Private Krankenversicherung
Zinstief treibt Prämien für Privatpatienten

Vielen PKV-Kunden drohen höhere Beiträge. Denn die privaten Krankenversicherer müssen auf die niedrigen Zinsen reagieren. Einer der ersten Fälle: Die Nummer fünf in der Branche, die Generali-Tochter Central.
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FrankfurtDer Kölner Krankenversicherer Central bekommt die Niedrigzinsphase zu spüren - und mit ihm seine knapp 420.000 privat versicherten Kunden: Wie eine Sprecherin dem Handelsblatt bestätigte, wird der Konzern den Rechnungszins für den kompletten Kundenbestand senken müssen.

Dieser Zinssatz ähnelt dem Garantiezins in der Lebensversicherung - allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Er kann verändert werden. Allerdings war dies in der privaten Krankenversicherung (PKV) mit ihren rund neun Millionen Privatpatienten bisher die Ausnahme.

Mit der Rendite aus dem kalkulierten Rechnungszins bauen die Gesellschaften Rückstellungen auf, insbesondere um Beitragserhöhungen für ältere Kunden später abzufedern. Wird der Rechnungszins abgesenkt, steigen in der Regel die Beiträge für die PKV-Kunden.  

Derzeit liegt der Wert für die alten Central-Kunden bei 3,5 Prozent – genauso wie bei den meisten anderen privaten Krankenversicherern. Für Neukunden ab 2013 haben dagegen die meisten der 48 PKV-Anbieter ihren Rechnungszins schon gesenkt - meist deutlich auf 2,75 Prozent. Damit werden Neukunden nicht noch einmal extra zur Kasse gebeten.

Wie stark der Rechnungszins nun für die Altkunden der Central sinken werde, stehe noch nicht fest, sagte die Sprecherin. „Wir werden ihn geringfügig anpassen.“ Das Problem dabei: Falls die Zinsen niedrig bleiben und die Kapitalerträge des Versicherers weiter sinken, drohen damit weitere Absenkungen in den nächsten Jahren - und folglich auch Beitragssteigerungen.

Der Vorteil der Central-Strategie: Nicht alle Central-Kunden müssten im Moment mit Teuerungen rechnen, sagte die Sprecherin. Die Central ist mit rund fünf Prozent Marktanteil sechstgrößter Anbieter von privaten Krankenversicherungen in Deutschland.

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Central und Axa sind die Vorreiter

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  • @kleineInfo,
    gut dass Sie auch mal eingestehen das PKV Unternehmen Probleme haben.
    Und man als Versicherter nicht einmal eine Möglichkeit hat, dort zu kündigen unter Mitnahme der "hohen" Altersrückstellungen.
    Mal ganz ehrlich, die PKV kalkuliert und jongliert schon ein wenig mit Zahlen und Erwartungen die im Endeffekt nur durch hohe Beitragssteigerungen zu erreichen sind.
    Als PKV Versicherungsunternehmen ist es nach meiner Meinung zu einfach, den Gutachtern und Prüfern immer wieder Zahlen zu präsentieren, um neue Beitragsteigerungen zu erreichen. Mir wird Angst und Bange vor einem System mit wirklich unkalkulierbarem Ausgang. Wie PKV Unternehmen wird auch jeder PKV Versicherte kalkulieren müssen. Und da ist es doch tatsächlich so, dass Rentner mit Erhöhungen von 0,25% bis höchstens 3% rechnen können. Mit diesen Steigerungen wird die PKV wohl nicht dienen können, da ist es dann gut dass es die Altersrückstellungen gibt, damit eine sogenannte Beitragsbremse eingebaut ist. Hoffe nur, dass diese Bremsen auch wirken.

  • Gut, dass dies auch mal Erwähnung findet. Manche denken auch, dass bei der GRV und GKV keine Menschen arbeiten und die deshalb kostenlos die Gelder verwalten. Auf der anderen Seite schimpfen die selben Leute über den immensen Beamtenapparat.

  • Vielleicht sollten die PKV Unternehmen einfach - analog der gesetzlichen Krankenversicherung - zum Staat rennen und von denen Milliarden Zuschüsse für den sogenannten Gesundheitsfonds fordern.

    Wie kann man "Probleme" einzelner Unternehmen ständig auf die ganze Branche anwenden? Es gibt genügend vernünftige PKV-Unternehmen, die immer noch gute Zinsen erwirtschaften. Kombiniert mit niedrigen Verwaltungskosten und hohen Altersrückstellungen ist dies ein Faustpfand, dass gesetzliche Krankenversicherungen erst erreichen müssen.

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