Ruhestand
Lücken in der Vorsorge

Experten mahnen zu noch mehr privatem Engagement. Den Deutschen drohen im Alter massive finanzielle Einschnitte, rüttelt zum Beispiel Fidelity International mit seinem Renten- und Alterssicherungs-Index die Bürger auf.

HB BAD CAMBERG. Dem Fidelity-Real-Index zufolge werden sie, wenn sie nicht stärker initiativ werden, beim Renteneintritt im Schnitt nur 56 Prozent ihres letzten Einkommens erreichen. Das Besondere dabei: In dem Index wurden alle Säulen der Altersversorgung – neben der gesetzlichen Rente, die betriebliche Rente, die private Altersvorsorge und sonstige Einnahmequellen – einbezogen. "Alle bisherigen Bemühungen der erwerbstätigen Deutschen reichen nicht, um ihren Lebensstandard im Alter auch nur annähernd zu halten", sensibilisiert Klaus Mössle, Geschäftsführer und Leiter des institutionellen Geschäfts von Fidelity International in Deutschland. Er sieht nicht nur die Bürger, sondern auch die Produktanbieter gefordert, sich etwas einfallen zu lassen, um der finanziellen Unterversorgung im Alter entgegenzuwirken.

Dabei sind seit dem Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes am 1. Januar 2005 die Deutschen förmlich dazu gezwungen, zusätzlich etwas für ihre Altersvorsorge zu tun. "Rentenauszahlungen aus gesetzlichen Kassen, berufsständischen Versorgungseinrichtungen und Leibrenten werden seit 2005 mit 50 Prozent Steuern belegt", erklärt Willi Hollingshaus, Steuerberater in Bad Camberg. Für Neurentner steige die Besteuerung bis 2040 anfangs jährlich um zwei, später um ein Prozent auf schließlich 100 Prozent. Allerdings seien wegen der noch hohen Freibeträge - 18 900 Euro für Alleinstehende, 37 800 Euro für Ehepaare – bisher nur ein Viertel aller Rentner betroffen. "Lebensversicherungen sind auf jeden Fall für die Altersvorsorge weitgehend uninteressant. Dieses Steuerprivileg wurde Anfang 2005 abgeschafft", so Hollingshaus.

"Für einen Arbeitnehmerhaushalt ist nach wie vor die Riester-Rente die erste Wahl", ist Wolfgang Remin, unabhängiger Finanzberater in Lauterbach, überzeugt. Für Selbstständige und besser verdienende Arbeitnehmer sei die Rürup-Rente empfehlenswert. Beide Modelle werden vom Staat steuerlich gefördert. Bei der Riester-Rente erhält der Sparer vom Staat eine Grundzulage von monatlich 60 Euro sowie für jedes Kind eine Kinderzulage zu privaten Sparverträgen, sofern sie der Altersvorsorge dienen.

Die Rürup-Rente lohnt sich dagegen vor allem für diejenigen, die finanziell besser gestellt sind. Seit 2005 sind 60 Prozent der Vorsorgeaufwendungen zur Rentenversicherung – gesetzlich, berufsständische und private Beiträge – als Sonderausgaben abzugsfähig. Bis 2025 soll sich der abzugsfähige Betrag in 2-Prozent-Schritten auf dann volle 100 Prozent erhöhen. Beide Zusatzrentenmodelle haben für Erwerbstätige einen generellen Vorteil. "Das Angesparte wird im Fall von Hartz IV oder einer Privatinsolvenz vom Staat nicht angetastet", weiß Hollingshaus.

Mössle zufolge müssen die Deutschen aber über Riester, Rürup & Co hinaus private Vorsorge betreiben. Ob Sparbuch, Festgeld, Rentenpapiere, Fonds in verschiedenen Zusammensetzungen oder gar Aktien – dies hängt letztlich von der Risikobereitschaft des Einzelnen ab. Nachteil: Kommt es zu Hartz IV oder einer Privatinsolvenz, bedient sich der Staat am Sparkapital, bevor er Leistungen erbringt. Der Steuerberater warnt die Erwerbstätigen davor, für ihre Altersversorgung zu stark auf Erbschaften zu setzen. "Die noch großzügigen Regelungen des deutschen Erbschaftsgesetzes werden angesichts des anstehenden gewaltigen Vererbungsvolumens innerhalb der nächsten Jahre vom Staat stark eingeschränkt werden", schätzt er.


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