Provisionen

Knatsch unter Versicherungsvertretern

Im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute brodelt es. Grund ist der Sturmlauf des Verbandes gegen eine Deckelung von Provisionen für Lebensversicherungen. Viele Vertreter trifft die Initiative womöglich nicht.
13 Kommentare

Versicherungen: Ende des Provisionswahnsinns

DüsseldorfDie Versicherer wollen die Provisionen in der Lebensversicherung deckeln. Dagegen ist insbesondere der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) in dieser Woche Sturm gelaufen. Doch die schnell aufgebaute Front der Vermittler bröckelt schon nach wenigen Tagen. Dies zeigt ein Brief eines BVK-Funktionärs aus Niedersachsen, der seinen "Ärger und die Enttäuschung über unseren Verband" einfach mal raus ließ.  

Stein des Anstoßes sind folgende Äußerungen: "Nach der Provisionsdeckelung in der PKV letztes Jahr ist das ein weiterer Sündenfall der Versicherer, gegen den wir mit aller Macht kämpfen werden", hatte BVK-Präsident Michael H. Heinz die Pläne des Versichererverbandes GDV kritisiert. "Im Interesse aller BVK-Mitglieder werden wir uns eine weitere Begrenzung unserer Verdienste nicht gefallen lassen."

Die Versicherer hatten zwei Varianten vorgeschlagen, um so der Kritik von Verbraucherschützern und Politiker an überhöhten Provisionen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Danach sollen die Vermittlervergütungen zum Beispiel auf maximal vier Prozent begrenzt werden, gleichzeitig würde die Stornohaftungszeit von fünf auf zehn Jahre verlängert. Das bedeutet: Der Vermittler hat sein Geld erst nach zehn Jahren sicher.

Eine andere GDV-Variante sieht eine Kappung auf 2,5 Prozent vor. Die Stornohaftungszeit von fünf Jahren bliebe. Zum Ausgleich wird zusätzlich eine laufende Vergütung von zwei Prozent gezahlt, die jedoch über die gesamte Laufzeit der Verträge gestreckt würde. Das heißt: Der Vermittler erhält sein Geld nicht gleich zu Beginn auf einen Schlag, sondern nur nach und nach, also Jahr für Jahr.

Starke Kritik an dem Vorgehen der eigenen Verbandsspitze kommt von Versicherungsvertretern aus Niedersachsen. „So machen wir uns unglaubwürdig in der ganzen Branche“, reagierte Daniel Hunke, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes Niedersachsen Süd, auf den Sturmlauf des BVK. Das Schreiben an die BVK-Spitze liegt Handelsblatt Online vor. Er bezweifele stark, dass hier die Meinung der Mehrheit der Verbandsmitglieder, geschweige denn „aller BVK Mitglieder" wiedergegeben werde, wie es in der Pressemitteilung des BVK hieß.

Sein Eindruck von der Stimmung unter Versicherungsvertretern ist völlig anders: „Die Haltung der meisten Vermittler ist schon seit Jahren zu Gunsten einer laufenden Provision in der Lebensversicherung gekippt.“ Erst vor kurzem habe es zum Beispiel auf dem "Niedersächsischen Versicherungsvermittlertag" eine Umfrage dazu gegeben.

Versicherer verteidigen ihre Initiative
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Provisionen - Knatsch unter Versicherungsvertretern

13 Kommentare zu "Provisionen: Knatsch unter Versicherungsvertretern"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Vielen Dank für die guten Beiträge. Dieser ganze Verbraucherschutz- Honorarberatungs- und Protokollierungswahnsinn der insbesondere von Rot-Rot-Grün gefordert wird, macht einen ganzen Berufsstand fast kaputt. Dann noch lieber CDU-FDP wählen, die hier mit viel mehr Sachverstand und Augenmaß für die Märkte agieren.

    Die teuren Honorarberater wird sich der "normale" Kunde gar nicht leisten können und wollen, schon gar nicht für kleinere Versicherungsprodukte. Oder wenn er das Produkt nach einer langen Beratung gar nicht kauft und trotzdem die Beratung bezahlen muss.

