Rechtsanspruch auf Übertragung von Ansprüchen ab 2005
Betriebsrente - Viele Fußangeln

Vom neuen Jahr an wird es für Arbeitnehmer leichter, beim Jobwechsel die Betriebsrente mitzunehmen. Wann sich das lohnt.

Wenn Bundesligaprofi Fabian Ernst zum Saisonende von Werder Bremen zu einem anderen Verein wechselt, wird er sich um seine Altersvorsorge keine Sorgen machen müssen. Egal, wer sein nächster oder übernächster Arbeitgeber sein wird, für einen geruhsamen Lebensabend sollte es reichen.

Ganz anders sieht es bei vielen Fußballfans aus, die Anspruch auf eine Betriebsrente haben. Für sie ist das Zubrot vom Chef neben ihrer individuellen Vorsorge die Garantie, dass sie im Alter nicht jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Knapp die Hälfte der heute 65-jährigen Arbeitnehmer, die in Rente gehen, hat Anspruch auf ein finanzielles Zubrot vom Arbeitgeber.

Wer freiwillig oder notgedrungen den Arbeitgeber wechselt, steht vor dem Problem, die Betriebsrente auch beim neuen Brötchengeber unterzubringen. Hunderttausende Beschäftigte sind davon betroffen, denn längst arbeiten die Deutschen nicht mehr von der Lehre bis zum Renteneintritt im gleichen Betrieb. In der modernen Arbeitswelt sind Flexibilität und Mobilität gefragt: Zwischen April 2002 und Mai 2003 wechselten 17 Prozent aller 25- bis 29-Jährigen ihren Job.

Anspruch ab 2005

Bisher hatten Arbeitnehmer keinen Rechtsanspruch darauf, Betriebsrenten auf ein anderes Unternehmen übertragen zu können. Sie waren vielmehr auf den guten Willen des neuen Chefs angewiesen. Stellte der sich quer, musste der Arbeitnehmer einen neuen Betriebsrentenvertrag abschließen. Im Laufe eines Erwerbslebens sammeln sich so drei, vier oder mehr unterschiedliche Töpfe für verschiedene Betriebsrenten an.

Diesen Flickenteppich will der Gesetzgeber künftig vermeiden. Er erleichtert daher Arbeitnehmern vom Beginn des neuen Jahres an, beim Jobwechsel Betriebsrentenansprüche mitzunehmen. Was auf den ersten Blick wie ein Durchbruch nach Jahrzehnten des Stillstands wirkt, weist in der Praxis allerdings viele Fußangeln auf.

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Neuregelung mit Einschränkungen

So gilt die gesetzliche Garantie, die Betriebsrente auf den neuen Arbeitgeber übertragen zu können, nur für neue Versorgungszusagen, die ein Unternehmen vom Stichtag 1. Januar 2005 an macht. Unter diese Neuregelung fallen lediglich die externen Versorgungswege, also Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds. Von dem neuen Gesetz profitieren daher vor allem jüngere Arbeitnehmer, die ihre Betriebsrente über eines dieser drei Modelle ansparen. Für alle Ansprüche vor 2005 und solche aus internen Versorgungswegen wie einer Direktzusage und einer Unterstützungskasse ist der Transfer weiterhin nur möglich, wenn der neue Arbeitgeber mitspielt.

Das ist nicht die einzige Kröte, die ein Beschäftigter schlucken muss. Zusätzlicher Nachteil: Nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung sind Betriebsrentenansprüche übertragbar. Derzeit sind das 61.800 Euro. Wer also ein höheres Kapital angespart hat, was bei Führungskräften jenseits der 40 häufig der Fall ist, muss seine Betriebsrente beim ehemaligen Arbeitgeber belassen.

