Private Krankenversicherung
Beim Kassenwechsel droht Kostenfalle

Ab 2011 wird es leichter, zu privaten Krankenversicherern zu wechseln. Kunden sollten die Kosten der Anbieter genau vergleichen. Denn was der Versicherer für Verwaltung und Verkauf von Privatpolicen ausgibt, fehlt für Leistungen oder Altersrückstellungen.
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FRANKFURT. Die privaten Krankenversicherer (PKV) müssen hohe Summen investieren, um neue Kunden zu gewinnen. Das belegt ein Kostenvergleich des Handelsblatts, in dem die Top-20-Versicherer unter die Lupe genommen wurden. Diese teilen mehr als 90 Prozent des Marktes unter sich auf. Die Untersuchung zeigt, dass die Versicherer im vergangenen Jahr für jeden der rund 167 000 vollversicherten Neukunden rund 11 000 Euro an Vertriebskosten eingesetzt haben. Das ist eine stattliche Summe - entspricht sie doch dem Vielfachen des Jahresbeitrags eines Privatversicherten.

Bezahlt wird dies am Ende von den Kunden selbst. Bei Neukunden fließen die ersten Prämien voll in die Vertriebskosten und nicht in den Versicherungsschutz. Die Altkunden erhalten zum Teil Halteprämien, damit sie nicht zur Konkurrenz abwandern. Die Konzerne argumentieren dabei so: Der Wettbewerb untereinander ist hoch, Abwerbeversuche sind in der PKV an der Tagesordnung. Jeder Krankenversicherer sei daher gezwungen, auch in die Bestandskunden zu "investieren", damit diese bleiben.

gesamte Kosten
Unternehmengesamte Kosten


in Mio. Euro
Quote
Hanse-Merkur155,8825,38%
Dt. Ring135,2525,00%
Central442,8922,85%
Inter134,7720,90%
Union103,9618,68%
DKV680,1718,02%
Gothaer133,4817,74%
Signal347,5417,06%
Continentale222,1316,59%
Hallesche158,1116,52%
Victoria121,7616,47%

Axa

357,0516,26%
Bay. Beamten219,8116,06%
Universa72,9415,63%
Barmenia205,4415,31%

Allianz

444,9114,08%
Süddt.73,4711,31%
Debeka393,049,01%
LKH54,907,37%
Huk-Coburg67,387,24%
Summe4524,90

Viele Kunden wissen das nicht. Denn die Kosten eines Versicherers spielen beim Vertragsabschluss selten eine Rolle. Krankenversicherungen sind Produkte, die in der Regel über Vertreter vermittelt werden. Deren wichtigste Verkaufsargumente sind dabei Ersparnisse bei der Prämie und höhere Leistungen der PKV. Ohne Frage seien dies wichtige Punkte, sagen Kenner wie der PKV-Gutachter Peter Schramm. Sehr wichtig sei aber auch ein Vergleich der Kosten. Denn was der Versicherer für Verwaltung und Verkauf von Privatpolicen ausgibt, fehlt anderswo für Leistungen oder Altersrückstellungen. Denn das Prinzip der privaten Krankenversicherung ist einfach: Ausgegeben werden kann nur, was die Kunden vorher durch die Beiträge gezahlt haben. Und wenn Geld fehlt, steigen eben die Beiträge.

Für Vertreter wird es wieder leichter, Kunden für die privaten Versicherer zu werben

Die hohen Kosten für die Kundengewinnung werden bereits kritisch hinterfragt. Für Branchenkenner wie Marc Surminski vom Fachblatt "Zeitschrift für Versicherungswesen" ist genau dies ein Kernproblem der PKV. Die Unternehmen müssten immer mehr Geld in Neu- und Altkunden investieren. An diesem Prinzip ändert sich nach Einschätzung von Experten auch nichts, wenn es wieder einfacher wird, in die PKV zu wechseln - was die Regierung im Rahmen ihrer Gesundheitsreform plant. Denn davon profitieren in erster Linie die Vertreter. Für sie wird es leichter, gesunde und gut verdienende Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen für die privaten Versicherer zu gewinnen.

Die Branchenzahlen bestätigen den Trend: 2,3 Mrd. Euro gaben die Top-20-Versicherer im vergangenen Jahr für den Vertrieb aus. Aus Sicht der Unternehmen sind das notwendige Ausgaben, um weiter zu wachsen. Manche in der Branche sind gezwungen, Neukunden zu gewinnen, weil sie viele ältere und häufig kranke Mitglieder haben. Je mehr junge Menschen solch ein Versicherer nun findet, umso besser für ihn und auch die Altkunden. Denn junge Leute sind seltener krank und kosten daher weniger als ältere Menschen.

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Kommentare zu " Private Krankenversicherung: Beim Kassenwechsel droht Kostenfalle"

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  • @(2) Jonas
    Also, gehirnamputiert klingt einleuchtend, so einfach ist das aber nicht.
    Als ich mich Anfang der 90er Jahre wegen drohender Arbeitslosigkeit selbständig machte wäre ich gern als freiwillig Versicherter in der DAK geblieben. Die wollte aber schon damals sofort und ohne berücksichtigung dessen, was ich an Einnahmen überhaupt erzielen könnte, den vollen betrag von etwas über 890 DM/p.m. von mir, den ich, im Startloch sitzend, aufzubringen gar nicht in der Lage war. Deshalb war ich mit Anfang dreißig nicht unglücklich, in eine PKV wechseln zu können.
    Natürlich habe ich schnell gemerkt, wie dort der Hase läuft und dass die beiträge Jahr für Jahr um zehn Prozent steigen. Allerdings bin ich heute, fast zwanzig Jahre später, immer noch nicht da wo mich seinerzeit die DAK haben wollte.
    Nun habe ich mich nicht ganz spaßeshalber noch einmal erkundigt, was mich als vollhaftender Selbständiger eine Mitgliedschaft in der GKV kosten würde, so ein Wechsel überhaupt möglich sei. Das wären dann derzeit (unter Anrechnung aller erzielten Einkünfte) etwa 1.300 € p.m., da ich den "Arbeitgeberanteil" mit aufbringen muss.

  • Die Kostenfalle lauert schon vorher: beim Eintritt in die private Abzockerbude. Also lasst es gleich ganz sein, die Rechnung "weniger zahlen, bessere Leistung" KANN nicht aufgehen.

    Aber gerade selbständige besserverdiener sind meistens gehirnamputiert. Auf ihre Gier kann man bauen, auf ihre Dummheit auch.

  • ärzteschoßhündchen ist wirklich gut. naja, jeder depp weiss ja, dass der rösler eine ärztinnengatte ist. wo war eigentlich merkels gehirn bei der auswahl der ministerposten? gabs keine gegenstimmen von csu und cdu? ich kann das nicht nachvollziehen. oder dachten die damaligen entscheider, dass sich der bubi eh nicht lange halten wird?

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