Riester-Eichel-Rürup - Renten ohne Ende
Im Dschungel der Reförmchen

Gesetzliche Rente, staatlich geförderte Rente oder private Rente: Die jüngsten Gesetzesänderungen führen zu einer verwirrenden Vielfalt der Modelle für die Altersvorsorge. Ein Überblick.

"Riester-Rente": Zertifizierte Finanzangebote wie Rentenversicherungen, Fonds- oder Banksparpläne fördert der Staat durch Zulagen und/oder die steuerliche Abzugsfähigkeit der Beiträge als Sonderausgaben. 2004 und 2005 können zwei Prozent vom Vorjahreseinkommen angelegt werden, maximal 1050 Euro. Die Grundzulage beträgt dann 76, die Kinderzulage 92 Euro pro Kind. Die spätere Rente ist zu versteuern.

Von 2006 an müssen die Rentenversicherer zudem gleiche Tarife für Männer und Frauen anbieten, bislang erhält eine Frau bei gleichen Einzahlungen etwa 10 bis 15 Prozent weniger Rente. Der Grund: die längere Lebenserwartung der Frauen. Da die "Riester-Rente" Lücken der gesetzlichen Rente ausgleichen soll, ist nun aus der gesetzlichen Rente das Prinzip "Gleiche Rente für gleichen Beitrag" übertragen worden. Für bis Ende 2005 abgeschlossene Verträge ändert sich in diesem Punkt nichts.

"Eichel-Rente": Sie wird oft Betriebsrente genannt, was aber mitunter zu Missverständnissen führt. Denn mit Leistungen des Betriebes hat die "Eichel-Rente" grundsätzlich nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um eine private Vorsorge, bei der Teile des Gehaltes unmittelbar fürs Alter investiert werden. Die Rente kommt nicht vom Betrieb, sondern wird über den Betrieb organisiert. Bis zu vier Prozent des Bruttogehaltes kann der Arbeitnehmer investieren (zum Beispiel in eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds), maximal 2472 Euro in diesem Jahr.

Entgeltumwandlung nennt sich das dann. Für diesen Sparlohn fallen keine Steuern an, bis 2008 auch keine Sozialabgaben. Wegen des Steuervorteils kam der Begriff "Eichel-Rente" auf. Denn je nach Steuersatz trägt der Staat indirekt gut die Hälfte der Prämien. Später werden aber auch für diese Leistung Steuern fällig. Das gilt auch für die beliebte "Direktversicherung".

Sie wird von 2005 an wie eine "Eichel-Rente" behandelt. Kleines Plus: Bei den steuerfreien Beiträgen gibt es einen Zuschlag von 1800 Euro im Jahr. Die bislang praktizierte günstige Pauschalbesteuerung entfällt dann allerdings.

"Rürup-Rente": Von 2005 an können Sparer Aufwendungen für die gesetzliche und die private Rente teilweise als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Vorgeschlagen hatte dies die vom Ökonomen Bert Rürup geleitete Kommission zur Reform der Alterseinkünfte. Bis zum Betrag von 12.000 Euro bei Alleinstehenden und 24.000 Euro bei Verheirateten können zunächst 60 Prozent der Aufwendungen abgesetzt werden.

Der abzugsfähige Anteil erhöht sich bis 2025 jährlich um zwei Prozentpunkte, von 2025 an mindern also 100 Prozent der Aufwendungen die Steuern - die Obergrenze liegt dann aber bei 20.000 und 40.000 Euro. Im Gegenzug werden die Renten mehr und mehr steuerpflichtig. Leistungen, die 2040 oder später beginnen, sind voll zu versteuern.

Ein Arbeitnehmer mit 50.000 Euro Jahresgehalt kann von 2005 an neben den Pflichtbeiträgen zur gesetzlichen Rente etwa 10.000 Euro steuerlich begünstigt in die Privatvorsorge stecken. Die Vorschriften für die "Rürup-Rente" sind indes noch restriktiver als bei der "Riester-Rente": Die Rentenzahlungen dürfen erst vom 60. Lebensjahr an fließen, die Kunden dürfen den Vertrag weder übertragen noch vererben. Wie bei der gesetzlichen Rente verfällt das Geld bei vorzeitigem Tod. Eine Einmalauszahlung, etwa für Immobilienkäufe, ist nicht vorgesehen.

"Privatrente": Die privaten Leibrenten der Lebensversicherer sind durch das Alterseinkünftegesetz ebenfalls betroffen, und zwar positiv. Denn neu geregelt werden auch die Ertragsanteile bei Renten. Mit diesen Sätzen ermittelt der Fiskus pauschal, wie viel von einer Rente nur die Rückzahlung eigenen Geldes ist und wie viel Kapitalertrag. Bisher beträgt der Ertragsanteil für eine Privatrente mit Start im 65. Lebensjahr 27 Prozent. So viel von seiner Rente muss der Kunde versteuern. Die Sätze sinken als Folge des Alterseinkünftegesetzes. Bei einem 65-jährigen Rentner sind nur 18 Prozent zu versteuern. Davon profitieren auch Kunden, die ihren Vertrag vor 2005 abgeschlossen haben. Voraussetzung ist, dass die Beiträge zu dieser Rente aus versteuertem Einkommen bezahlt und nicht gefördert wurden.

Quelle: Die Zeit Nr. 26 vom 17.06.2004

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%