Private Krankenversicherung

Beiträge in der PKV steigen deutlich

Trotz Kritik von der Politik und Verbraucherverbänden steigen die Beiträge für Neuverträge. Schlechte Tarife verteuern sich innerhalb von zehn Jahren um mehr als 4.000 Euro. Ein Vergleich zeigt, wer mehr zahlen muss.
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Spritze: Die Beiträge für private Krankenversicherte steigen. Quelle: dpa

Spritze: Die Beiträge für private Krankenversicherte steigen.

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Die Beitrags-Rally der privaten Krankenversicherer geht weiter. Trotz aller Kritik von Verbraucherverbänden und aus der Politik müssen Neukunden auch in diesem Jahr wieder deutlich mehr zahlen als noch 2011. Nach einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M) steigen die Beiträge 2012 im Schnitt um 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag die Beitragssteigerung noch bei sieben Prozent.

Steigende Beiträge sind das große Manko der privaten Krankenpolicen. Im Schnitt verteuerten sich die Beiträge für Neumitgliedern den vergangenen zehn Jahren um 4,6 Prozent per annum. Die privaten Versicherer profitieren nicht von Steuerzuschüssen, wie die gesetzlichen Kassen. Steigende Kosten für Behandlungen und Medikamente schlagen sich in Mehrkosten für die Versicherten nieder. Außerdem belastet die Branche auch das Zinstief - die Anlage der Überschüsse und Altersrückstellungen ist weniger attraktiv.

„Insgesamt hat sich der Markt aber ein wenig beruhigt“, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. In den Jahren 2001 bis 2011 lag die Beitragssteigerung im Schnitt bei 4,9 Prozent. In den Jahren 2002 bis 2012 nur bei 4,6 Prozent. „Das ist sicherlich unter anderem auch den bevorstehenden Tarifveränderungen hinsichtlich der Unisex-Tarife geschuldet“, sagt Schrinnenburg.

Bei Männern erhöhen sich die Beiträge in diesem Jahr im Schnitt um 5,24 Prozent, Frauen müssen 3,87 Prozent mehr zahlen. Bislang zahlen Frauen wegen der höheren Lebenserwartung gut zehn bis 20 Prozent mehr als Männer. Bis zum 21. Dezember müssen die Versicherer ein Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) umsetzen, nach dem alle Versicherungstarife geschlechterneutral berechnet werden sollen. Ab diesem Termin müssen Männer mehr zahlen.

Trotz einer leichten Beruhigung bei dem Anstieg der Prämien gleicht die Suche nach einem bezahlbaren Krankenschutz für Kunden ohne Vorwissen einem Vabanque-Spiel. Bei einigen Tarifen sind die Beiträge für Neukunden um mehr als das doppelte angestiegen. Für einen PKV-Tarif aus dem Vergleich mussten Kunden 2002 noch 255 Euro zahlen. Heute liegt der Beitrag bei Abschluss schon bei 622 Euro.

Wie sich der Anstieg auf die persönliche Lebensplanung auswirken kann, zeigt die Auswertung von M&M. Bei Männern lag die jährliche Steigerung von schlechten Tarifen bei bis zu 12,4 Prozent. In absolute Beträge umgerechnet stieg der Jahresbeitrag für Männer innerhalb von zehn Jahren um bis zu 4.096 Euro. Frauen müssen bis zu 8,2 Prozent per anno mehr zahlen. Der jährliche Beitrag stieg um bis zu 4.475 Euro.

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19 Kommentare zu "Private Krankenversicherung: Beiträge in der PKV steigen deutlich"

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  • Das ändert aber nichts daran, dass die versicherungsfremden Leistungen wie Elternzeit, Mutterschaftsgeld und Krankengeld bei Betreuung von Kindern letztlich über die Steuern auch von den PKV-Versicherten mitgezahlt werden. Von Unsolidarität der PKV-Versicherten kann also keine Rede sein. Ebenso fehlt die Gerechtigkeit zwischen den Generationen in der BÜRGER-ZWANGSVERSICHERUNG völlig, da die heute aktiven Generationen keinerlei Vorsorge treffen, für die mit zunehmendem Alter steigende Kosten. Sie schieben die Last auf die Schultern der nachfolgenden Generationen, obwohl diese zahlenmäßig deutlich schwächer sein werden.

  • was für Sinn?
    dodo soll siích mal über versicherungsfremde Leistungen der gkv informieren, diese wurden ihnen vom staat aufs auge gedrückt.
    und deshalb muß der staat subventionieren.

  • Es ist ein himmelschreiender Issinn, die GKV steuerliche so massiv zu subventionieren - zumal die GKV prall gefüllte Kassen hat. Der privat versicherte zahlt doppelt: die astronomischen Beiträge UND über seinen Steuerobulus die GKV.

  • PKV braucht kein Mensch.
    Man bezahlt den 3,5 fachen Gebührensatz für gleiche Leistungen der GKV.
    PKV sollte nur Zusatzversicherungen anbieten.
    Ist man einmal in der PKV hat man keinen großen Einfluss mehr über seine Tarifgestaltung. Sobald man auch nur für Kleinigkeiten einen Arzt aufsucht, wird das überteuert abgerechnet. Ärzte langen bei PKV Versicherten zu.
    Ist doch absurd gleiche Leistungen mit unterschiedlichen Gebührensätzen abrechnen zu können.
    Fazit: PKV ist Geldbeschaffungsmaschine für Ärzte. Dies führt zu Zweiklassenmedizin und müsste gesetzlich verboten sein.