  • Gute Argumente meiner Vorredner. Ich bin selber freier Makler und weiss, wie schwer es ist, davon überhaupt zu leben und nach fünf Jahren erst die heutige Arbeit vollends vergütet zu bekommen. So etwas passiert in keiner anderen Branche. Ein ständiges Leben in Unsicherheit. Ausnahmen bestätigen die Regel. Hauseigene Versicherungsvermittler sind meist schlechter qualifiziert und bekommen ein Grundgehalt und einen Bestand, von dem sie partizipieren. Bei solch unqualifizierten Regelungsversuchen wird nur der hauseigene Vertrieb der Versicherer gestärkt. Das ist genau das, was viele Versicherer wollen! Hier wird nur von den eigentlichen Themen abgelenkt. Es wird nie mal hinterfragt, weswegen Versicherungen bei nahezu identischen Provisionvergaben eklatante Abweichungen in den Ablaufleistungen haben. Denn dort liegt der eigentliche Hund begraben. Es wird immer so getan, als wenn ohne Provisionen der Ablaufwert immens höher wäre und alles zum Guten des Verbrauchers laufen würde. Falsch gedacht! Wie kann man nur so naiv sein! Wenn ich auf meine Provision voll oder zum Teil verzichte, ist der Mehrablaufwert in Jahrzehnten trotzdem nicht mehr der Rede wert. Bei den Gesellschaften muss man ansetzen und nicht ganz unten beim Kleinen! Gruß Jochen K.

  • Der Vorschlag kommt nicht umsonst vom Allianzvorstand: dadurch wird der Ausschließlichkeitsvertrieb gestärkt und unabhängige Vermittler gedeckelt. Der unabhängige Vermittler muß sich seinen Bestand selber aufbauen, während der Ausschließlichkeitsvermittler seinen Bestand von den Gesellschaften zugewiesen bekommt.

    Und auch die von Frau Aigner favorisierten Honorarberater führen nicht zum Ziel. England und Holland haben diese bereits eingeführt. Wer nutzt sie? Diejenigen, die es sich leisten können. Halt wie einen guten Steuerberater.

    Übersehen wird, daß Provisionen schon heute anteilig zurückzuzahlen sind, wenn Verträge storniert werden. Mit der Provision werden Akquise und Betreuung vergütet. Wer kann schon von der heutigen Bestandscourtage ein Büro unterhalten geschweige denn Steuern zahlen und eigene Vorsorge betreiben?

    Steigen müssen Beratungsqualität, Ethik in der Beratung und auch dann wird es weiterhin Schwarze Schafe geben, die es in anderen Berufen auch gibt: Bankvorstände, die Geld verbrennen; Notare, die nachts beurkunden ohne Mindestfristen; Steuerberater, die zu Schwarzgeldkonten raten; Politiker, die sich auf Staatskosten teuere Füller oder Kameras kaufen und und und... Das ist nicht zu regulieren.

  • guenther-maier und Kommissar: Sie haben ja so recht. Es kotzt einen nur noch an. Ich hoffe, diese politischen Fachdilettanten erhalten am 22.09. die Quittung. Es gibt zum Glück dieses Mal eine Alternative.

  • Recht haben Sie. Kann ich nur unterstützen.
    Schade dass Sie nicht den Mut hatten, Ross und Reiter zu nennen:_
    1. Überhöhte Provisionen für die "Strukkis"
    2. Beschissene Verzinsung der Versicherer-Anlagen weil
    sie ja genötigt werden zu 65% die uninteressanten
    Staats-Anleihen und Kommunal-Obligationen mit dem Geld
    der Versicherten zu kaufen.
    3. Schuld die Politik welche ja von den Zentral-Banken
    eine niedrige Verzinsung verlangt damit deren
    verschuldete Haushalte nicht implodieren.
    a) Fragen Sie doch einmal einen dieser Damen und Herren
    wie hoch ihr Salär ist (mit allen Nebenverddiensten)
    b) Meinen Sie die legen uns das offen? Hahaha!
    4. Und warum lassen wir uns das alles gefallen?
    5. Es ist eine gute Gelegenheit am 22.9.2013 dafür zu
    sorgen, dass es anders wird.
    Günther Maier

  • Die Zeit heilt alle Wunden bereits jetzt in der Form, dass der ganzen Branche die Leute davon laufen und sich fast kein Nachwuchs mehr findet. Wer glaubt, Honorarberater werden zukünftig die Provisionsanbieter ersetzen, der irrt. Es wird ein paar HB geben, aber insgesamt wird die Beraterbranche, ganz gleich auf welcher Entlohnungsbasis, aussterben, weil niemand mehr Lust auf diese ganze endlose Protokoll-, Erläuterungs und was weiß ich Bürokratie hat...

