Studie der Hans-Böckler-Stiftung Vernichtendes Urteil über die Riester-Rente

Die Einführung der Riester-Rente sei eine „Fehlentscheidung“, erklärt die Hans-Böckler-Stiftung. Die Rentenreform erhöhe das Risiko von Armut im Alter. Riester-Renten seien teuer, renditeschwach und riskant.
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Riestersparern droht bei der Pensionierung Altersarmut. Quelle: dpa

Riestersparern droht bei der Pensionierung Altersarmut.

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BerlinDie gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat eine vernichtende Bilanz der Riester-Rentenreform gezogen und eine Stärkung des klassischen umlagefinanzierten Rentensystems gefordert. Die Umstellung auf ein teilweise durch privates Kapital gedecktes Alterssicherungsmodell in Form der Riesterrente habe sich als „Fehlentscheidung“ erwiesen und erhöhe das Risiko von Armut im Alter, teilte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Stiftung am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung einer Studie zur Lage in der Rentenversicherung mit.

„Bleiben die Reformen unverändert in Kraft, werden erhebliche Teile der Erwerbsbevölkerung in Altersarmut gleiten“, warnten die Experten. Angesichts der inzwischen bereits mehr als zehnjährigen Erfahrung mit dem im Jahr 2001 eingeführten Riester-System bestehe kein Zweifel mehr daran, dass es „keinesfalls geeignet“ sei, den Menschen ein sicheres Auskommen im Alter in Ergänzung zur gesetzlichen Rente zu garantieren.

Grund für die Entwicklung sei, dass im Zuge der Riester-Einführung zwar das Versorgungsniveau der gesetzlichen umlagefinanzierten Rentenversicherung abgesenkt worden sei, die meisten Betroffenen aber nicht in der Lage seien, diesen Verlust durch privates Riestersparen wieder auszugleichen.

„Nach allem, was wir heute absehen können, wird das nur relativ wenigen gelingen“, erklärte der Wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav Horn. Er verwies auf hohe Kosten, magere Renditen und Risiken bei Riesterprodukten. Noch schlechter sehe es für die aus, die sich eine Zusatz-Absicherung nicht leisten könnten.

Das Urteil über die Riesterrente fällt vernichtend aus. "Die hohen Renditen, die die Versicherer in der Vergangenheit auf den Kapitalmärkten erzielten, haben sich nicht in einer entsprechend hohen Verzinsung der Einzahlungen in die Riester-Verträge niedergeschlagen", erklären die Autoren der Studie. Ein wesentlicher Grund hierfür seien die "hohen offenen und versteckten Kosten der Riester-Verträge".

Die vernichtende Kritik an der Riesterrente ist auch deswegen pikant, weil sie von der gewerkschaftsnahen Hans Böckler-Stiftung stammt. Die private Vorsorgemöglichkeit wurde damals federführend von dem damaligen Arbeitsminister und langjährigen Gewerkschaftsfunktionär Walter Riester eingeführt. Riester erklärte jüngst in einem Interview mit Handelsblatt Online, dass die Kritik an seiner Rente "Völliger Blödsinn" sei. "Es gibt gewisse Kreise, die eine Kampagne gegen diese Rente führen", sagte Riester.

Die Hans-Böckler-Stiftung urteilt: "Lediglich unter optimistischen Angaben gäbe es attraktive Renditen". Viele Sparerinnen und Sparer würden den Zeitpunkt, an dem dem das angesammelte Kapital ohne Verzinsung wieder ausgeschüttet wird, nicht mehr erleben. "Bei den neuen Verträgen ab 2011 müssen Frauen und Männer mindestens 87 Jahre alt werden, um dies zu erreichen". Die gesetzliche Rente würde für die Einzahler demnach attraktiver sein als die private Altersvorsorge.

Besonders betroffen von der schwachen Performance seien Durchschnitts- und Geringverdiener. Um massenhafte Altersarmut zu vermeiden, sei eine eindeutige Kurskorrektur hin zur Stärkung des umlagefinanzierten Rentensystems nötig, erklärte das IMK. Der Staat sollte gezielt Renten von Geringverdienern und Personen mit unregelmäßigen Erwerbsbiografien aufstocken sowie das allgemeine Renten-Niveau erhöhen.

