Riester-Rente
Kosten zehren Riester-Rendite auf

Viele Jahre lief die staatlich geförderte Riester-Rente schlecht. Erst 2005 bekam diese Form der privaten Altersvorsorge einen Schub, weil Vermittler deutlich mehr daran verdienen. Was Vertreter freut, ärgert Kunden. Die Kosten fressen sogar oftmals die Förderung auf. Folge: Viele Verträge rechnen sich nicht.

DÜSSELDORF. Ein Beispiel der Verbraucherzentrale Stuttgart: Eine 28 Jahre alte Frau zahlt den Höchstbeitrag. Das sind 2 100 Euro pro Jahr bis zu ihrem 64. Lebensjahr. Ihr Vertreter bietet ihr eine fondsgebundene Rentenversicherung an. Bei einer Rendite von fünf Prozent zahlt die Sparerin bis zur Rente Kosten von 40 320 Euro.

Außerdem entgehen ihr Kapitalerträge von 38 000 Euro, da die Kosten von der Prämie abgezweigt werden und den effektiv angelegten Betrag mindern. Auf der anderen Seite erhält die Vorsorgesparerin Zulagen und Steuervorteile von etwa 23 000 Euro. Das Ergebnis bleibt jedoch katastrophal: Die Kosten schmälern ihr Kapital bei Rentenbeginn von 200 000 auf 121 680 Euro. "Die Rente wäre ohne Kosten über die Hälfte höher", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale. Sein Fazit: "Viele Riesterverträge sind zu teuer."

Dies ist in der Branche bekannt. "Es gibt günstige und teure Verträge", bestätigt Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge. Der Grund: "Beratung kostet Geld." Das war schon immer so, doch erst seit 2005 lohnt es sich für Versicherungs- und Fondsvertriebe, Riester-Renten zu verkaufen. Inzwischen besitzen elf Millionen Deutsche einen Vertrag, und der Trend zeigt nach oben. 2006 wurden mehr als 2,4 Millionen Riesterverträge abgeschlossen, 2007 sogar 2,7 Millionen.

Grundsätzlich ist das eine gute Idee, weil Sparer über die Riester-Rente Zulagen und steuerliche Vorteile ergattern können. Das erkennen viele aber erst, seit Vermittler mit dieser Botschaft auf Kundenfang gehen. Denn viele Deutsche verdrängen, dass sie nach ihrem Berufsleben ihren gewohnten Lebensstandard im Alter nicht halten können. Nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) legt die Hälfte der Haushalte, deren Hauptverdiener zwischen 1959 und 1973 geboren wurde, nicht genug für das Alter zurück. Wer mit 65 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheidet, hat nach Berechungen des IW 26 000 Euro zu wenig gespart, um den Ruhestand sorgenfrei zu genießen zu können.

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