er das Bessere zu bieten hat, aber keiner hat Recht! Hier werden öffentlich Äpfel und Birnen verglichen. Beispiele:
    GKV erhält Millionen Subventionen, PKV nicht.
    GKV muss Gewinne an den Staat abführen, PKV nicht.
    GKV bestimmt Leistungen aus der Gesetzgebung, PKV nach Tarifwahl.
    Es gibt so Vieles was hier nicht beachtet wird und in jeglihcer Berichterstattung völlig ausser Acht gelassen wird. Hauptsache die Auflage stimmt. Reporter und Redakteure mit Rückrat würden z.B. einen Herrn Lauterbach (Sozialversicherungsexperte der SPD) mal fragen wie er denn Versichert sei... Wenn man Bezüge von deutlich über 9000,- Euro im Monat hat, 50% der medizinischen Leistungen vom Staat in Form von Beihilfe erstattet bekommt und den Rest mit einer Beihilfeergänzung (was eine private Vollversicherung ist)zu sehr günstigen Preisen versichert, dann kann man sehr schön reden. Warum hinterfragt keiner ob er Mann ebenso redet wenn er 6 Stunden beim Arzt sitzen muss und nur 1200,- Netto hat?

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