Probleme für Alterssicherung
Garantiezins für Lebensversicherungen könnte sinken

Anlageexperten der Versicherungsbranche stellen den Garantiezins für Lebensversicherungen in Frage. In alten Verträgen beträgt dieser bis zu vier Prozent, aktuell liegt der Referenzzins der Branche bei 1,75 Prozent.
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Düsseldorf/MünchenDer Garantiezins für neu abgeschlossene Lebensversicherungen könnte nach Einschätzung eines Experten weiter sinken. Der Blick in andere Länder zeige, dass die derzeit garantierte Verzinsung von 1,75 Prozent nochmals reduziert werden könnte. Das sagte der Anlagechef der R+V Versicherung, Uwe Siegmund, am Montag auf der Handelsblatt-Tagung „Kapitalanlagestrategien für Versicherungen und andere institutionelle Investoren“ in München.

Seit 1990 wurde der Garantiezins für Lebensversicherungen in Deutschland bereits mehrmals gesenkt. Er liegt seit Januar 2012 beim Tiefstwert von 1,75 Prozent. „Es ist klar, dass das nicht das Ende sein muss“, sagte Siegmund.

Die Lebensversicherer leiden zunehmend unter dem starken Zinsrückgang am Kapitalmarkt. Die historisch niedrigen Zinsen am Markt für sichere Bundesanleihen bringen bei einer Laufzeit von 10 Jahren derzeit nur eine Rendite von rund 1,7 Prozent. Je länger die Zinsen so niedrig bleiben, um so mehr Probleme bekommen die Versicherer, weil sie mindestens den Garantiezins für ihre Kunden am Kapitalmarkt erwirtschaften müssen.
Neue gesetzliche Regelungen, wie verschärfte Solvabilitätsvorschriften, setzen die Lebensversicherer zunehmend unter Druck. Die rückläufigen Neuvertragsabschlüsse und steigenden gesetzlichen Anforderungen zwingen die Versicherer dazu, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und die Kosten nachhaltig zu senken, stellen die Versicherungsexperten der Beratungsgesellschaft Bain & Company fest.

Über viele Jahrzehnte war die Lebensversicherung dagegen das erfolgreichste Versicherungsprodukt in Deutschland. Sie trotzte dem Aktienboom der späten 90er Jahre und wuchs auch, als die Ertragsteuerbefreiung auslief. Die Branche profitierte von so mancher Wirtschaftskrise, weil ihr Hauptprodukt seit jeher als eine sichere und zugleich ertragsstarke Anlageform galt. Ihre letzte Boomphase erlebte sie zu Beginn der Finanzkrise als Einmalbeitrags-Police, in der Anleger ihre Ersparnisse einlagern konnten, um damit steuerfreie und sichere Erträge zu erzielen.

Der Garantiezins in der Lebensversicherung wird von der Bundesregierung festgelegt. Er betrifft ab einem bestimmten Zeitpunkt immer nur neue Verträge. Für alte Lebensversicherungen haben die Anbieter zum Teil Garantiezinsen bis zu vier Prozent versprochen. Manchen Versicherer fällt es bereits schwer, diese zu erwirtschaften und die Verträge entsprechend zu bedienen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Probleme für Alterssicherung: Garantiezins für Lebensversicherungen könnte sinken"

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  • der letzte Abschnitt ist ein Witz!---- "sichere Erträge erziehlten" soll ich jetzt mal lachen oder was? --- in welchen Jahr lebt der? 1990? 2000? noch nie im §89 VAG gelesen oder was?/ und ja wird von der Bundesregierung festgelegt! ABER NICHT GARANTIERT (...)/
    Des weiteren......ERGO schafft den Zins zum 1.07.2013 ab und Allianz verkauft auch schon Lebensversicherungen ohne Garantie! .....(...)? Wenn ERGO und Allianz das ding Abschaffen ziehen alle anderen wahrscheinlich nach! Und wenn das nicht der Fall ist muss immer noch eine Vorlaufzeit von 6 Monaten eingehalten werden bevor der neue Zins fix ist! Und da noch kein neuer beschlossen wurde.........ja.....sehen wir auch keinen dieses Jahr!
    UND DU MEIN JUNG WILLST MIR SAGEN; DAS DER CHEF VON R+V DIR DAS GESAGT HAT???? NA DANN GLÜCKWUNSCH!!!! GRATULATION!!!

    Falls du mal jemanden brauchst der Klartext redet...schreib mich bei FB an! User: Christoph Hamisch

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Naja, jetzt wollen wir die Kirche mal im Dorf lassen. Die Versicherungslobby hat sich mit § 89 VAG nicht durchgesetzt, diesen gibt es schon sehr lange. Außderdem sind diesem noch viele weitere Schritte - u. a. Protektor - etc. vorgeschaltet und bis jetzt ist kein VR in DTL insolvent gegangen. Anders sieht es da schon im Ausland vor allem bei englischen Policen aus. Für eine politisch gewollte Niedrigzinsphase kann die Branche nichts. Und wer auf §§ rumreitet sollte sich 54, 55 ff. VAG ansehen und dann die Änderungen der Anlagenverordnung, sowie die Risikokapitalvorschriften zur Unterlegung anderer Assets ansehen. Wieso müssen den 80 % in € investiert sein. Warum sind Unternehmensanleihen viel höher zu unterlegen. Wieso gelten Staatsanleihen - auch griechische - nach wie vor als sicher mit 0%? Alles Blödsinn, nicht umsonst wird beim Solvency II erbittert um die Gleichstellung in der Risikokapitalunterlegung von Staats- vs. Unternehmensanleihen gestritten.

  • "Dann müssen die Versicherer eben mal ein paar von ihren Assets versilbern."

    Naja, das ist nicht wirklich eine Lösung. Die Bilanzsumme muss weiter aufgehen, d.h. insbesondere die Rückstellungen müssen durch Kapitalanlagen gedeckt sein. Klar kann eine Versicherung "Assets versilbern", aber im Gegenzug dürfte kein Neugeschäft gemacht werden. Die Leistungen der Versicherer speisen sich ja aus den Erträgen der Kapitalanlagen, daher ist ein "Versilbern" eher nicht sinnvoll und entspricht auch nicht dem Geschäftsmodell.

    Ich stimme aber zu, dass Vertäge einzuhalten sind. Ich glaube hier besteht auch allgemeine Einigung. Eine niedrigere Garantieverzinsung wird es aber vermutlich für Neugeschäft geben. Das ist dann m.E. keine "Frechheit".

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