Streit um Reformpaket
„Das ist ein Geschenk an die Versicherer“

Von den hohen Bewertungsreserven der Lebensversicherungen profitieren nur fünf Prozent der Kunden. Das stellte der Branchenverband GDV fest. Verbraucherschützer erklärten dagegen, fast alle Kunden seien betroffen.
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BerlinDie Versicherer stellen sich im Streit um Lebensversicherungen hinter das Finanzministerium. "Wir begrüßen die Ankündigung des Bundesfinanzministeriums, in dieser Angelegenheit aktiv zu werden", erklärte der Präsident des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, in Berlin.

Ziel der Branche sei es, der Lebensversicherung Brücken zu bauen über die Niedrigzinsphase. Denn die Versichertengemeinschaft insgesamt verdiene Gerechtigkeit. "Die niedrigen Zinsen haben die Marktwerte der festverzinslichen Wertpapiere in den Beständen der Versicherer unnatürlich aufgeblasen", sagte Erdland. Davon profitierten nur fünf Prozent der Versicherten – zu Lasten der großen Mehrheit. Diese Zahl bezieht sich auf die auslaufenden Verträge in einem Jahr.

Die Versicherer bräuchten auch langfristig planbare Kapitalerträge, um langlaufende Zinsversprechen zu erfüllen. Die heutige Gesetzeslage habe das krasse Gegenteil zur Folge. Sie zwinge die Versicherer, gut verzinste Papiere aus dem Bestand zu versilbern und sichere Zinserträge aufzugeben.

Der Bund der Versicherten erklärte dagegen, die geplanten Überschusskürzungen würden sich auf alle Versicherten auswirken, die mit den üblichen Kapitallebensversicherungen, Riester-Renten, Rürup-Renten und anderen Vorsorgetarifen, Altersvorsorge betrieben. Einzig Kunden mit einer reinen fondsgebundenen Versicherung seien nicht betroffen.

„Weit über 90 Prozent aller Versicherungskunden müssen zum Teil um hohe Summen der Überschussbeteiligung fürchten“, erklärte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV. Anders als von Versicherungslobby und neuerdings auch von der Regierung suggeriert, seien die Bewertungsreserven kein außergewöhnliches Ereignis der Niedrigzinsphase.

Kleinlein: "Das ist ein Reformpaket, das so gut wie ausschließlich den Versicherungsunternehmen zugute kommt." Die geplanten Kürzungen bei der Ausschüttung von Bewertungsreserven seien "ein echtes Geschenk an die Versicherungswirtschaft". Hier werde ein verfassungsrechtlicher Anspruch der Kunden ausgehebelt.

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  • Ein wenig Sachlichkeit und weniger Pauschalurteile täten gut. Tatsache ist doch, dass - egal, welche verzinsliche Geldanlage ich wähle - die Zinsen zur Zeit lächerlich sind. Auch große Kapitalanleger wie Versicherungen, die ihr Geld schließlich qua Aufsicht nur in bestimmte Anlageklassen investieren dürfen, leiden darunter. Und der Effekt ist ja tatsächlich, dass durch den sinkenden Zins die Kurswerte höher verzinslicher Anleihen im Bestand steigen. Insofern würden von diesem Effekt tatsächlich vor allem die jetzigen Empfänger profitieren. Ist das gerecht? Allerdings erwarte ich dann auch, dass die Versicherer in Phasen höherer Zinsen den Kunden wieder angemessen beteiligen.

    Und noch ein Wort zur Rendite: ich habe in den letzten Jahren eine Menge Menschen Geld verlieren sehen durch "empfohlene" Geldanlagen - sei es in Einzelaktien, sei es in Fonds. Bei Deckungsstockprodukten habe ich noch keinen Geld verlieren sehen. Auch, wenn es mager war...und bitte nicht vergessen: eine Lebensversicherung deckt zusätzlich das Todesfallrisiko und eine Rentenversicherung das Langlebigkeitsrisiko. Das kostet Geld. Deshalb wird der Versicherer nie 100% der Beiträge in den reinen Sparvorgang investieren können.

    Eine Frage hat mir leider auch noch keiner beantwortet: wenn ich annehme, dass nur 60% des Beitrages in der Lebensversicherung verzinst werden und der Zins bei ca. 4% liegt, bedeutet das aktuell ein Kapitalrendite von 2,4%. Und das sicher. Bitte zeige mir doch einer am aktuellen Markt sichere Geldanlagen auf, die das auch bieten. 10-jährige Bundesanleihen werfen das zur Zeit nicht ab und ich habe das Zinsänderungsrisiko voll gegen mich. Zinssparen ist zur Zeit tot. Und darunter leiden wir alle - das ist das Ergebnis der Zinsentwicklung und dass das irgendwann auch auf Lebens- und Rentenversicherungen durchschlägt, überrascht doch nicht wirklich...

  • Alle Experten bescheinigen den Versicherern gute Zahlen. Was Schäuble umtreibt der Branche Geschenke auf Kosten der Sparer und der Bürger zu machen ist mir ein Rätsel und die SPD schaut schweigend zu.

  • Na, was glaubt ihr denn, wer den Gesetzestext gemacht hat? Da haben doch unsere Politiker mal wieder von der Versicherungslobby einen Entwurf erhalten, der bestimmt 1:1 durch gewunken wird. Und dann natürlich die Anerkennung der Versicherer, dass die Regierung sich des Themas angenommen hat. Die müssen echt glauben, wir sind alle blöd;) Und wieder mal ein Beweis, wer hier eigentlich regiert!!!

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