  • Das Geschäftsmodell der PKV kann nicht nachhaltig sein! Ich wähle mir junge, gesunde und gutverdienende Mitglieder und lege von den Beitragsüberschüssen etwas zurück, um die Beitragserhöhungen im Alter moderat gestalten zu können?
    1. Ich brauche ständig weitere junge, gesunde und Gutverdienende, sonst funktioniert das Geschäftsmodell einer Versicherung nicht mehr, denn auch hier gibt es eine Querfinanzierung über die statistischen Kostenerhebungen der einzelnen Krankenfälle.
    2. Diese Versicherungsnehmer haben keine Kinder, sonst steigen die Beiträge.
    3. Wie lege ich die Beitragsüberschüsse wertstabil an, um sie in 20 oder 30 Jahren zur Beitragsstabilisierung abrufen zu können. (Nicht einmal mehr Staatsanleihen sind sicher!)
    4. Viele der Besserverdienenden über der Versicherungspflichtgrenze (ich rede hier bewusst nicht von den Selbststständigen) haben ein von der Allgemeinheit über Steuern subventioniertes Studium absolviert. Kaum verdient man ordentlich Geld ist all das vergessen und das persönlich kalkulierte Krankheitsrisiko sollte keinesfalls mehr eine solidarische Komponente beinhalten. Außer vielleicht kurz vor der Rente wieder.
    4. Hätte Bismarck die PKV für sein Volk als praktikabel eingeschätzt, hätte er vielleicht dieses Modell gegenüber der GKV bevorzugt. Aber damals hatten die Familien noch Kinder.

    Mich würde interessieren, ob es überhaupt ein Land gibt, in dem die PKV die gesundheitliche Versorgung aller Bevölkerungsteile sicherstellen kann??

    Ich möchte nicht bestreiten, dass die GKV ein relativ undurchschaubares und bürokratisches Gebilde ist.

    Ein GKV-Mitglied

  • Mit einem schlanken Tarifwerk meinte ich nicht die so genannten PKV Billig- oder Einsteigertarife, sondern PKV-Versicherer mit z.B. max 2 oder 3 möglichen Tarifvarianten, die schon sehr langfristig am Markt für Neuzugänge geöffnet sind. Die von mir angesprochen Versicherer verfügen deshalb auch in der Regel über fast keine für Neukunden geschlossenen Bestandstarife. Im übrigen sind solche Versicherer auch nicht im Segment der von Ihnen angesprochen Billigtarife vertreten.

  • @Privamed24

    Kotz! Ich kann dieses Geschwalle nicht mehr hören! Fakt ist, dass die Billigtarife geknallt haben. Wer eine seriöse Beratung zu schätzen weiss, dem ist dieser Umstand bekannt. Viele Existenzgründer oder Geizhälse wollten dies aber nicht wahr haben!!! Wer nicht hören will...! Auskömmlich kalkulierte Tarif sind stabil!

    Keiner hinterfragt die Nachhaltigkeit der GKV!? Keine Rücklagen - ...da Bundeszuschuss 15 Mrd. Euro pro Jahr beträgt (siehe Bilanz Gesundheitsfonds!). Keine garantierten Leistungen, ständige Kürzungen bzw. Ausweitung der Zuzahlungen, Intransparent - da die Abrechnung am Patienten vobei läuft, Auswirkungen der Demographie auf die Umlage, Budgetierung, Rationierung, Ausweitung der Beitragsbemessung auf Einkommen, Mieteinnahmen, Rente, bAV usw. bei gleichzeitiger Erhöhung der Bemessungsgrenze.

    Auch die Bürgerversicherung ist Schwachsinn! Wie werden z.B. die Beamten abgewickelt!? Die Länder sind doch schon pleite.

  • ...statt bei den Vergleichen der PKV's immer nur die Historie der Beitragsentwicklung zu betrachten würde mich doch vielmehr die Altersstruktur sowie die Rücklagen der jeweiligen PKV interessieren, um Rückschlüsse auf die zukünftige Beitragsentwicklung ziehen zu können???!!!???

  • @ Zonja

    Ihre Ratschläge sind sehr gefährlich! Denn mit der Kostenerstattung werden Sie zum Selbstzahler. Der Arzt rechnet da mal gerne wie beim privat versicherten ab - der auch nur Selbstzahler mit Rückdeckung ist. Die GKV erstattet im Gegensatz zu einer guten PKV allerdings nur bis zu den maximal üblichen Sätzen der GOÄ! Als Selbstzahler bleiben Sie auf der Differenz sitzen! Dann müssen Sie noch auf die Erstattung warten! Was bitte ist der Vorteil dabei?

  • Grundsätzlich haben die PKV-Versicherer mit einem "schlanken" Tarifwerk langfristig die höchste Beitragsstabilität. Hier werden alle Risiken zusammen gefasst und die Gefahr einer Entmischung oder einer Fehlkalkulation der Beiträge entfällt. In der Regel sind das auch Versicherer mit geringen Abschlusskosten. da hier keine hohen Provisionen für Versicherungsvermittler gezahlt werden. Leider werden aus diesem Grund bei einer PKV-Beratung diese Gesellschaften von den Vermittlern gerne mal aus Provisionsinteresse außen vor gelassen. Die Beitragsentwicklung der PKV wird sich wahrscheinlich in der Zukunft durch Faktoren wie medizinischer Fortschritt, längere Lebenserwartung und demographischer Wandel weiter verschärfen.

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