Rentenlücke wird häufig unterschätzt
Risikoscheu der Deutschen liegt an mangelndem Finanzwissen

Das Rentenniveau geht in den nächsten Jahrzehnten schrittweise zurück, doch nur die wenigsten Arbeitnehmer haben ein klares Bild davon, was der Rückzug der gesetzlichen Rente bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung für ihre persönliche Planung tatsächlich bedeutet.

Vor der Riester-Reform von 2001 kam ein Eckrentner – also ein durchschnittlicher Bezieher – auf etwa 70 Prozent seines letzen Nettogehalts. Dieser Wert ist spätestens seit der Einführung des Nachhaltigkeitsfaktors im Jahr 2004 nicht mehr zu halten. Bis zum Jahr 2030 wird das durchschnittliche Rentenniveau um etwa 11 Prozentpunkte auf rund 59 Prozent fallen. Gutverdiener müssen mit weit höheren Einbußen rechnen. Anders als beim fiktiven Eckrentner, der stets den durchschnittlichen Lohn aller Versicherten verdient, übersteigt deren Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze. Dieser Teil wird bei der Rente jedoch nicht berücksichtigt.

Der Abstand zwischen letztem Nettolohn und erster Rente ist daher bei den höheren Einkommen besonders groß. Nicht nur Besserverdiener, auch die jüngeren Arbeitnehmer werden von der Umlagerente künftig nur noch einen Bruchteil des gewohnten Einkommens erhalten. Den heute 40- bis 49-jährigen werden, wenn sie in Renten gehen, im Durchschnitt 250 Euro im Monat gegenüber dem Status vor den Reformen fehlen. Bei den 50- bis 59-jährigen wird die Rentenlücke 112 Euro und bei den älteren Haushalten (60 Jahre und älter) 61 Euro betragen. Die anfängliche Rentenlücke steigt bei den Älteren in der Mitte ihrer Bezugszeit mit 125 Euro auf mehr als das Doppelte, da sich der Nachhaltigkeitsfaktor bei ihnen – anders als bei den Jüngeren schon beim Renteneintritt – erst später auswirkt.

Diese Rentenlücke muss nun aufgrund der höheren Lebenserwartung außerdem über einen längeren Zeitraum kompensiert werden. Die fernere Lebenserwartung nimmt in Deutschland im Trend um 1,5 Monate pro Jahr zu. Männer und Frauen im Alter von 60 Jahren können heute damit rechnen, noch weitere 19,8 bzw. 23,9 Jahre zu leben, das sind bis zu fünf Jahre mehr als 1970. Bis zur Jahrhundertmitte könnte die Lebenserwartung für dann 60-jährige Männer im Durchschnitt noch fast 24 und für Frauen noch 28 Jahre betragen. Umfragen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) zeigen, dass die Deutschen die Dynamik beim Anstieg der Lebenserwartung noch gar nicht in vollem Umfang erfasst haben. Männer unterschätzen ihre tatsächliche Lebenserwartung im Durchschnitt um fünf Jahre. Frauen leben durchschnittlich sogar sieben Jahre länger als sie vermuten.

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