Private Krankenversicherung: Ein Weg durch den Tarifdschungel

Private Krankenversicherung
Ein Weg durch den Tarifdschungel

Privatversicherte erhoffen sich im Krankheitsfall die beste Behandlung. Doch die Leistungsunterschiede der Policen sind groß, wie eine Untersuchung des Ratinghauses Franke und Bornberg im Auftrag des Handelsblatts zeigt.
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DüsseldorfDie privaten Krankenversicherungen sind keine Solidargemeinschaft: Während bei den Gesetzlichen die Gesunden für die Kranken und die Jungen für die Alten zahlen, sorgt bei den Privaten jeder Versicherte quasi für sich selbst. Wer jung und gesund ist, kann deshalb oft hervorragende Konditionen mit niedrigen Beiträgen heraushandeln. Doch wie entwickeln sich die Tarife mit steigendem Alter der Versicherten? Und welche Möglichkeiten gibt es, nach einigen Jahren oder Jahrzehnten Laufzeit die Versicherung an geänderte Lebensumstände anzupassen?

Zunächst einmal gilt: Der Tarifdschungel ist für den Laien kaum allein zu bezwingen. Am Anfang sollte ganz grundsätzlich die Frage geklärt werden, ob sich ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenkasse tatsächlich für den Interessenten lohnt. „Viele haben die irrige Annahme, dass eine private Versicherung immer und in jedem Fall besser ist“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). „Dabei gibt es bei den Privaten auch ganz abgespeckte Tarife“, die im Zweifel einen schlechteren Schutz bieten als die Gesetzliche, die man damit verlässt.

Schon bei dieser Grundsatzentscheidung raten die Experten daher dringend, mit einem Versicherungsberater verschiedene Möglichkeiten zu besprechen. Ganz wichtig: Dieser sollte unabhängig sein und auf Honorarbasis arbeiten statt auf Provision, damit er nicht nur das Produkt einer bestimmten Versicherung verkauft. Leicht zu finden sind solche Berater etwa über die Webseite des Bundesverbands der Versicherungsberater (BVVB). Auch die Verbraucherzentralen und der BdV können bei Fragen weiterhelfen.

Ist die Entscheidung für den Eintritt in die Privatwelt gefallen, stehen weitere Auswahlmöglichkeiten an: Wähle ich den Grundschutz, Standardschutz oder Topschutz? Für die aktuelle Studie haben die Analysten von Franke und Bornberg die Kategorien so definiert, dass Standardschutz-Produkte folgende Merkmale aufweisen müssen: Erstattung von Psychotherapie, generelle Erstattung von Krankenfahrstühlen (also Rollstühlen), Zweibettzimmer im Krankenhaus und eine Mindestabdeckung für Zahnersatz-Rechnungen von 60 Prozent. Fehlt mindestens eines dieser Merkmale, wird das Produkt in die niedrigste Kategorie „Grundschutz“ sortiert. Bei Topschutz-Produkten werden außerdem Leistungen für Heilpraktiker, Implantate und Einbettzimmer erstattet sowie eine Abdeckquote von mindestens 80 Prozent bei Zahnersatz.

Bei der Auswahl sollten die Versicherten dabei nicht nur von der aktuellen persönlichen Situation ausgehen, sondern auch mögliche Zukunftsszenarien mitbedenken, rät Philipp Opfermann, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Gerade in jungen Jahren hält man sich oft für unverwüstlich und verzichtet auf Leistungen wie Psychotherapie oder die Bezahlung von Krankenfahrstühlen, damit die Beitragszahlungen möglich niedrig liegen. Aber Ansprüche und Bedürfnisse können sich im Lauf der Zeit ändern.“ Auch zu bedenken: Wie sieht es mit den Angehörigen aus – was, wenn später eines meiner Kinder einen Rollstuhl braucht?

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