Sparen für die Mitarbeiter
Pensionslasten steigen kräftig an

Die Pensionslasten der 30 Dax-Unternehmen sind 2005 deutlich stärker gestiegen als am Jahresbeginn erwartet worden war. Zur Vorsorge haben die Konzerne deutlich mehr Mittel in Pensionsvermögen gesteckt, die außerhalb der Unternehmen angelegt sind.

FRANKFURT. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin erhöhten sich die Verpflichtungen der Firmen aus Betriebsrentenzusagen im Durchschnitt um 19 Prozent auf 247 Mrd. Euro. Am Jahresbeginn war lediglich ein Anstieg um 2,6 Prozent erwartet worden. Die Firmen mussten auf Grund der 2005 weiter gesunkenen Kapitalmarktzinsen künftig fällige Betriebsrenten mit einem unerwartet niedrigen Rechnungszins von durchschnittlich 4,25 Prozent abdiskontieren. Er lag im Vorjahr noch bei rund fünf Prozent.

Höhere Pensionsverpflichtungen verringern das Jahresergebnis und belasten das Eigenkapital. Ratingagenturen haben auf Grund der Pensionlasten die Bonität beispielsweise von Thyssen-Krupp herabgestuft. US-Konzerne wie General Motors haben die Verpflichtungen nahe an den Ruin gebracht. „Investoren sollten den Pensionsverpflichtungen eine ganz besondere Aufmerksamkeit schenken“, sagt Kapitalmarktspezialist Wolfgang Gerke von der Uni Erlangen. Nach den Berechnungen von Towers Perrin haben die Aufwendungen für Pensionsverpflichtungen die Gewinne der Dax-Konzerne um 18 Prozent geschmälert. Bei Thyssen-Krupp wäre der Gewinn ohne den Pensionsaufwand gar um ein Drittel höher ausgefallen.

Die Pensionsverpflichtungen stellen Ansprüche der Beschäftigten an den Firmenwert dar. Sie machen derzeit rund 35 des Marktwerts der Dax-Unternehmen aus. Die Konzerne sichern sich zunehmend dadurch ab, dass sie Verpflichtungen durch Pensionsvermögen abdecken, die außerhalb des Unternehmens angelegt sind (Contractual Trust Arrangements). Im abgelaufenen Geschäftsjahr sind die ausgelagerten Vermögenswerte um gut ein Drittel auf 139 Mrd. Euro gestiegen. Die Konzerne haben damit soviel in Pensionsvermögen gesteckt wie in den beiden Vorjahren zusammen.

Inzwischen werden die Pensionslasten der Dax-Gesellschaften im Schnitt zu 56 Prozent mit ausgelagerten Vermögen gedeckt. Das hilft auch der Optik: Die bereits abgedeckten Verpflichtungen tauchen nicht mehr als Schuldenposten in der Bilanz auf. Bei einige Konzernen, wie etwa der Deutschen Bank, SAP oder Siemens ist bereits der überwiegende Teil der Verpflichtungen so verbucht worden. Bei anderen, wie der Deutschen Telekom, VW oder Lufthansa, bleibt ein großer Teil der für künftig fällige Betriebsrenten zurückgestellten Mittel im Unternehmen investiert. Das ist nicht unbedingt ein Warnzeichen: „Viele Unternehmen erwirtschaften intern eine höhere Verzinsung als bei der Anlage außerhalb der Unternehmen“, sagt Stefan Recktenwald von der Unternehmensberatung Heissmann. Dennoch zeigten auch immer mehr kleinere M-Dax-Firmen Interesse an ausgelagerten Pensionsvermögen, sagte Vorstand Thomas Jasper, Vorstand von Rauser Towers Perrin. Die Pensionvermögen sind derzeit zu 41 Prozent in Aktien, zu 44 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren und zu 14 Prozent in Immobilien und sonstigen Anlagen investiert.

Verwirrend für Anleger: Die Unternehmen weisen mit 63 Mrd. Euro nur eine Teil ihrer Verpflichtungen in ihren Bilanzen aus, der Rest steht im Anhang. Die internationalen Rechnungslegungsvorschriften erlauben den Firmen, die kapitalmarktbedingten Schwankungen ihrer Pensionslasten zu glätten. Das könnte sich ändern: In den USA ist bereits geplant, dass Änderungen der Pensionlasten sofort in voller Höhe ausgewiesen werden müssen.

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