Rendite bei Lebensversicherungen
Aufsicht nimmt Folgen des Niedrigzinses ins Visier

Wenn die Zinssätze auf diesem Stand bleiben, könnte Lebensversicherungen die Puste ausgehen. Das hätte gravierende Konsequenzen, auch für die Versicherten. Deshalb bekommt die Aufsicht nun Argusaugen.
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FrankfurtDie europäischen Versicherer müssen bei einem Stresstest ihre Widerstandsfähigkeit gegen dauerhaft niedrige Zinsen unter Beweis stellen. Die EU-Versicherungsaufsicht EIOPA werde ein Szenario mit niedrigen Kapitalanlage-Renditen in den laufenden Stresstest für die Branche integrieren, sagte der Präsident der Frankfurter Behörde, Gabriel Bernardino, der Nachrichtenagentur Reuters am Montagabend. Wenn die Versicherer das Kapital ihrer Kunden auf Dauer nur noch zu den gegenwärtig geringen Zinsen auf festverzinsliche Papiere anlegen können, können sie den Lebensversicherten die versprochenen Renditen womöglich nicht mehr bieten.

Die EIOPA will die Krisenszenarien, unter denen sich die Versicherer bewähren müssen, noch in dieser Woche bekanntgeben. Dazu gehört ein Verfall von Staats- und Firmenanleihen ebenso wie eine Flaute am Aktienmarkt. Der Stresstest werde keine „Momentaufnahme“ sein, sondern diene dazu, die längerfristige Widerstandskraft der Versicherer aufzuzeigen, sagte Bernardino. Mögliche Konsequenzen müssten die nationalen Aufsichtsbehörden ziehen, in Deutschland also die BaFin. „Es geht nicht um das Scheitern einzelner Unternehmen. Das ist keine Prüfung, die man bestehen oder nicht bestehen kann“, betonte Bernardino.

Teilnehmen sollen so viele Unternehmen, dass der Stresstest mindestens die Hälfte des Lebens- und Sachversicherungsmarktes in jedem der 28 EU-Staaten erfasst. Abgeschlossen werden soll er im Juni. Ergebnisse sollen im November vorliegen.

Der EIOPA-Chef sprach sich dagegen aus, genaue Resultate zu veröffentlichen, wie es beim parallel laufenden Stresstest für die Banken üblich ist. „Es wird definitiv mehr Informationen als beim letzten Mal geben“, versprach er. Der Banken-Stresstest sei aber kein Vorbild. Wenn anschließend veröffentlicht würde, wie viel Kapital jeder Versicherer bräuchte, stünden die Regulierer unter Druck, die Unternehmen keinem „wirklich harten Stress“ auszusetzen. Auch Banken-Aufseher haben die Veröffentlichung der Ergebnisse kritisiert – aus dem gleichen Grund.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rendite bei Lebensversicherungen: Aufsicht nimmt Folgen des Niedrigzinses ins Visier"

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  • niedrige Zinsen sind das Feigenblatt der Versicherer.
    Sehen Sie sich doch mal den typischen Renditeverlauf einer Police (z.B. mit klv-check) an. Nach Ablauf der ersten vier bis zehn Jahre bleibt nach Abzug der Provisionen, Risikorückstellungen, Aktionärsdividenden kein Ertrag übrig! Das konnte man in den Hochzinsphasen der Vergangenheit (1990-2000) und mit den Steuervorteilen vor 2005 noch halbwegs wegstecken. Aber bei einem Marktzins von unter 2% ist das nicht mehr reparabel...

  • Lese ich da richtig. Die Staaten mit ihrer ausschweifenden Schuldenpolitik verursachen eine historisch niedrige Zinsperiode, die wir ohne das Fehlverhalten der EU-Regierungen gar nicht hätten. Anschließend kommt eine staatliche Organisation auf EU-Ebene und prüft, warum die Versicherungen in Schieflage kommen könnten? Jetzt wird es schon ein wenig zu albern in der EU.

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