Riester-Rente

„Die Leute werden veräppelt“

Millionen Deutsche haben einen sogenannten Riestervertrag. Mit der staatlich alimentierten Privatrente hoffen sie auf einen geruhsamen Lebensabend. Dummerweise fressen viele Riesterprodukte die Prämien von Vater Staat auf. Die Finanzkonzerne verraten ihren Kunden das meist nicht, wie ein aktuelles Gutachten beweist.
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Ein gutes Geschäft? Viele Riester-Kunden klagen über hohe Gebühren. Quelle: Volkmar Schulz / Keystone Presse

Ein gutes Geschäft? Viele Riester-Kunden klagen über hohe Gebühren.

FRANKFURT. Für einen geruhsamen Ruhestand zu sparen, ist alles andere als einfach. Selbst gut Informierte müssen passen, wenn es darum geht, die zum Teil hochkomplexen Vorsorgeprodukte zu verstehen und dann auch vergleichen zu können. Schuld daran sind die Produktanbieter, die für den Kunden entscheidende Information nicht verraten. Zu diesem Ergebnis kommen Wirtschaftswissenschaftler von der Universität Bamberg.

Für ein aktuelles Gutachten im Auftrage der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) haben die Wissenschaftler staatlich geförderte Vorsorgeprodukte, die sogenannten Riester-Produkte unter die Lupe genommen. Geprüft wurden dabei Angebote für 45- und 30-jährige Interessenten. Das Ergebnis ist ernüchternd: Rund 40 Prozent der Angebote für die 45-jährigen Sparer weisen erhebliche Mängel auf. Es fehlen Angaben zu den Abschluss- und Vertriebskosten sowie den Verwaltungsgebühren.

Verschwiegen werden oft auch die Kosten, die bei einem möglichen Anbieterwechsel anfallen würden. In gerade einmal jedem dritten Angebot ist dazu etwas zu finden - und dann auch nur schwer nachvollziehbar für die Interessenten. Der Vergleich zwischen mehreren Angeboten ist so kaum möglich. "Ein passendes Riester-Produkt zu finden, gleicht einem Lotteriespiel", sagt Gerd Billen, Vorstandsvorsitzender der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Bei der zweiten Altersgruppe sieht es nur unwesentlich besser aus. Rund 30 Prozent der Angebote für die 30-Jährigen fallen unangenehm durch fehlende beziehungsweise unzureichende Informationen auf.

Für das Gutachten hatten die Wissenschaftler der Uni Bamberg gut 70 Riester- Produkte untersucht. Viele Verbraucher sind bei der Wahl "schlicht überfordert". Der vzbv fordert deshalb eine Standardisierung der Produkt- und Kosteninformationen, damit Verbraucher Verträge besser miteinander vergleichen können.

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26 Kommentare zu "Riester-Rente: „Die Leute werden veräppelt“"

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  • ich möchte mal wissen warum alle Welt die RiESTER-Vorsorge so toll findet. Keine Kinder = 154.-€ p.a.??? Super!!
    Würde der gleiche AN zum AG gehen und einen bAV-Vereinbarung verlangen hat er den gesamten betrag (4% der bbG)Steuer- und SV frei.(Das Nachversteuert KV und PV bezahlt werden müssen ist bekannt!) bin gerne zu einem Gespräch bereit.

  • Gute beratung muss und darf etwas kosten - aber nicht vierstellige Unsummen, die in keinem Verhältnis zum Aufwand des Vermittlers stehen. beratung zum Vorteil des Versicherten ist zudem durch die Drückerkolonnen von DVAG, MLP ... nicht zu erwarten. Aus eigenem Erleben weiß ich, wie es ist, wenn einem der Wechsel zu einen anderen Riester-Tarif bei der gleichen Versicherungsgesellschaft (!!!) aufgeschwatzt wird und dann - trotz gegenteiliger Auskunft des "Vermögensberaters" nochmal die vollen (!!!) Abschluss- und Vertriebskosten (Provisionen) abkassiert werden.

  • Private Versicherungen zum Vermögensaufbau, oder zur Altersvorsorge??? Nach Abschaffung der bU ab Jahrgang 1961 in der GRV (nun ausschließlich durch Arbeitnehmer bei privaten Versicherten zu finanzieren), wird das seit mehr als 100 Jahre bewährte und ursprünglich paritätisch finanzierte System (wie auch bei der GKV) weiter zerstört.Das umlagenfinanzierte System hat nur ungefähr ein Zehntel der Kosten wie die Riesterrente. Ohne Riester würden die beiträge bis 2030 auf maximal 25% steigen, während nun die Arbeitbehmer bis maximal 22% Rentenbeitrag, die verbleibenen 4% alleine tragen - siehe www.nachdenkseiten.de - Da zugleich der sogenannte Riesterfaktor in der Rentenformel (siehe auch wikipedia) die Gesetzliche Rente weiter schmälert, finanzieren die Arbeitnehmer quasi damit auch noch über ihre Zwangsbeiträge selbst die "großzügige" Steuerförderung der Riesterrente,bzw. die Förderung von Versicherungskonzernen (bzw. es ist traurig und höchst problemtaisch, wie unsere Regierung, egal welcher Colour, inzwischen mit Lobbyisten durchtränkt ist, und zu welchen Konsequenzen dies für den normalen Arbeitnehmer in fast allen Lebensbereichen inwischen führt). Transparente und nachvollziehbare berechnungen findet man auch auf der Seite www.riesterrentenbetrug.de . Das die SPD-Mitglieder Riester und AWD-Rürup (AWD-Vorstand ist übrigens ein Herr Maschmeyer, ein Kumpel von
    G(asprom) Schröder) mit Vorträgen oder als Angestellter sich dumm und dämlich verdienen,...

