Private Rente
Was bei der Riester-Rente schief läuft

Zu hohe Gebühren, zu wenig Rendite, zu undurchsichtige Produkte – die Politik ist sich in ihrer Kritik an der Riester-Rente überraschend einig. Vor allem die Versicherer sind unter Beschuss. Was auf die Kunden zukommt.
  • 36

DüsseldorfWenn Walter Riester gewusst hätte, was er mit der nach ihm benannten, staatlich geförderten Rente anrichtet, er hätte es womöglich bleiben gelassen. Eigentlich hatte sich der ehemalige Arbeitsminister eine Anlageform ausdenken wollen, mit der die Deutschen einfach und effektiv für die Rente sparen sollten. Eigentlich. Herausgekommen sind dabei unzählige Rentenprodukte, von denen die Sparer zumeist weniger profitieren als die Fondsgesellschaften, Versicherer oder die Banken, die diese Produkte anbieten. Zu hohe Gebühren, zu wenig Rendite, kritisieren die Verbraucherschützer.

Die Politiker sind alarmiert. Sie wollen etwas tun gegen den Riester-Wildwuchs.

Zwar stellt das Arbeitsministerium zehn Jahre nach der Einführung der Förderrente fest, dass es einen ausgewachsenen, dynamischen Markt für Riester-Produkte gebe. Allerdings, und dann kommt die Einschränkung, gäbe es neben vielen guten und seriösen auch schlechte, kundenunfreundliche, "kaum durchschaubare Angebote.“ Die Bundesregierung plane deshalb neue Regeln, die die Riester-Rente transparenter und verbraucherfreundlicher machen soll.

Deutlich direkter ist da die Opposition. Die Linken haben erst kürzlich eine Grundsatz-Debatte im Bundestag ausgelöst. Ihr Zorn richtet sich vor allem gegen die Versicherer. "Um den einmal erreichten Lebensstandard auch im Alter halten zu können, sollten die Menschen fortan privat vorsorgen, beschloss Rot-Grün. Heute wissen wir, wer die Gewinnerin ist. Es ist die Versicherungswirtschaft“, sagt der Linken-Abgeordnete Matthias Birkwald.

Die staatlichen Subventionen in Milliardenhöhe flössen ganz zuverlässig in die Taschen der Versicherungsunternehmen. Aber was komme davon bei den Sparerinnen und Sparern an? Was trage die Riester-Rente dazu bei, den Lebensstandard zu sichern? Was trage die Riester-Rente dazu bei, im Alter ein Leben frei von Armut führen zu können? Auf diese wichtigen Fragen gebe es von der Bundesregierung bisher kaum brauchbare Antworten. Das müsse sich ändern, fordern die Linken.

Kommentare zu " Private Rente: Was bei der Riester-Rente schief läuft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Das ist pauschal nicht richtig" - Ausnahmen gibt es immer. Aber Fakt ist, dass bei der Riester-Rente mit zu hohen jährlichen Renditen geworben wird (zumindest bei Rentenversicherungen). Wenn man die Gerantie-Rente betrachtet, und selbst wenn man das doppelte der Garantie-Rente betrachtet, ist das, was am Ende monatlich ausgezahlt wird, ein Witz (kann ich aus eigener Erfahrung sagen)! - Die staatlichen Zuschüsse werden von den Versicherungskosten aufgefressen. Die Auszahlung am Ende ist so niedrig, weil außerdem mit einer unrealistisch hohen Lebenserwartung gerechnet wird. Ich frage mich, wie Sie darauf kommen, dass man bis 85 sein Geld, auch bei den schwachen Verträgen wieder herausbekommen wird? - Bei den Garantieleistungen müsste ich bis 93 warten. Und das ist nur MEIN eingezahltes Geld, ohne die staatlichen Zuschüsse ... - Ich überlege, die Versicherung stillzulegen und das Geld lieber woanders zu sparen. Die Riester-Rente ist zwar pfändungssicher, aber inflationssicher ist sie nicht. Ganz im Gegenteil. Die Inflation wird den Wert des ausgezahlten Geldes reduzieren. Bis jetzt gibt es nur einen Gewinner bei den Riester-Renten, und das sind die Träger, die Versicherungen. Da hat jemand gute Lobby-Arbeit gemacht! - Einen Vorschlag hätte ich, damit das Geld auch wirklich wieder bei den Einzahlern landet: Bei Auszahlung der Rente sollten man sich (auch nachträglich, für bereits abgeschlossene Verträge!) entscheiden können, die Laufzeit des Vertrags zu begrenzen auf 85 Jahre. D.h. die Auszahlung erfolgt nur bis zum 86. Lebensjahr. Dann wird das Geld, welches man bis zu seiner Rente angespart hat auf 18 Jahre verteilt (und nicht auf 26 Jahre oder wie lange man nach den Versicherungstabellen sonst angeblich leben sollte). Das würde die monatlichen Auszahlungsbeträge immerhin um ein Drittel erhöhen. Aus Sicht des Staates ist es sinnvoll, da das Geld durch die Rentner ausgegeben wird und nicht bei den Versicherern verbleibt.

  • Gerade die Grünen sollten sich mit ihrem Zorn zurückhalten, da sie an dem Desaster mitschuldig sind.
    In einer Marktwirtschaft leben die Unternehmen von Gewinnmaximierung. Wer aber staatlich geregelt Produkte generiert, bei denen dieses Imteresse von vorne herein mit dem Vverbraucherinteresse kolidieren muss, darf sich anschließend nicht wundern.
    Leider dauert diese politische Inkompetenz weiter an. Die Schuld hat nicht der, der für die Fehlkonstruktion verantwortlich ist, sondern diejenigen, die ihr Geschäftsmodell damit betreiben müssen.
    dümmer gehts nimmer! Erst Gier fördern und dann lamentieren!
    Letztlich steht doch die Gier des Fiskus für dieses Desaster, weil man an das Geld der Versicherungssparer wollte. Diese Gier jetzt den Unternehmen vorzuwerfen ist zutiefst verlogen und bigott.
    Ehrlich oder fair war die Riester- und Rürupreform nie, sondern einzig und allein auf das Interesse des Staates zur Einnahmegenerierung gerichtet zu Lasten derjenigen, die ihre Altervorsorge darauf aufbauen müssen.
    Neid war schon damals das propagierte Motiv nichtsnützigher Politiker, die ihre hohen Diäten oder ihre feudale Alterversorgung noch nie durch Leistung reechtfertigen mussten.

    H.

  • @Tobi59: Selbstverständlich können Sie statt "Riester" in private Fonds-Sparpläne investieren. Auch diese gibt es bei uns ohne Abschlussprovisionen - AVL finanziert sich allein aus der Bestandsvergütung, die bei jedem Fonds in den Verwaltungskosten enthalten ist. Wie Ihr "Steuertrick" funktionieren soll, verstehe ich allerdings beim besten Willen nicht. Gerade die steuerliche Behandlung ist einer der Vorteile von Riester-Verträgen: Während der gesamten Ansparzeit fällt keine Kapitalertrags-Steuer an, was den Zinseszinseffekt erhöht. Hinzu kommen noch folgende Vorteile neben der direkten Förderung: Das Sparvermögen ist bei Bezug von ALG II unantastbar, der Anbieter muss außerdem die Summe der eingezahlten Gelder garantieren - egal, wie die Börse läuft. Viele Grüße, Uwe Lange

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%