Risiko Steuerfalle

Unabhängig davon, ob der Betroffene Berufseinsteiger oder erfahrene Führungskraft ist, lohnt sich die Übertragung auf den neuen Arbeitgeber nur, wenn die Betriebsrentensysteme vom alten und vom neuen Unternehmen kompatibel sind. Das bedeutet: Ein Transfer etwa von einer Pensionskasse zur anderen ist unproblematisch. Will der Arbeitnehmer jedoch die Direktzusage seines ehemaligen Chefs zum Beispiel in ein Guthaben im Rahmen einer Direktversicherung umwandeln, wird es haarig. Nicht nur, dass der Verwaltungsaufwand immens wäre. "Viel schlimmer ist, dass der Fiskus in einem solchen Fall schon beim Übergang kassiert`, warnt Hans-Peter Naumann, Betriebsrentenexperte bei Ergo People and a Pensions. Das Guthaben aus der Direktzusage ist damit sowohl beim Jobwechsel als auch später bei Renteneintritt (nachgelagerte Besteuerung) mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern. Bei einer Zusage in Höhe von 100.000 Euro und einem Steuersatz von 40 Prozent kassiert das Finanzamt beim Übergang 40.000 Euro. Die Steuerschuld muss der Arbeitnehmer aus seinem übrigen Einkommen bestreiten.

Auf jeden Fall kassieren werden die Verwalter der Rentenvermögen, also die Pensionskassen, Pensionsfonds & Co.: Da laut Gesetz die Arbeitgeber nicht mit den Kosten der Übertragung belastet werden dürfen, werden sich die Versorgungswerke an den Versicherten schadlos halten und die in der Betriebsrente enthaltenen nicht garantierten Überschüsse kürzen. "Das belastet nicht nur Wechselwillige, sondern alle Versicherten", sagt Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung.

Anspruch gilt nicht für alle Leistungen

Wer sich trotz dieser Hindernisse entschließt, seine Betriebsrente zu übertragen, sollte zuvor prüfen, ob mit dem Versorgungsanspruch noch weitere Leistungen verbunden sind. So haben wechselwillige Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Übernahme von Zusatzpolicen etwa zur Absicherung bei Berufsunfähigkeit. Diese Option nehmen viele Versicherte wahr, weil sie so in den Genuss günstiger Gruppentarife kommen. Bietet das neue Unternehmen keine Zusatzpolice an, kann der Beschäftigte seinen Versicherungsschutz verlieren.

Ebenso beliebt wie Zusatzversicherungen ist der integrierte Hinterbliebenenschutz. So vereinbaren viele Beschäftigte, dass das Unternehmen im Todesfall den Angehörigen eine Rente zahlt. Diese Hinterbliebenenversorgung gehört ebenfalls nicht zum Pflichtprogramm des neuen Arbeitgebers - ist also beim Wechsel Verhandlungssache.

Vorteil: Kosten sparen

Bei allen Nachteilen hat die vom 1. Januar an geltende Regelung auch Vorzüge. Wer zu Beginn seines Berufslebens häufig den Arbeitgeber gewechselt hat und Anspruch auf eine Vielzahl kleiner Betriebsrenten hat, spart mit der Konzentration auf ein Versorgungswerk unnötige Kosten. Der Anteil des Beitrags, der für Verwaltungskosten draufgeht, ist bei nur noch einer betrieblichen Rentenkasse deutlich geringer.

Vom Transfer der Betriebsrente profitieren auch Arbeitnehmer, deren Spargroschen sich bisher nur mäßig rentierte. Wer etwa von einer schwachen zu einer leistungsstarken Pensionskasse wechselt, kann sein späteres Firmenzubrot erheblich steigern. Während einige Anbieter lediglich die garantierte Verzinsung von derzeit 2,75 Prozent pro Jahr anbieten können, vermehren andere das Kapital um vier Prozent. Umso wichtiger ist es für die Betroffenen, sich über die Leistungsstärke des neuen Versorgungswerks zu informieren. Wichtige Kennzahlen wie die Nettoverzinsung des angelegten Kapitals finden sich in den Geschäftsberichten der betrieblichen Rentenkassen.

Nur noch eine Rechengröße

Fließt die Betriebsrente aus einem einzigen Topf, hat es der künftige Ruheständler zudem einfacher, seine spätere Versorgungslücke zu kalkulieren. Statt gleichzeitig mehrere Posten im Auge zu behalten, kann sich der Arbeitnehmer auf eine Rechengröße konzentrieren und prüfen, um welchen zusätzlichen Rentenbetrag er sich in Eigenregie kümmern sollte.

Allerdings stehen solche Rechnungen momentan noch unter Vorbehalt. Wie die Übertragung von Betriebsrenten im Detail aussehen wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Denn die Bundesregierung legte zwar das Gesetz vor, regelte aber noch nicht alle Einzelheiten - es fehlt eine Durchführungsverordnung.

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Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 50 vom 02.12.2004 Seite 126

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