  • "beiträge incl. Zulagen sind garantiert und zwar nach Kosten. Die Garantie bedeutet nur eine 0%-Rendite aber Geld verlieren kann keiner mit einem Riestervertrag."

    Das ist sachlich doch gelogen.

    bei Renten kommt es immer darauf an, wie lange derjenige lebt.

    Stirbt er zu früh, ist sein Geld futsch.
    Gespartes Geld hätte er wenigstens noch vererben können.

    Was soll also solche offensichtliche Desinformation?
    Sind Sie bankberater?

  • Es ist schon interessant, daß sich eine Zeitung wie das Handelsblatt, für solch einen bullshit hergibt. Prof. Jägers Analyses ist methodisch völliger Unsinn, weil er die Steuereffekte in der Sparphase gar nicht berücksichtigt, bei der Rente aber schon. Und trotz allem Unsinn ist eines klar zu stellen: bei jedem Riestervertrag gilt: beiträge incl. Zulagen sind garantiert und zwar nach Kosten. Die Garantie bedeutet nur eine 0%-Rendite aber Geld verlieren kann keiner mit einem Riestervertrag. Also Schaum abwischen und Hirn einschalten .

  • Es ist doch schön, dass das Thema Riester immer wieder Stoff für berichte hergibt. irgendwann sollte das Thema doch abschließend diskutiert sein. Hat den Redakteur dieses Artikels schon jemand gefragt, wieviel Honorar er für diesen Text erhalten hat? Geneidet wird ständig, daß am Verkauf von Versicherungsprodukten etwas verdient wird. Wer schützt mich vor geldgierigen Autoverkäufern, Möbelverkäufern, ADAC-Mitgliedswerbern ... Nein, die arbeiten ja alle zum Spass und wollen am Verkauf gar nichts verdienen!

  • ihr Leute aus der Finanzbranche, tut doch nicht so scheinheilig!
    ich habe selbst einmal die Nase in solch eine institution gesteckt. Hier ging es nur darum, dem Kunden Sand in die Augen zu streuen, und großartige Renditen vorzugaukeln, ihm zu zeigen, dass er ein großartiger cleverer Kerl ist, um ihm dann, ohne sein Wissen, durch die sog. prämienbegünstigte Ersteinzahlung – die war nämlich für die anfallenden beratungsgebühren bestimmt- jegliche Rendite für Jahre wieder aus der Tasche zu ziehen.
    Hat der Trollo seine Unterschrift geleistet, klatscht man sich auf die Schenkel und berichtet am Abend der Mamma, wie raffiniert man doch ist, und wie dämlich der andere.
    Oder, wie unlängst einem bekannten geschehen, von einer Sparkasse versucht wurde, ihm einen Fond anzudrehen, der brisanter war, als in der Spielbank alles auf eine Zahl zu setzen.

    bR.D das Produkt ist zunächst erst einmal eine Eizelle. Erst später wird sich herausstellen, ob es nicht ein totgeborenes Kind ist, und für den Erwerb des Produktes „Auto“ brauche ich keine beratungskosten zu zahlen. Allem Anschein nach verdient diese branche an dem Verkauf schon genug.
    bei den Finanzberatern ist es in meinen Augen wie beim Roulett: Die bank gewinnt immer, auch wenn so ein Fond später in die Knie geht. Und dass ich mit meinem Gefühl richtig liege, zeigen zwei Kommentatoren, die sich selbstgefällig die bälle zuwerfen.

  • Klarheit! Transparenz! Verständlichkeit!
    bei der Rieserrente hat man vergessen, die 3 Grundregeln für den Verbraucher zu beachten: Klarheit, Transparenz und Verständlichkeit. Nachbesserung ist möglich!



  • bei uns in Österreich ist es auch nicht anders! im Gegenteil, die "Finanzkrise" wird nun noch als Argument für die staatlich garantierte Pensionsvorsorge verwendet. Das die Garantien aber schlußendlich von der AiG kommen, weiß schon wieder niemand.
    Freu mich aber schon auf das Erwachen der Leute und den zahlreichen irrtumsanfechtungen vor Gericht. Das ist dann "Finanzkrise iii"

  • Oh man wenn ich diese beiträge immer so lese, da kommt mir die Frage, Warum? Hier werden wieder alle Versicherer über einen Kam geschert. ich kann z.b sagen was meine Fondgebunde Riester gekostet hat und noch kostet. Ein guter Versicherer schreibt dies nämlich immer mit rein bzw. ich habe sogar eine extra Seite wo nur die Kosten aufgeführt sind.

    Die Förderung wird dadurch nicht mal um 1 Cent geschmälert. Es gehört nämlich auch zur Wahrheit zu sagen, das die eingezahlten beiträge und Zulagen, ab Auszahlungsbeginn zur Verfügung zu stehen haben. Es ist doch wirklich eine Verdummung der Leser zu schreiben die Zulagen werden durch die Kosten aufgefressen. Warum werden die Leute durch die Medien immer verunsichert und alles in den Dreck gezogen?

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