Sozialverband fordert Gegenmaßnahmen
Jeden Dritten erwartet Altersarmut

Gut jeder dritte Arbeitnehmer steuert nach Schätzung des Sozialverbands Deutschland auf Armut im Rentenalter ab 2030 zu. Nach den Rentenreformen der vergangenen Jahre werde es Geringverdienern auch mit 45 Beitragsjahren nicht gelingen, eine „armutsvermeidende Rente“ zu erzielen.

HB BERLIN. „Das betrifft 35 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten,“ erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer am Donnerstag in Berlin. Er forderte dringend Gegenmaßnahmen. Mehrere Faktoren trügen zur künftigen Altersarmut bei: geringes Einkommen, die Senkung des Rentenniveaus durch die jüngsten Reformen, Versorgungslücken durch Arbeitslosigkeit und die Zunahme sozialversicherungsfreier Beschäftigung.

Selbst ein Durchschnittsverdiener müsse 37 Jahre lang in die Rentenversicherung einzahlen, um eine „armutsvermeidende“ Rente zu bekommen, die der SoVD mit 650 Euro nach heutigen Wert ansetzt. Geringverdiener hätten gleich mehrere Armutsrisiken: Sehr geringe gesetzliche Rente und fehlende Rücklagen oder Zusatzeinkünfte, weil jetzt das Geld zum Riester-Sparen fehlt.

Die große Koalition habe hier dringenden Handlungsbedarf, meinte Bauer. Denn die Entwicklung sei noch vermeidbar. Er forderte unter anderem „ein verlässliches Rentenniveau“, das nach einem vollen Erwerbsleben deutlich über der Armutsgrenze liegen müsse. Eine „Mindestsicherung“ für langjährige Versicherte sei nötig. Die gesetzliche Rentenversicherung solle zu einer „Erwerbstätigenversicherung“ ausgebaut werden. Im ersten Schritt solle sie zunächst Selbstständige einbeziehen, forderte Bauer.

Nötig seien auch eine bessere Berücksichtigung von Zeiten der Kindererziehung, der Pflege oder der Arbeitslosigkeit. Dazu gehöre auch, dass für Hartz-IV-Empfänger „sachgerechte Beiträge“ in die Versicherung eingezahlt würden und nicht nur die heute sehr geringen Pauschalbeiträge. Der Aufbau der privaten Zusatzvorsorge müsse mit einer „sozialen Komponente“ bei Geringverdienern besonders gefördert werden. „Es darf nicht sein, dass unsere Gesellschaft ausgerechnet diejenigen im Stich lässt, die am nötigsten auf Unterstützung angewiesen sind“, meinte Bauer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%