Studie
Altersvorsorge: Sparwut ade!

Europäer legen zu wenig Geld für die Altersvorsorge zurück. Das zeigte eine aktuelle Studie von Janus Capital. Dabei ist sich die Mehrheit der Menschen bewusst, dass sie mehr für das Alter tun müssen. Die Angst vor dem Jobverlust und finanziellen Problemen hemmt jedoch das Sparverhalten.
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DÜSSELDORF. Die Krise hinterlässt ihre Spuren im Sparverhalten europäischer Verbraucher. 58 Prozent von ihnen leben in der Annahme, zu wenig Geld zurückzulegen, 60 Prozent glauben, nicht genug für die eigene Altersversorgung zu tun, 15 Prozent haben noch keinerlei Vorsorge für die Zeit nach der Pensionierung getroffen. Gleichzeitig nimmt noch immer europaweit die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung (in Deutschland 73 Prozent) an, mit 62 Jahren in Rente zu gehen und dann soviel Geld vom Staat zu beziehen, dass davon der Lebensabend bestritten werden kann. Das ergab eine Studie der Beratungsgesellschaft Janus Capital, durchgeführt von Absolute Strategy Research, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

"Dieses Verhalten könnte den europäischen Haushalt vollkommen durcheinander bringen", warnt der Londoner Studienautor David Bowers, Managing Director bei Absolut Research und nennt die Ergebnisse "eine tickende Zeitbombe". Die nur dann entschärft werden könne, wenn es dem Staat und dem Finanzsektor gelänge, das verloren gegangene Vertrauen in Geldanlagen zurückzubringen.

"Der Schlüssel ist Jobsicherheit", sagt Autor Bowers. Weil so viele in der Angst leben, ihr Job könnte der Krise zum Opfer fallen, ist das Grundgefühl jenes, dass sich die Situation verschlechtert hat: in der Folge legen die Verbraucher weniger Geld zurück. Europaweit gehen 45 Prozent der Befragten davon aus, schlechter gestellt zu sein als noch vor einem Jahr, in Deutschland sind es 23 Prozent. Nur vier Prozent allerdings glauben hierzulande, dass das auch im nächsten Jahr so sein wird.

Bowers sagt: "Es gibt allerdings keinen Beweis dafür, dass sich die Situation tatsächlich verschlechtert hat." Die vielbeschworene Entlassungswelle zum Beispiel, die schon seit ein paar Monaten angekündigt über den deutschen Arbeitsmarkt schwappen soll, plätschert bislang nur. Und zwar sparen die Menschen weniger, aber sie konsumieren noch immer fröhlich. Weshalb Bowers im Fazit dann doch eine positive Bilanz zieht. Wie die Depression von 1930 komme ihm das alles nicht vor, sagt er.

Annika Reinert
Christine Weißenborn
Handelsblatt / Redakteurin

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