Riester-Fondsrente
Versicherungen tricksen bei Renditeprognosen

Mit satten Renditeversprechen werben Versicherungskonzerne um Kunden für ihre Riester-Policen. Großes Vertrauen sollten Sparer in die Prognosen allerdings nicht setzen. Denn die Rechnungen vieler Anbieter sind künstlich aufpoliert und beziehen auch Provisionen ein, die der Versicherte in der Realität nie zu sehen bekommt.

DÜSSELDORF. Viele Beispielrechnungen für fondsgebundene Rentenversicherungen sind unrealistisch. Diesen Vorwurf aus der Fondsbranche bestätigen Mathematiker und Altersvorsorgespezialisten. Um Geschäft zu machen, würden Kunden mit hohen Prognosen in die Irre geführt. Wie Versicherer ihre Renditeprognosen für die Riester-Fondsrente künstlich aufpolieren. "Die Ablaufleistung wird künstlich hochgerechnet", kritisiert der Finanzplaner Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge.

Als eines der Negativbeispiele gilt der Volkswohl Bund. Der Versicherer aus Dortmund vertreibt Fondspolicen sehr erfolgreich über mehr als 13 000 Agenten und Makler. Doch Spitze ist man nicht mehr. Deshalb werben die Dortmunder seit kurzem so: "25 Prozent mehr prognostizierte Rente."

Es geht um die vorderen Plätze in Ranglisten. Wenn man einen Vergleich mit dem Datenanbieter Morgen & Morgen vornimmt, fördert das aber merkwürdige Ergebnisse zutage. Der Volkswohl Bund liegt mit seinen Prognosen bei Riester-Renten weit vorne, Spitze sind aber auch die Kosten. Das ist kein Einzelfall: Für etliche Versicherer mit hohen Kosten weist die Datenbank die besten Ablaufleistungen aus, während ein günstig arbeitender Versicherer wie Cosmos Direkt im Mittelfeld landet.

Gute Ergebnisse für die Kunden und hohe Kosten sind langfristig schwer vereinbar. Über Beispielrechnungen punkten manche Versicherer damit heute dennoch im Markt. Wie solch ein Kniff funktioniert, erklärt der Volkswohl Bund gegenüber seinen Maklern ganz offen: "Auch unsere fondsgebundenen Riester-Renten erhalten ab sofort einen jährlichen Überschuss in Höhe von 0,65 Prozent des vorhandenen Fondsguthabens. Die prognostizierte Leistung erhöht sich somit um fast zehn Prozent."

Für Experten geht es hier um nicht anderes als einen "Kickback", also eine Rückvergütung der Fondsgesellschaft an den Versicherer. Üblicherweise fließt so ein Teil der jährlichen Managementgebühr von durchschnittlich 1,5 Prozent wieder an den Anbieter zurück. Der Versicherer verbucht dies als Gewinn zugunsten des Kunden und rechnet es in die Prognose ein.

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