Provisionen
Knatsch unter Versicherungsvertretern

Im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute brodelt es. Grund ist der Sturmlauf des Verbandes gegen eine Deckelung von Provisionen für Lebensversicherungen. Viele Vertreter trifft die Initiative womöglich nicht.
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DüsseldorfDie Versicherer wollen die Provisionen in der Lebensversicherung deckeln. Dagegen ist insbesondere der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) in dieser Woche Sturm gelaufen. Doch die schnell aufgebaute Front der Vermittler bröckelt schon nach wenigen Tagen. Dies zeigt ein Brief eines BVK-Funktionärs aus Niedersachsen, der seinen "Ärger und die Enttäuschung über unseren Verband" einfach mal raus ließ.  

Stein des Anstoßes sind folgende Äußerungen: "Nach der Provisionsdeckelung in der PKV letztes Jahr ist das ein weiterer Sündenfall der Versicherer, gegen den wir mit aller Macht kämpfen werden", hatte BVK-Präsident Michael H. Heinz die Pläne des Versichererverbandes GDV kritisiert. "Im Interesse aller BVK-Mitglieder werden wir uns eine weitere Begrenzung unserer Verdienste nicht gefallen lassen."

Die Versicherer hatten zwei Varianten vorgeschlagen, um so der Kritik von Verbraucherschützern und Politiker an überhöhten Provisionen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Danach sollen die Vermittlervergütungen zum Beispiel auf maximal vier Prozent begrenzt werden, gleichzeitig würde die Stornohaftungszeit von fünf auf zehn Jahre verlängert. Das bedeutet: Der Vermittler hat sein Geld erst nach zehn Jahren sicher.

Eine andere GDV-Variante sieht eine Kappung auf 2,5 Prozent vor. Die Stornohaftungszeit von fünf Jahren bliebe. Zum Ausgleich wird zusätzlich eine laufende Vergütung von zwei Prozent gezahlt, die jedoch über die gesamte Laufzeit der Verträge gestreckt würde. Das heißt: Der Vermittler erhält sein Geld nicht gleich zu Beginn auf einen Schlag, sondern nur nach und nach, also Jahr für Jahr.

Starke Kritik an dem Vorgehen der eigenen Verbandsspitze kommt von Versicherungsvertretern aus Niedersachsen. „So machen wir uns unglaubwürdig in der ganzen Branche“, reagierte Daniel Hunke, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes Niedersachsen Süd, auf den Sturmlauf des BVK. Das Schreiben an die BVK-Spitze liegt Handelsblatt Online vor. Er bezweifele stark, dass hier die Meinung der Mehrheit der Verbandsmitglieder, geschweige denn „aller BVK Mitglieder" wiedergegeben werde, wie es in der Pressemitteilung des BVK hieß.

Sein Eindruck von der Stimmung unter Versicherungsvertretern ist völlig anders: „Die Haltung der meisten Vermittler ist schon seit Jahren zu Gunsten einer laufenden Provision in der Lebensversicherung gekippt.“ Erst vor kurzem habe es zum Beispiel auf dem "Niedersächsischen Versicherungsvermittlertag" eine Umfrage dazu gegeben.

Kommentare zu " Provisionen: Knatsch unter Versicherungsvertretern"

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  • Vielen Dank für die guten Beiträge. Dieser ganze Verbraucherschutz- Honorarberatungs- und Protokollierungswahnsinn der insbesondere von Rot-Rot-Grün gefordert wird, macht einen ganzen Berufsstand fast kaputt. Dann noch lieber CDU-FDP wählen, die hier mit viel mehr Sachverstand und Augenmaß für die Märkte agieren.

    Die teuren Honorarberater wird sich der "normale" Kunde gar nicht leisten können und wollen, schon gar nicht für kleinere Versicherungsprodukte. Oder wenn er das Produkt nach einer langen Beratung gar nicht kauft und trotzdem die Beratung bezahlen muss.

  • Gute Argumente meiner Vorredner. Ich bin selber freier Makler und weiss, wie schwer es ist, davon überhaupt zu leben und nach fünf Jahren erst die heutige Arbeit vollends vergütet zu bekommen. So etwas passiert in keiner anderen Branche. Ein ständiges Leben in Unsicherheit. Ausnahmen bestätigen die Regel. Hauseigene Versicherungsvermittler sind meist schlechter qualifiziert und bekommen ein Grundgehalt und einen Bestand, von dem sie partizipieren. Bei solch unqualifizierten Regelungsversuchen wird nur der hauseigene Vertrieb der Versicherer gestärkt. Das ist genau das, was viele Versicherer wollen! Hier wird nur von den eigentlichen Themen abgelenkt. Es wird nie mal hinterfragt, weswegen Versicherungen bei nahezu identischen Provisionvergaben eklatante Abweichungen in den Ablaufleistungen haben. Denn dort liegt der eigentliche Hund begraben. Es wird immer so getan, als wenn ohne Provisionen der Ablaufwert immens höher wäre und alles zum Guten des Verbrauchers laufen würde. Falsch gedacht! Wie kann man nur so naiv sein! Wenn ich auf meine Provision voll oder zum Teil verzichte, ist der Mehrablaufwert in Jahrzehnten trotzdem nicht mehr der Rede wert. Bei den Gesellschaften muss man ansetzen und nicht ganz unten beim Kleinen! Gruß Jochen K.

  • Der Vorschlag kommt nicht umsonst vom Allianzvorstand: dadurch wird der Ausschließlichkeitsvertrieb gestärkt und unabhängige Vermittler gedeckelt. Der unabhängige Vermittler muß sich seinen Bestand selber aufbauen, während der Ausschließlichkeitsvermittler seinen Bestand von den Gesellschaften zugewiesen bekommt.

    Und auch die von Frau Aigner favorisierten Honorarberater führen nicht zum Ziel. England und Holland haben diese bereits eingeführt. Wer nutzt sie? Diejenigen, die es sich leisten können. Halt wie einen guten Steuerberater.

    Übersehen wird, daß Provisionen schon heute anteilig zurückzuzahlen sind, wenn Verträge storniert werden. Mit der Provision werden Akquise und Betreuung vergütet. Wer kann schon von der heutigen Bestandscourtage ein Büro unterhalten geschweige denn Steuern zahlen und eigene Vorsorge betreiben?

    Steigen müssen Beratungsqualität, Ethik in der Beratung und auch dann wird es weiterhin Schwarze Schafe geben, die es in anderen Berufen auch gibt: Bankvorstände, die Geld verbrennen; Notare, die nachts beurkunden ohne Mindestfristen; Steuerberater, die zu Schwarzgeldkonten raten; Politiker, die sich auf Staatskosten teuere Füller oder Kameras kaufen und und und... Das ist nicht zu regulieren.

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