Serie: Versicherer starten durch
Guter Rat hat seinen Preis

Versicherungsberater analysieren Angebote unabhängig. Im Unterschied zu Maklern sind sie nicht auf Abschlüsse aus und leben von Honoraren. Doch nun droht der Branche Ungemach: Ab 2007 soll die EU-Vermittlerrichtlinie, die abhängige mit unabhängigen Vertretern in einen Topf wirft, nationales Recht werden.

FRANKFURT. Die Anfrage kam per Internet: Das Pärchen Mitte 30, angestellt, Kinder nicht ausgeschlossen, wollte sich absichern. 100 000 Euro sollten es im Todesfall für den Hinterbliebenen sein, 1 500 Euro monatlich bei Berufsunfähigkeit. Versicherungsvertretern vertrauten sie nicht, mit Maklern hatten sie schlechte Erfahrungen gemacht. Jetzt blieb nur noch Stefan Albers. Der Betriebswirt aus Montabaur ist einer von etwa 140 unabhängigen Versicherungsberatern bundesweit.

Seit 2003 berät er Vorsorgewillige. Fünf bis zehn Anfragen kommen pro Tag, die meisten per Internet und Telefon; selten schauen Ratsuchende persönlich vorbei. "Wer eine Beratung will, muss einen Fragebogen ausfüllen, mir die Policen kopieren und eine Vollmacht zusenden", sagt Albers. Dann dauert es rund zwei Wochen, bis er die besten Angebote zusammengestellt hat. Bis zum Abschluss mit Unterschrift vergehen in der Regel zwei Monate. Das Pärchen zahlte knapp 1 000 Euro Honorar, Albers wählte aus 80 Risikolebensversicherern und 50 Anbietern von Berufsunfähigkeitspolicen die fünf besten aus, das Paar entschied, Albers bereitete alles bis zur Unterschrift vor. Wer den Zuschlag erhält, ist ihm egal, denn Provisionen dürfen Berater nicht annehmen. Das verbietet das Gesetz. Versicherungsberater zählen im weitesten Sinne zu den Rechtsberatern und müssen vom Gericht zugelassen werden. Sie haften bei Falschberatung und müssen entsprechend versichert sein. "Ich schlage nur eine Schneise in den Dschungel der Angebote", sagt Albers, "auswählen müssen die Kunden."

Ohne ihn wären viele überfordert, so seine Beobachtung: gesetzlich oder privat krankenversichert, für die Rente Riester, Rürup oder die herkömmliche Lebensversicherung? Der Kunde hat die Qual der Wahl: Rund 2 000 Varianten bieten die Lebensversicherer, 400 Tarife die privaten Krankenkassen, doch guter Rat ist selten. "Versicherungsvertreter sind eher den Interessen des Unternehmens verpflichtet als den Bedürfnissen des Kunden, und Makler leben von den Provisionen ihrer Abschlüsse", sagt Wolfgang Scholl Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv).

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