Rechtsschutzversicherung
Gutes Recht ist teuer

Macht der Arbeitgeber ärger? Will die Versicherung nicht zahlen? Bei verhärteten Fronten kann oft nur noch der Anwalt helfen. Doch spätestens vor Gericht wird es teuer. Wann sich eine Rechtsschutzversicherung lohnt.
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DüsseldorfDer Nachbar ist des Deutschen liebster Feind, besagt ein Sprichwort. Und tatsächlich mag sich der ein oder andere schon einmal geärgert haben, wenn der Mann auf der anderen Seite des Zauns sein Grünzeug wieder einmal über die Grundstücksgrenze wuchern lässt. Ärger steht auch ins Haus, wenn der Sohn versehentlich einen Film oder Musik heruntergeladen hat und deshalb ein paar Hundert Euro Strafe fällig werden.

Oft lassen sich derlei Schwierigkeiten – ob mit Engelszunge oder durch das Begleichen der Forderung – aus der Welt schaffen. Doch was, wenn dies nicht mehr so einfach geht? Zum Beispiel, wenn der neue Arbeitgeber den Lohn monatelang nicht zahlt oder die Versicherung im Schadensfall nicht aufkommen will? Hier geht es um richtig große Summen, gutes Zureden bringt da häufig nichts mehr.

Wenn sich Fronten verhärten, kann oft nur noch ein Anwalt helfen. Er kann Forderungen von Betroffenen durchsetzen – etwa die Lohnfortzahlung – oder Forderungen Dritter abweisen, zum Beispiel, wenn eine Versicherung Geld einfordert. Das Problem: Anwaltliche Hilfe ist nicht ganz billig. In der Regel bemisst sich das Honorar des Juristen nach einem speziellen Schlüssel am Streitwert der Sache.

Rechner im Internet helfen, die Anwaltskosten grob zu überschlagen. Angenommen, es geht darum, dass ein Arbeitgeber seinem Arbeiter 10.000 Euro schuldet und die Sache vor Gericht geht. Hier müssten Betroffene mit 3.000 Euro Anwaltskosten allein für den eigenen Rechtsvertreter rechnen. Noch nicht enthalten wären, für den Fall einer Niederlage, die Kosten für den gegnerischen Anwalt.

Wer sich einem solchen Kostenrisiko nicht aussetzen möchte, kann darüber nachdenken, eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. „Die Versicherung gilt nicht als elementar wichtig, wie etwa eine private Haftpflichtversicherung, kann aber je nach eigenem Sicherheitsempfinden ein deutlicher Zusatzschutz sein“, sagt Joachim Geiberger, Inhaber und Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen.

Rechtsschutzpolicen gibt es für die Bereiche Privates, Beruf, Verkehr sowie Wohnen und Grund. „Im privaten Bereich verursachen Streitereien mit dem Versicherer die höchsten Kosten“, weiß der Versicherungsberater Andreas Kutschera.

„Wenn zum Beispiel die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht bezahlen will, kommen da allein in der ersten Instanz schon einmal mehrere 10.000 Euro an Anwalts- und Gerichtskosten zusammen.“ Der Privatrechtsschutz lohnt sich dem Berater zufolge vor allem für Personen, die Versicherungen abgeschlossen haben, bei denen es im Schadensfall um viel Geld geht – und unter Umständen kostenträchtige Gutachten notwendig sind.  

Kommentare zu " Rechtsschutzversicherung: Gutes Recht ist teuer "

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  • „Den Anlageberatungsschaden bezahlen die meisten Rechtsschutzversicherungen aber nicht mehr.“

    Die sind ja nicht lebensmüde. Ehescheidungen zahlen sie meines Wissens auch nicht.

    Heute würde ich wohl keine RSV mehr abschließen; allerdings bin ich froh, das bereits 1987 (zu den damaligen Bedingungen) erledigt zu haben (sozusagen als Beruhigungspille, um mir fachkundigen Beistand holen zu können, falls mal wieder jemand der Meinung sein sollte, ich sei nicht nur schwerhörig, sondern auch ein bisschen doof - und mir dadurch größere Nachteile drohen sollten.
    Zumal ich nicht telefonieren kann, was es ggfs. natürlich schwierig machen würde, solche Angelegenheiten erfolgreich zu regeln.

    Wäre nämlich ohne deren Vermittlung ungleich schwieriger gewesen, die Gebäudeversicherung anlässlich eines vor einigen Jahren von einem Nachbarn verursachten Wasserschadens in meiner Wohnung davon zu überzeugen, dass der Fußboden zum Gebäude gehört (und nicht zu den Möbeln).

    Todnervend ist sowas natürlich trotzdem.
    Man kann schon deshalb froh sein, wenn man die RSV nicht wirklich braucht, was ja ohnehin (eigentlich!) der Normalfall sein sollte...

  • Da wir hier beim Handelsblatt sind, wollte ich mal meinen Senf dazu geben, wie es eigentlich um den Rechtsschutz der Rechtsschutzversicherer in bankrechtlichen fällen steht.

    Hier haben nämlich viele Rechtsschutzversicherungen seit dem Massenklagen Telekom, Lehman-Brothers, Filmfonds usw. den Versicherungsschutz ausgeschlossen.

    Für die vermögenden Menschen sollte aber der bankrechtliche Streit abgesichert sein. Den kleinen Streit um die unzulässig erhobene Bearbeitungsgebühr bei Kreditvertrag zahlen die Versicherungen fast alle noch. Da liegt das Risiko aber auch bei nahe Null, zu verlieren.

    Den Anlageberatungsschaden bezahlen die meisten Rechtsschutzversicherungen aber nicht mehr. Es gibt aber in Deutschland ein paar Ausnahmen unter den Versicherern.

    Wer also seine Anlageentscheidung vor Gericht behandelt wissen will, der sollte eine Rechtschutzversicherung wählen, die das abdeckt.

    Die Trennlinie verläuft nicht selten zwischen Rentnern und Arbeitnehmern. Haben Arbeitnehmer in der Regel einen höheren Bedarf das Risiko einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung abzufedern, so sind es häufiger die Rentner, deren Ersparnisse meistens das zu verteidigende Gut sind.

    Überwiegend vermögende Rentner sollten daher danach Ausschau halten, dass ihr Vermögen auch mit einer entsprechenden Rechtsschutzversicherung in Kapitalanlagefällen zahlt.

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