Rentenlücke
Oft hilft nur Konsumverzicht

Viele Deutsche unterschätzen ihre Rentenlücke. Um die Kürzungen in der gesetzlichen Rentenversicherung wettzumachen, müssen die Bundesbürger 15 bis 30 Prozent ihres Bruttoeinkommens zurücklegen. Die Riester-Rente ist dabei ein guter Ansatz, kann die Lücke aber maximal nur zur Hälfte decken.

rez FRANKFURT. Dies sind die Ergebnisse einer Studie des nach eigenen Angaben unabhängigen Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVF) im Auftrag des Finanzvertriebs DVAG. „Ohne Konsumverzicht wird es kaum gehen“, fasst es IVG-Vertreter Thomas Dommermuth zusammen. Allerdings bleiben bei dieser Betrachtung andere Vermögenswerte wie Immobilien, bestehende Fonds oder laufende Versicherungen außer Betracht.

Ein Blick auf die Studie zeigt, dass junge Menschen ihre Rentenlücke mit einem Riester-Vertrag um bis zu 52 Prozent vermindern können, 40-Jährigen um bis zu 28 Prozent. Ältere um 50 Jahre erreichen hingegen nur noch bis zu 19 Prozent. Grund: Wer früh einen Riester-Vertrag abschließt, profitiert besonders vom Zinseszinseffekt.

Die Rentenlücke ermittelte das IVF wie folgt: Den Bedarf im Alter setzt Dommermuth mit 80 Prozent der letzten monatlichen Netto-Einkommen an. Dagegen stellt er die zu erwartende gesetzliche Rente, die nach seinen Schätzungen ein Prozent für jedes Arbeitsjahr, bezogen auf das letzte Netto-Monatseinkommen, beträgt. „Für Menschen, die rund vierzig Jahre voll arbeiten, kommen nicht mehr als gut 40 Prozent gesetzliche Rente heraus; im Durchschnitt über alle Altersgruppen sind es 47 Prozent“, meint Dommermuth. Damit zeigt er sich mit Verweis auf jüngste Renten-Nullrunden und die demographische Entwicklung pessimistischer als etwa das bankennahe Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA), das für 2040 ein Rentenniveau von rund 51 Prozent erwartet.

Für junge Menschen von 20 Jahren ermittelt Dommermuth folglich eine Rentenlücke von bis zu 53 Prozent, für 40-Jährige knapp 40 Prozent und für 50-Jährige gut 30 Prozent. Um diese Löcher komplett zu stopfen, müsste bereits ein Zwanzigjähriger beträchtliche fünfzehn Prozent seines Brutto-Einkommens im Jahr sparen, was bei 15 000 Euro 2 250 Euro seien, sagt Dommermuth. Bei Älteren wären sogar 30 Prozent und mehr nötig, um die Lücke zu schließen.

Mit Hilfe der Riester-Rente, die Sparer mit Zulagen, auch für Ehepartner und Kinder, sowie mit Steuervergünstigungen fördert, lassen sich die Lücken immerhin vermindern. Rechnet man die Förder-Rente ein, verkleinern sich die Löcher laut Studie je nach Alter und Anlageart auf bis zu ein Viertel. Mit einem Fondssparplan kann etwa ein Vierzigjähriger mit Einkommen von 55 000 Euro im Jahr seine Rentenlücke demnach um 306 Euro im Monat auf 1076 Euro verringern, mit einer Rentenversicherung bleibt die Lücke mit 1154 Euro etwas größer.

„Eine Riester-Rente bringt die Menschen auf den richtigen Weg, aber noch lange nicht ans Ziel“, resümiert Dommermuth. Wie andere Experten rät er Arbeitnehmern, zusätzlich mindestens fünf bis zehn Prozent des Bruttoeinkommens für die Altersvorsorge zu sparen.

Andere Studien belegen ebenfalls die Notwendigkeit des privaten Alterssparens. Der Fondsanbieter Fidelity stellte kürzlich fest,

dass die Deutschen mit gesetzlicher Rente, betrieblicher und privater Altersvorsorge nur 56 Prozent ihres letzten Einkommens vor Renteneintritt erreichen dürften. Laut DIA überschätzen überdies 60 bis 70 Prozent der Deutschen ihre gesetzliche Rente und haben keine Vorstellung von ihrer Rentenlücke.

Die Riester-Rente gilt als ein Meilenstein auf dem Weg zur privaten Vorsorge. Mit mehr als acht Millionen Menschen hat derzeit ein Viertel der 33 Millionen förderberechtigten Arbeitnehmer, Beamte und Hausfrauen einen Vertrag abgeschlossen, meist bei einem Versicherer.

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