Sparen
Rendite im Zinstief

Viele Sparer fragen sich angesichts der niedrigen Zinsen, ob sie ihr Kapital nicht auf einem Tagesgeldkonto parken sollen, bis die Renditen wieder besser werden. Dann könnten sie immer noch lang laufende Sparbriefe abschließen. Diese Rechnung wird aber höchstwahrscheinlich nicht aufgehen.
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DÜSSELDORF. Die Zinsen sind aktuell im Keller. Im Schnitt bringt Tagesgeld nur noch etwas mehr als 1,3 Prozent Zinsen, Festgeld mit einer Laufzeit von einem Jahr nicht mal 1,5 Prozent. Sparbriefe mit einer Laufzeit von fünf Jahren rentieren im Schnitt nur noch mit knapp drei Prozent. Sparer fragen sich angesichts der mageren Sätze, ob sie nicht auf bessere Zeiten warten sollten, bevor sie eine langfristige Zinsanlage abschließen. Die Idee: Die nächsten ein oder zwei Jahre bleibt das Geld auf einem Tages- oder Festgeldkonto. Und wenn das Zinsniveau steigt, vereinbart man langfristige Bindungen zu dann deutlich höheren Sätzen.

"Wenn das Zinsniveau nicht dramatisch ansteigt, wird diese Strategie nicht aufgehen", sagt jedoch Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Die Wirtschaft wird vermutlich doch langsamer wachsen als viele erhoffen, die befürchtete Inflation dürfte erst mal auf sich warten lassen. Die Äußerungen der Europäischen Zentralbank deuten eher nicht auf eine starke Zinserhöhung im kommenden Jahr hin. In einer Reuters-Umfrage erwarten Volkswirte den EZB-Leitzins noch bis Ende des zweiten Quartals 2010 auf dem aktuellen Niveau von einem Prozent. Ende des dritten Quartals 2010 erwarten sie einen Leitzins von 1,25 Prozent und weitere drei Monate später von 1,5 Prozent.

Die Tabelle zeigt, wie hoch der Folgezins einer zunächst niedrig verzinsten Anlage sein muss, um das gleiche Ergebnis wie bei einem konstant höher verzinsten Sparbrief zu erzielen. Lesebeispiel (erste Zeile): Ein Sparplan rentiert bei einer Laufzeit von fünf Jahren mit drei Prozent per anno. Ein Kunde, der im ersten Jahr nur 1,75 Prozent Zins erzielt, muss in den folgenden vier Jahren jeweils 3,32 Prozent erreichen, damit die Gesamtrendite so hoch wie beim Sparbrief ausfällt.

Zinststrategie: Renditevergleich

Zins für Sparbrief (Laufzeit: 5 Jahre)Anlagezins im ersten JahrFolgezins, der in vier Jahren erzielt werden mussAnlagezins in den ersten beiden JahrenFolgezins, der in drei Jahren erzielt werden muss
3,00%1,75%3,32%1,75%3,84%
3,00%2,00%3,25%2,00%3,67%
3,00%2,25%3,19%2,25%3,50%
3,25%1,75%3,57%1,75%4,26%
3,25%2,00%3,57%2,00%4,09%
3,25%2,25%3,57%2,25%3,92%
3,50%1,75%3,94%1,75%4,68%
3,50%2,00%3,88%2,00%4,51%
3,50%2,25%3,82%2,25%4,34%
3,75%1,75%4,26%1,75%5,02%
3,75%2,00%4,19%2,00%4,93%
3,75%2,25%4,13%2,25%4,85%


Alle Angaben in Prozent Quelle: FMH-Finanzberatung.


Dieses Szenario hätte zur Konsequenz, dass sich die Kunden noch länger mit niedrigen Anlagezinsen begnügen müssten. Wer jetzt zunächst in niedrig verzinste Tages- oder Festgeldkonten geht, dürfte dann im Vergleich zu Anlagen mit einer längeren Bindung draufzahlen. Wer sein Geld etwa fünf Jahre anlegt, erzielt bei einem Sparbrief maximal 3,70 Prozent. Um diesen Zinssatz zu erreichen, müsste ein Sparer, der im ersten Jahr nur zwei Prozent erhält, für die restliche Zeit einen Satz von 4,15 Prozent erreichen, um mit einem Sparbriefzins mithalten zu können.

Derzeit werden Festgelder mit einer Laufzeit von vier Jahren mit maximal 3,40 Prozent verzinst. Das Zinsniveau müsste in diesem Falle also um 0,75 Prozentpunkte steigen. Sollte sich das niedrige Zinsniveau sogar zwei Jahre lang noch halten, müsste der Zinssatz für die restlichen drei Jahre schon auf 4,85 Prozent steigen, um mit dem Fünfjahressparbrief mitzuhalten.

Auch wenn dieses Szenario aktuell unrealistisch scheint, so ist es dennoch nicht auszuschließen. Kunden, die auf Nummer sicher gehen möchten, können ihre Zins-Anlagen splitten und jeweils die Hälfte in kurzfristige und langfristige Anlagen stecken. Wenn die Zinsen stärker steigen als erwartet, können sie mit dem kurzfristig angelegten Teilbetrag entsprechend reagieren.

Solllte die Inflation wider Erwarten doch auf mehr als drei Prozent steigen, ist beim gut verzinsten Sparbrief ein Kapitalerhalt wahrscheinlich. Einerseits gleicht der Sparbrief den niedrigen Festgeldzins aus, andererseits lässt sich bei der Kurzfristanlage von einem möglichen höheren Zinsniveau partizipieren. Kunden sollten allerdings wissen: Sparbriefe oder ähnliche Langfristanlagen können vor dem Anlageende nicht gekündigt werden.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

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