Provisionen
BaFin rügt private Krankenversicherer

Die Finanzaufsicht BaFin hat die privaten Krankenversicherer ungewöhnlich scharf gerügt. Die Aufseher kritisieren die hohen Provisionen, die die privaten Krankenversicherer den Vermittlern und Maklern häufig zahlen. Allerdings sind der BaFin bislang weitgehend die Hände gebunden.
  • 0

BERLIN/FRANKFURT. Längere Haftungszeiten für Vermittler könne sie nur mit einer gesetzlichen Ermächtigung umsetzen, hieß es in Branchenkreisen. Die Versicherer würden ihren Kunden nicht gerecht werden, wenn sie mit Vermittlern kooperieren würden, "die offensichtlich aus Profitstreben die Qualität der Beratung vernachlässigen", erklärte die BaFin. Die Zeche müssten die Kunden zahlen, da die Provisionen über die Versicherungsprämie finanziert werden. Den Versicherern wurde nachdrücklich empfohlen, die Anreizstruktur zu verändern.

Einzelne Anbieter hatten bereits auf "Exzesse" verwiesen

Zumindest teilweise sieht das die Branche selbst so. "Wir müssen Exzesse bei den Vertriebskosten verhindern", hatte der Vorstandschef der Ergo Versicherungsgruppe, Torsten Oletzky, kürzlich dem Handelsblatt gesagt. Zu Ergo gehört auch der nach Prämieneinnahmen größte private Krankenversicherer, die DKV. Die 46 privaten Krankenversicherer versichern rund neun Millionen Menschen in Deutschland. Nach Angaben des Verbandes der privaten Krankenversicherer lagen die Abschlussaufwendungen, sprich im Wesentlichen die Provisionen, im vergangenen Jahr bei 2,7 Milliarden Euro, 200 Millionen Euro mehr als im Jahr 2008.

Nach Recherchen der BaFin ist die durchschnittliche Höhe der Abschlussprovisionen in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. In Einzelfällen würden die Provisionszahlungen sogar weit über dem Durchschnitt liegen.

Angesichts dieser Entwicklung kündigte die Finanzaufsicht Konsequenzen an. Die BaFin werde künftig darauf hinwirken, dass die Versicherer mit dem Vermittler vereinbaren, im Falle einer frühzeitigen Vertragsstornierung die Provision in ausreichender Höhe zu erstatten. Auf diese Weise solle den Vermittlern der Anreiz genommen werden, nur im eigenen finanziellen Interesse einem Kunden zu empfehlen, zu einem anderen Versicherer zu wechseln. Sollte es Anzeichen für Fehlentwicklungen geben, werde die BaFin mit Sonderprüfungen dem auf den Grund gehen.

Viele Manager in der Branche wünschen sich dagegen, dass die Stornohaftung für Vermittler generell von ein bis zwei Jahre auf fünf Jahre verlängert wird. Bisher kann die BaFin wenig ausrichten. "In der Kalkulationsverordnung kann jedenfalls eine Begrenzung der Provisionszahlungen nicht geregelt werden", hieß es in Branchenkreisen. Die Begrenzung einer einzelnen Komponente wie der Abschlusskosten werde von der bisherigen Ermächtigungsgrundlage nicht erfasst.

Kommentare zu " Provisionen: BaFin rügt private Krankenversicherer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%