    Nur mal 1 Beispiel:
    Wenn man eine Immobilie kauft, mal angenommen zum Kaufpreis von 300.000 €, geht man zum Notar, unterschreibt dort einen vorgelesenen, keineswegs erklärten Vertrag und hat noch nicht einmal ein Widerrufsrecht. Aber man hat sich der persönlichen Schuld i.H.v. 300.000 € unterworfen.
    Umfang dieses von kaum einem Laien vollständig verstandenen Vertrages: Ca. 10-15 Seiten. Kein Beratungsprotokoll, nichts dergleichen.

    Dagegen habe ich vor kurzem eine Zusatz-KV für unsere Tochter abgeschlossen. Sagenhafte Investition: 4,90 € monatlich!!!
    Hierzu musste mir der Vermittler 68 (!!!!!) Seiten (Antrag, Verbraucherinfos, Versicherungsbedingungen,...) aushändigen und auch noch ein Beratungsprotokoll abzeichnen lassen.

    Soll sowas zukünftig ein Honorarberater machen? Und für welche Entlohnung?

    Wo ist hier das Verhältnis geblieben: 68 Seiten + Protokoll für ein 4,90 € - Produkt, dort 12 Seiten für einen 300.000 € - Vertrag???

    Ist doch wohl 'ne gewaltige Schieflage, oder?

  • Wie wäre es, wenn man mal die Abschlußkosten und Verwaltungskosten der Versicherungsgesellschaften begrenzt, die sich, wie man an deren Glaspalästen sieht, teilweise dumm und dämmlich verdienen? Wie wäre es, wenn man die Provisionen bei Strukkivertrieben a la DVAG, OVB, etc. begrenzt, die unverschämt hoch sind, weil bei jedem Verkauf noch 10 andere Leute mitverdienen, insbesondere diejenigen, die in der Verdienstpyramide ganz oben stehen? Alle anderen Vorschläge sind ein Witz, 10 Jahre Stornohaftungszeit eine Unverschämtheit. Wer in diese Branche noch neu einsteigt, muss ein Idiot sein.

  • Es ist einfach lächerlich, wie man sich hier in Deutschland über die angeblich überhöhten Provisionen der Versicherungsbranche immer wieder aufregt. Fakt ist aber, dass die Mehrheit der Versicherungsvermittler als Selbstständige mit 30.000 bis 50.000 EUR Brutto im Jahr auskommen müssen. Davon "dürfen" sie dann noch die eigene Krankenversicherung und die Altersversorgung stemmen. Die vereinzelten Fälle von Provisionsgier betreffen doch nicht den kleinen Versicherungsvertreter, sondern allenfalls die von den Versicherungsunternehmen hofierten Strukkibetriebe ála AWD, DVAG und Co. Nur, davon will die breite Masse nichts hören. Man haut hier lieber munter auf eine "Neidpauke" drein, dabei ist da gar nichts Beneidenswertes. Ich staune immer wieder über die Experten, die mit "Fakten" nur so um sich werfen und achso wissend sind... Sie wissen vielleicht von einigen Dingen, aber mit Sicherheit nicht viel von Versicherungen. Sie plappern aber ieber das nach, was andere ihnen vorgaukeln und übertreffen sich dabei gegenseitig im "Rechthaben".

  • Die Deckelung von Provisionen ist der erste Schritt in Richtung Honorar-Finanzberatung. Der nächste Schritt wird die sukzessive Umstellung der Vermittlung auf die Beratung unter Zuhilfenahme von Subventionsmodellen sein. Am Ende stehen die "übrig gebliebenen" Vermittler dann mit ihrem neuen Wirkungsfeld wieder auf eigenen Füssen. Und: Die Zeit heilt alle Wunden...

  • @Anleihenspezialist
    Die vielen hundert oder tausend Gerichtsverfahren bezüglich verschwiegener "KickBacks" sind Ihnen präsent ?
    Es geht nicht um Formalien, sondern um die allgemeine amoralische Denkweise der Anbieter von Finanzprodukten.
    Ein Anbieter sollte die moralische Pflicht verspüren, sein Produkt so zu erklären, daß selbst der dämlichste es verstehen und beurteilen kann. Leider steht Moral dem Gewinnstreben des Anbieters eher im Weg.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%