Private Versicherung
Zusatzpolicen gesetzlicher Krankenkassen oft unrentabel

Ohrstöpsel gehören zu den beliebtesten Utensilien eines Kassenpatienten im Krankenhaus. Nur mit ihnen lässt sich das nervige Geschnarche der Leidensgenossen im engen Dreibettzimmer ertragen. Wie verlockend erscheint da die Ruhe eines Einzelzimmers, wie sie vielen privat Versicherten vergönnt ist.

Bisher mussten gesetzlich Krankenversicherte teure Zusatzpolicen bei einem privaten Anbieter abschließen, um in den Genuss von Extras wie Einzelzimmer oder Chefarztbehandlung zu kommen. Seit Jahresanfang können sie auch über ihre Kasse an eine Zusatzversicherung kommen. Dahinter stecken Kooperationen zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung, etwa bei der Barmer Ersatzkasse (BEK) mit der HUK Coburg.

Die Angebote der Zusatzpolicen folgen knallhartem Kassenkalkül: Mit den Extraprodukten sollen vor allem freiwillige Mitglieder bei der Stange gehalten werden, denn die zahlen hohe Beitragssummen und verursachen im Durchschnitt geringere Gesundheitskosten als die übrigen Kassenpatienten. Kehren zu viele freiwillige Versicherte den Kassen den Rücken - 2003 waren es 338.400 - gerät das Budget von AOK & Co. in Schieflage.

Kassen verlieren weniger Mitglieder

Genau das wollte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt mit ihrer Gesundheitsreform verhindern, auch um die Kassenbeiträge stabil zu halten. Sie sieht ohnehin die Zukunft der privaten Krankenversicherung mehr im Zusatzgeschäft, die Grundversorgung soll dann eine wie auch immer gestrickte Bürgerversicherung übernehmen. Einen echten Wettbewerb um gut verdienende Krankenversicherte gäbe es dann nicht mehr.

Bisher zeigen die Zusatzversicherungen genügend Zugkraft, um als finanzieller Rettungsanker der Krankenkassen zu taugen: Die BEK vermittelte für die HUK Coburg im ersten Halbjahr 2004 etwa 125.000 Zusatzpolicen und drückte die Zahl der Abgänge zur privaten Konkurrenz gegenüber dem vergangenen Jahr um zwei Drittel.

"Die mit der Gesundheitsreform ermöglichten Kooperationen bei Zusatzversicherungen sind ein unnötiger Eingriff in einen funktionierenden Markt", kritisiert Ulrich Rumm, Vorstandschef der Allianz Private Krankenversicherung. Komplett auf das Zusatzgeschäft verzichten mag der Münchner Versicherungsriese trotzdem nicht. So ist die Allianz Bündnisse mit einigen Betriebskrankenkassen eingegangen, etwa der BKK Bertelsmann.

Was bringen die Zusatzversicherungen? Weiter auf der nächsten Seite.

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