Selbstbehalt
Nur wenige Banker und Manager sichern sich ab

Seit Juli müssen die Vorstände deutscher Aktiengesellschaften einen Teil des Schadens aus eigener Tasche zahlen, wenn sie Fehler im Unternehmen machen. Doch entsprechende Versicherungspolicen sind kaum gefragt. Dabei ist das Risiko zum Teil erheblich.
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MÜNCHEN. Seit Juli müssen die Vorstände deutscher Aktiengesellschaften einen Teil des Schadens aus eigener Tasche zahlen, wenn sie Fehler im Unternehmen machen. Aber nach Einschätzung von Versicherern und Maklern hat ein Großteil der Manager dieses Risiko noch nicht abgesichert - obwohl es nicht zu unterschätzen ist. Denn der sogenannte Selbstbehalt in der Managerhaftpflichtpolice (D&O) beträgt mindestens zehn Prozent des Schadens und kann das Anderthalbfache des fixen Jahreseinkommens kosten.

Nicole Weyerstall, Spezialistin der Zurich-Gruppe in Deutschland schätzt, dass bislang nur rund zehn Prozent der betroffenen Personen bislang die Selbstbeteiligung für folgenschwere Fehler im Job abgesichert haben. "Das Thema ist noch lange nicht vorbei", sagte sie auf der Jahrestagung des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes (DVS) in München, der gestern zu Ende ging. Auch andere Branchenvertreter bestätigen, dass der Run auf diese speziellen D&O-Policen bislang ausgeblieben ist.

Dass Manager stärker in Haftung genommen werden, ist politisch gewollt. Denn die große Koalition wollte die Führungskräfte nach den Erfahrungen der Finanzkrise mehr in die Verantwortung nehmen. Der Vorwurf: Die Manager, vor allem Banker, gönnten sich üppige Boni, mussten für ihre teils milliardenschweren Fehler aber nicht mit privatem Geld geradestehen. Im Gegenteil: Oft flossen auch noch saftige Abfindungen. Daher beschloss der Bundestag vor den Wahlen 2009 das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG), das die obligatorische Selbstbeteiligung für AG-Vorstände vorschreibt. Eine Übergangsregelung lief zur Jahresmitte ab. Seit 1. Juli müssen danach alle Aktiengesellschaften ihre Vorstände im Haftpflicht-Schadenfall mit zur Kasse bitten.

In der Branche heißt es, dass Vorstände größere Unternehmen für das Thema eher sensibilisiert sind und sich zumeist abgesichert haben. Die Kosten sind dabei nicht allzu hoch. Demnach kann sich ein Mittelständler für 150 bis gut 1000 Euro im Jahr absichern. Dax-Vorstände müssen mit einem fünfstelligen Betrag rechnen. Von den Bankern verlangen die Versicherer allerdings wegen der Erfahrungen aus der Finanzkrise ein Mehrfaches der Prämien im Vergleich etwa zu Industriemanagern. "Die Absicherung der Selbstbeteiligung ist ratsam. Das kann ansonsten ins Geld gehen", warnt Michael Dehm, Deutschlandchef des Industrieversicherers XL Insurance.

Die Branche erwartet, dass die Preise in dieser Sparte mit einem geschätzten Prämienvolumen von bis zu 500 Mio. Euro allenfalls stagnieren. "Großkunden nutzen den Spielraum, um die Deckung und die Konditionen zu verbessern", sagt der Bremer Versicherungsdienstleister Stephan Schramm. Fachleute empfehlen den Vorständen im Übrigen, den Selbstbehalt getrennt von der D&O-Police des Unternehmens zu versichern.

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