Private Krankenversicherung
Leistung nicht inbegriffen

Die privaten Krankenversicherungen müssen sparen, um trotz politischer Vorgaben die Beiträge stabil zu halten. Ihre Kunden geraten zwischen alle Fronten.
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"Gesetzlich Versicherte bekommen häufig mehr Leistungen von ihrer Kasse bezahlt als Privatpatienten", sagt Rolf Klutinius, "sie wissen’s nur nicht." Der Fachanwalt für Sozialrecht berät in seiner Kölner Kanzlei Privatversicherte, die ganz oder auf großen Teilen ihrer Rechnungen sitzen bleiben, weil die Versicherungen die Kostenübernahme verweigert. Manches Mal haben die Unternehmen dabei das Recht auf ihrer Seite. "Viele Kunden lassen sich von günstigen Beiträgen blenden, statt vor Vertragsabschluss nachzulesen, welche Ausschlüsse oder Kostenbegrenzungen sie damit akzeptieren", stellt Klutinius fest.

Versicherungsvertreter stoßen die Interessenten naturgemäß nicht freiwillig mit der Nase auf heikle Punkte. Deren Liste reicht von verkürzten Reha-Aufenthalten über Einschränkungen bei Heilmitteln wie häuslichen Beatmungsgeräten oder Rollstühlen bis hin zu künstlichen Befruchtungen.

Doch viele Versicherer schießen weit über das berechtigte Ziel, Kosten zu sparen, hinaus. Ihre Killerargumente: Behandlungen seien medizinisch unnötig, Honorare überzogen, zweistellige Beitragserhöhungen dringend nötig. Die Nervosität steigt. Das belegt schon die Tatsache, dass sich an fast jedem Landgericht heute eine Kammer auf Streitigkeiten zwischen Patienten und Versicherern spezialisiert hat. Die Arbeit wird ihnen nicht ausgehen: Der politische und wirtschaftliche Druck auf die Privaten nimmt unausweichlich zu.

Das liegt vor allem an vier Punkten.

- Bei den Privaten steigen die Kosten, bei den gesetzlichen Kassen sinken sie zum Teil sogar – siehe Grafik: "Die Kosten der Privaten steigen".
- Immer weniger junge, gesunde Neueinsteiger stabilisieren die unternehmenseigene Mischkalkulation der Generationen.
- Die Gesundheitsreform zwingt die Privaten, ab 2009 einen Basistarif anzubieten, für alle, die ihre hohe monatliche Prämie nicht mehr bezahlen können. Dort gibt es zum Preis des Höchstsatzes der gesetzlichen Kassen von rund 500 Euro Leistungen auf dem Niveau der Gesetzlichen. Die Unternehmen behaupten, dass sich der Tarif nicht rechnet und hausinterne Subventionen benötigt.
- Ab 2009 müssen die Privaten ihren Kunden – ebenfalls politisch gewollt – einen Teil ihrer angesparten Rücklagen fürs Alter bei einem Anbieterwechsel mitgeben. Die neue Freiheit stellen ihnen die Assekuranzen in Rechnung.

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