Riesterrente und neue Angebote der Versicherer vergrößern die Auswahl – Bei einigen Produkten kann der Anleger die Ausrichtung gebührenfrei seinen Wünschen anpassen
Öko-soziale Altersvorsorge kommt auch in Deutschland in Gang

Auch bei der Altersvorsorge halten Produkte Einzug, die ökologische, soziale und ethische Kriterien berücksichtigen. In diesem Jahr kamen Versicherungen mit neuen Konzepten auf dem Markt.

BRÜSSEL. Bis vor kurzem legten fast nur die auf diesen Nischenmarkt spezialisierten Anbieter Provita und die mit der Umweltbank kooperierende Oeco Capital Lebensversicherung die Beiträge ihrer Kunden – nach Kostenabzug – ausschließlich nachhaltig an. Insgesamt existieren knapp ein Dutzend „grüner“, staatlich geförderter Riesterrenten und rund 20 pauschal versteuerte Direktversicherungen. Wie die klassischen Schwestern bieten fondsgebundener Kapitallebensversicherungen die höchsten Ertragschancen, Rentenversicherungen hingegen die höchsten Garantieleistungen. Die Renditen erreichten Marktniveau und manche Garantieleistung sei attraktiv, berichtete die Zeitschrift „Ökotest“.

Die bisherigen Modelle setzen allerdings fast ausschließlich auf Aktien und nicht auf eine Mischung von Aktien-, Immobilien- und Rentenfonds. „Das verstößt gegen alle Grundprinzipien des Anlageverhaltens“, urteilt Josef Wiechers, Experte für grüne Geldanlagen. Die Branche betrachte das Ökologische als Antrieb für den Kauf oft als ausreichend. „Es ist aber blauäugig, die Argumente aus der klassischen Vermögensbildung hinten an zu stellen.“

Risikostreuung und Gewinnabsicherung sollten in keinem Topf fehlen, bestätigt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie kritisiert, selten sei eine Änderung des Anlageschwerpunkts während der Laufzeit möglich.

Nur Provita und der schwedischer Versicherer Skandia bieten schon seit 1995 fondsgebundene Rentenversicherungen mit gemischten Anlagen an. Je nach Sicherheitsbedürfnis kann man unter sieben Anlagestrategien wählen und den Schwerpunkt jederzeit kostenfrei wechseln, also ohne den üblichen Ausgabeaufschlag.

Provita zeigt mit diversen ersten Plätzen auf Ranglisten von Fachzeitschriften zudem, dass Rendite und Umweltbewusstsein vereinbar sind. „Nachhaltige Investments schneiden prinzipiell besser ab als klassische, sofern sie gut gemanagt sind“, meint Geschäftsführer Stefan Maiss. Mit einem platzierten Beitragsvolumen von 100 Mill. Euro sei man im Versicherungsmarkt zwar „eine relativ kleine Hausnummer“, räumt er ein, aber trotzdem Marktführer in der Öko-Szene. Zu den Kunden zählen 130 Unternehmen, darunter Hewlett-Packard, Hipp, RWE und die Bausparkasse Wüstenrot.

Bei der Allianz Leben, dem Branchenführer in Deutschland, sind die Möglichkeiten nachhaltiger Altersvorsorge dagegen eingeschränkt. Seit April können Kunden für alte und neue fondsgebundene Rentenversicherungen immerhin mitbestimmen, welcher Anteil der Prämie „grün“ anlegt werden soll. Anders als bei den meisten Anbietern gibt es aber keine Streuung auf mehrere Fonds, sondern einen eigens geschaffenen Nachhaltigkeitspublikumsfonds. Und nur bei einer Fondsrente ohne Garantiekapital kann der gesamte Beitrag komplett in Öko-Aktien fließen.

Bei einer Fondsrente mit Garantiekapital aber legt die Allianz den für die Garantie nötigen Teil der Prämie klassisch an. Sie entscheidet nach Marktlage, wie viel Prozent in Renten-, Geldmarkt- oder Aktienfonds fließen und ob etwas in den Öko-Fonds kommt. Über den restlichen Teil kann der Versicherte bestimmen und den Anlageschwerpunkt kostenfrei ändern. Der „grüne“ Anteil erreicht daher kaum mehr als ein Drittel. „Eine wirklich ökologische Police wäre sie nur, wenn mehr als die Hälfte der Prämie in den Öko-Fonds fließen würde“, räumt Timo Scheil vom Stuttgarter Versicherer ein.

Eine weiter gehende Lösung bieten seit Mai der Fairsicherungsladen und die Schweizerische Rentenanstalt/Swiss Life: Die Kapitallebensversicherung „Oeco-net“ investiert in Fonds mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren, und zwar ausschließlich nach nachhaltigen Gesichtspunkten. „Die Verbraucher können zwischen drei Strategien wählen – vom sicheren Vermögensaufbau bis zur spekulativen Wachstumsstrategie,“ sagt Wiechers, Chef des Fairsicherungsladens. Je nach Variante macht der Aktienanteil 20, 50 oder 80 Prozent aus. Sind die Aktienkurse hoch, können Anleger vom spekulativen Topf in den festverzinslichen wechseln, den Wertanstieg absichern und nach einem Kursrutsch auf dem Aktienmarkt auf niedrigem Niveau dort wieder einsteigen. Auch wer sich dem Rentenalter nähert, kann nach dem klassischen Prinzip vorgehen: Aktienanteile niedrig halten und auf festverzinsliche Papiere umsteigen.

Mit dem nach dem Muster mancher klassischer fondsgebundener Versicherungen gestrickten Angebot bereichert „Oeco-net“ den Markt. Verbraucherschützerin Weidenbach urteilt: „Es ist positiv, dass der Verbraucher individuelle Wünsche realisieren, Gewinne sichern und das Risiko der wegen der Nachhaltigkeitsorientierung eingeschränkten Anlagemöglichkeiten vermindern kann.“ Kehrseite der erweiterten Produktpalette sei, dass der Markt ebenso wie der klassische unübersichtlicher werde.

Der Neuling verspricht langfristig eine im Vergleich zu andere Öko- sowie klassischen Renten überdurchschnittliche Rendite beziehungsweise Auszahlung. Gleichwohl ist Vorsicht geboten: Die Überschussbeteiligung hängt von der Entwicklung an den Kapitalmärkten ab. Zudem haben fondsgebundene Policen den Nachteil, keine Garantierente zu bieten.

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