SBK – Siemens-Betriebskrankenkasse
Übersetzungshilfe für eine Beitragserhöhung

Die meisten gesetzlichen Krankenkassen erhöhen für 2016 ihre Beiträge. In diesen Tagen erreichen die Begründungsschreiben die Versicherten. Es gilt, viel zwischen den Zeilen zu lesen. Eine Übersetzungshilfe.
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DüsseldorfEs könnte der Beginn einer wundervollen Kolumne sein. Vor drei Wochen habe ich den Lesern geholfen, zwischen den Zeilen einer Pressemitteilung zu lesen („Übersetzungshilfe für eine Fintech-Pressemitteilung“). Die Resonanz war groß, der Text schaffte es etwa in die Unterlagen diverser PR-Berater. Und mich brachte es auf die Idee, öfter einmal Verlautbarungen zu interpretieren.

Heute folgt der zweite Versuch und wenn Sie auch daran gefallen haben – vielleicht mache ich eine regelmäßige Kolumne daraus. Sie haben es in der Hand, lassen Sie mich wissen, was Sie von der Idee – und diesem Text – halten (zum Beispiel per E-Mail oder bei Twitter @MDowideit). Genug der Vorrede.

In diesen Tagen trudelt auch bei Ihnen Post ein, sollten sie gesetzlich versichert sein. Die meisten Kassen erhöhen die Zusatzbeiträge für das Jahr 2016. Der Marktführer Techniker Krankenkasse etwa verlangt 1,0 Prozent (+0,2 Prozentpunkte) und kommt damit auf einen Gesamtbeitrag von 15,6 Prozent. Das Perfide: Der Zusatzbeitrag wird allein vom Versicherten gezahlt, nicht zur Hälfe vom Arbeitgeber wie es beim Grundbeitrag der Fall ist (14,6 Prozent des Arbeitsentgelts).

Die Siemens-Betriebskrankenkasse, kurz SBK, hat ihre Versicherten per Post über die eigene Erhöhung informiert, eine Leserin hat mir den Brief zukommen lassen – so wie viele andere Handelsblatt-Leser die Briefe ihrer Kassen auch (schönen Dank!). Hier die Übersetzung des SBK-Schreibens.

Original:
„Sehr geehrter Frau Schmidt (Name geändert),
Sie gehören zur starken SBK-Versichertengemeinschaft mit über einer Million Kunden. Als Ihr persönlicher Kundenberater bedanke ich mich ganz besonders für Ihr Vertrauen.“

Übersetzung:
Wir sind eine der kleineren gesetzlichen Krankenkassen im Land. Wir bemühen uns sehr zu verschleiern, dass dies ein automatisch erstelltes Schreiben ist.

Original:
„Wie Sie bestimmt aus den Medien erfahren haben, sind die Leistungsausgaben, vor allem für Arzneimittel und Kliniken, deutlich gestiegen.“

Übersetzung:
Alles was jetzt kommt, hat nichts mit uns zu tun. Wir sind unschuldig.

Seite 1:

Übersetzungshilfe für eine Beitragserhöhung

Seite 2:

Wir verraten nicht, wie viel teurer wir geworden sind

Kommentare zu " SBK – Siemens-Betriebskrankenkasse: Übersetzungshilfe für eine Beitragserhöhung"

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  • Als Deutscher sind Sie immer schuld also keine Ausreden.

  • Wenn ich hier aus dem Nähkästchen plaudern würde, dann würden Etliche mit den Ohren schlackern - denn die Medizin war mein erstes Metier.
    Nur soviel: nicht die Flüchtlinge werden die Krankenkassenbeiträge bereits in naher Zukunft ins Unbezahlbare explodieren lassen, sondern das werden die Deutschen schon ganz alleine tun. Die gigantischste Kostenexplosion wird hier von einer "Wohlstandskrankheit" ausgehen, nämlich dem Typ-2-Diabetes, umgangssprachlich (fälschlicherweise) auch "Altersdiabetes" genannt.
    Das Entscheidende ist hier: nicht nur die Zahl der Typ-2-Diabetiker selbst wird rapide steigen, sondern insbesondere auch die Zahl derjenigen mit den sogenannten "Spätkomplikationen" des Diabetes mellitus - und bei diesen "Spätkomplikationen" sind die Behandlungskosten exorbitant hoch.
    Besonders hervorzuheben ist hier die Nierenschädigung (sogenannte diabetische Nephropathie), die im Endstadium zur terminalen Niereninsuffizienz mit Dialysepflichtigkeit führt. Dialysebehandlungen sind sündhaft teuer und reißen schon heute ein gewaltiges Loch ins Budget der Krankenkassen - und die Zahl der Dialysepatienten wird wohlgemerkt schon in naher Zukunft explodieren.
    Bald ist also ohnehin entweder Schicht im Schacht für die gesetzliche Krankenversicherung, oder aber man wird äußerst unangenehme Entscheidungen treffen müssen, um es einmal milde zu formulieren...

  • (...)

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte kommentieren Sie zum Thema.

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