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Deutsche legen wieder mehr auf die hohe Kante

Angesichts der Finanzkrise und aus Sorge um ihren Arbeitsplatz sparen die Deutschen wieder mehr Geld.

dpa BERLIN/NÜRNBERG. Im ersten Halbjahr stieg die Sparquote nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag um 0,5 Punkte auf 11,3 Prozent. Im Durchschnitt legte jeder Einwohner 180 Euro monatlich zur Seite. Insgesamt wurden fast 89 Mrd. Euro gespart. Besonders gefragt waren Tagesgeldkonten und Festgeldanlagen. Viele Verbraucher scheuen nach Angaben der Statistiker derzeit auch große Anschaffungen.

Zuletzt lag die deutsche Sparquote 1995 bei elf Prozent. In den vergangenen zehn Jahren hatte sie sich bei mehr als zehn Prozent stabilisiert, nachdem sie im Jahr 2000 zu Zeiten des Börsenbooms auf den Tiefstand von 9,2 Prozent gesunken war.

"Der Gedanke des Sparens erlebt eine Renaissance", sagte Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis in Berlin. Der mit Abstand wichtigste Faktor bei der Geldanlage sei Sicherheit, das Sparbuch gehöre zu den Top-Anlageformen. Haasis forderte die Politik auf, die Rahmenbedingungen zu verbessern. So könnte der Sparer-Pauschbetrag von derzeit 801 Euro wieder angehoben sowie Aktien- und Fondssparpläne besser gefördert werden.

Insgesamt verfügen die Bundesbürger laut Sparkassenverband über 4,6 Billionen Euro Geldvermögen. Ein Drittel davon ist in Einlagen angelegt, ein weiteres Drittel in Wertpapieren. In den vergangenen Wochen habe es einen starken Zulauf bei Spareinlagen gegeben, sagte Haasis. Dies sei auch Folge der Turbulenzen an den Börsen.

Die Gesellschaft für Konsumforschung GfK hält trotz Finanzkrise im nächsten Jahr ein leichten Zuwachs des privaten Verbrauchs für möglich. "Wir erwarten, dass der Konsum bescheiden zum Wachstum beitragen kann", sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst der dpa in Nürnberg. Fürs laufende Jahr sei mit einer Stagnation des privaten Verbrauchs zu rechnen. Die GfK-Prognose für das Konsumklima steigt auf 1,9 Punkte im November nach 1,8 Punkten im Oktober. Im September waren 1,6 Punkte ermittelt worden.

Bei den Verbraucherinsolvenzen rechnet der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen in diesem Jahr mit einem leichten Rückgang auf rund 100 000 von 105 238 im Vorjahr. Dieser Trend sei "aber wohl nicht nachhaltig", sagte Verbandspräsident Wolfgang Spitz. Bei den Firmen könnte die Zahl der Insolvenzen von 30 000 in diesem auf rund 35 000 im kommenden Jahr steigen. Die Finanzkrise spiegele sich bereits in der Zahlungsmoral der Unternehmen wider. "Die Dienstleistungsbranche, das Handwerk und der Bau leiden bereits unter schlechterer Rechnungstreue", sagte Spitz. Oft sei ein Dominoeffekt zu beobachten: Wenn die eigenen Kunden nicht zahlten, könnten auch die Rechnungen der Lieferanten nicht pünktlich beglichen werden.

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