Spielregeln beachten
Mit Kindern Steuern sparen

Der Fiskus schont Kinder. Doch wer die Spielregeln missachtet, kann dem Nachwuchs noch Jahre später viel Ärger und sich ein Steuerverfahren einbrocken.

Kinder haben es gut: Ihnen steht bei der Einkommensteuer ein Grundfreibetrag zu wie jedem Erwachsenen auch. Weil sie noch nicht arbeiten gehen, können sie den Freibetrag beispielsweise komplett für Zinsen nutzen - und so viel mehr Vermögen legal am Fiskus vorbei anlegen als die Eltern, denen nur der bald nochmals reduzierte Sparerfreibetrag zusteht. Klingt verlockend, ist es auch - wenn man die Regeln beachtet.

Rückholaktion

Ein Problem taucht auf, wenn das Finanzamt eine Geldschenkung an die Kinder nicht anerkennt und die Kapitalerträge weiter den Eltern zurechnet. "Das Kind muss der tatsächliche wirtschaftliche Eigentümer des übertragenen Vermögens sein", mahnt Steuerberater Krischan Treyde aus Düsseldorf. "Wenn Eltern sich das Kapital später zurückholen, liegt für Finanzbeamte der Verdacht nahe, dass das Kind nur der vorgeschobene Eigentümer war." Dann drohen Steuernachzahlungen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Eltern nur Vermögen übertragen, das für den Nachwuchs bestimmt und nicht für das nächste Auto oder den nächsten Familienurlaub eingeplant ist.

Besonders riskant sind Schenkungen mit so genanntem Widerrufsvorbehalt - ein Risiko, dass viele Eltern aber gern in Kauf nehmen. Schließlich ist es besser, Steuern nachzuzahlen als nach dem 18. Geburtstag, an dem das Kind die alleinige Verfügungsgewalt erhält, zusehen zu müssen, wie das Ersparte für schnelle Autos verpulvert oder vom ungeliebten Schwiegersohn verprasst wird. "Für das Finanzamt ist bei Vorbehaltsklauseln entscheidend, dass Eltern das Kapital nur in klar definierten Ausnahmesituationen zurückfordern dürfen, auf deren Eintreten sie keinen Einfluss haben", so Treyde. Die Steuerbeamten haben dabei erheblichen Ermessensspielraum.

Entdeckung

Kann das Finanzamt dem steuerschädlichen Widerruf einer Schenkung überhaupt auf die Schliche kommen? Wie hoch das Entdeckungsrisiko ist, hängt vor allem davon ab, ob der Bank für das Kind eine Nichtveranlagungsbescheinigung oder nur ein Freistellungsauftrag vorliegt. Diese Dokumente verhindern, dass das Institut die Quellensteuer einbehält. Solange die Einkünfte des Kindes unter dem Sparerfreibetrag liegen, sollten Eltern es bei einem Freistellungsauftrag belassen. Denn Nichtveranlagungsbescheinigungen müssen direkt beim Finanzamt beantragt werden - die Beamten ahnen dann, dass der Nachwuchs ordentlich Geld bekommen hat.

"Das kann sie veranlassen, in den Folgejahren genauer hinzuschauen", warnt Steuerberater Ralf Schäfer von Ecovis in Dresden. Wird etwa nach drei Jahren keine Verlängerung der Steuersparlizenz beantragt, drängt sich die Frage auf, wo das Vermögen abgeblieben ist. Wieder auf dem Konto der Eltern? Können die den Verdacht einer Rückübertragung nicht entkräften, suchen die Beamten nach Belegen. Dabei hilft die Kontenabfrage, die alle Konten und Depots eines Steuerpflichtigen in Deutschland ausspuckt.

Vollständige Sicherheit garantiert aber auch die Variante "Freistellungsauftrag" nicht. Beamte können Rückübertragungen etwa auf die Schliche kommen, wenn die Zinseinkünfte der Eltern plötzlich sprunghaft steigen. "Es ist durchaus üblich, dass Finanzbeamte die Entwicklung von Kapitalerträgen genau verfolgen", sagt Schäfer. Mehr als Stichproben sind das aber selten, für mehr fehlt den Staatsdienern die Zeit.

 Lesen Sie weiter Teil 2: Einkünfte und ihre Folgen.

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