Die Hans-Böckler-Stiftung wird vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) getragen. Kritik am deutschen Rentensystem übten in der Vergangenheit auch andere Institutionen, Verbraucherschützer und die Industrieländer-Organisation OECD. Die Studie beruht nicht auf neuen Berechnungen, sondern auf einer Auswertung der aktuellen wissenschaftlichen Informationslage.

Das Niveau der gesetzlichen Rentenzahlung in Deutschland liege inzwischen rund 15 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten, also den führenden Industrie- und Schwellenländern, teilte das IMK weiter mit. Zur Finanzierung könnte der von Firmen und Versicherten bezahlte Beitragssatz über Jahre in kleinen Schritten angehoben werden. Durch Entlastung bei der privaten Vorsorge wäre dies für die Versicherten unter dem Strich günstiger, die Firmen könnten dies durch ihre gute internationale Wettbewerbsfähigkeit finanzieren.

  • afp
  • jha
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39 Kommentare zu "Studie der Hans-Böckler-Stiftung: Vernichtendes Urteil über die Riester-Rente"

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  • Was wir brauchen ist ein solidarisches Altersicherungssystem. Keine Pensionen UND Renten, sondern für alle nur noch ein Sozialsystem, in das alle einzahlen. Sowohl in die Rentenkassen als auch in die Krankenkassen. Keine Klassifizierung mehr. Für alle arbeitenden Bürger die gleichen Rechte und Pflichten. Weg vom Beamtentum, hin zur Gleichberechtigung. Wenn schon Rentenreform dann gleich richtig!

  • Erstaunlich, erstaunlich, lieben dank Ihr Stiftungen und Kleinleins und wer sich da noch so alles zu Wort meldet: Die gestzliche Rente reicht nicht, Riesterrente ist Dreck, bei den Banken wird man belogen und betrogen, Finanzberater hauen einen übers Ohr; Kritik ist ja schön und gut, aber WIE LÖSEN wir es ? Wer hat den sinnvolle und praktikable Lösungen ? Interessen und Lobbyfrei ? Ich bin da total neugierig! Es bleibt spannend.. Liebe Grüße Nils Fischer

  • Lieber Ralf,
    Ich bin selber Bankberater und zum einen gebe ich dir Recht
    Zum anderen seit ihr nicht viel besser.riester hat einen hohen Betreuungsaufwand.aber ich bekommebekomme keine
    Provision und rufe meine Kunden einmal im Jahr anUm
    Zu erfragen, was es neues gibt.leider bietet ihr
    Auch meistens nur die Art riester an die viel zu teuer ist.
    Ich kann sowohl Banken,fonds,wohn oder Versicherung
    Anbieten.das machst du ja nun nicht.du
    Musst ja schließlich Geld verdienen.also mach
    Uns Banker nicht schlecht.wir nehmen uns
    Alle nichts.

    Liebe grüße

  • Gibt es überhaupt einen Bereich bei dem die Schröder Regierung ihre eigene Klientel nicht verarscht hat. Damit sage ich nicht das die CDU/CSU es mit ihrer Klientel nicht ebenso macht. Für die kommt das Hallowach Erlebnis auch noch !

  • Ich denke mal, diese Fragen haben sich schon viele Menschen gestellt, die ihre Altervorsorge planen. Ich bin inzwischen selbständig, war aber lange Jahre Angestellter. Die Beiträge, die ich bzw. für mich in die gesetzliche Rente eingezahlt wurden, werde ich nach dem aktuellen Stand der Dinge zurück haben, wenn ich mit 67 in Rente gehe und mind. 84 Jahre alt werde. Somit ist die gesetzliche Rente unattraktiv. Problematisch, dass eine wirklich sinnvolle Altervorsorge (Immobilien, Fremdwährungen, Edelmetalle, einen Teil des Vermögens außerhalb der EU) vom Staat eben nicht unterstützt wird. Auf allen geförderten Vorsorgeprodukten hält der Staat die Finger drauf. Sprich, man ist vor Enteignung nie sicher. Und meine Rürup-Rente lohnt sich z. B. eigentlich auch nur, weil ich den Spitzensteuersatz zahle. Wenn ich mal weniger einnehme oder weniger arbeiten möchte, lohnen sich die Einzahlungen nicht.
    Interessant wird es im Alter aber auch mit der Doppelbesteuerung von Beiträgen für die Altersvorsorge. Den größten Teil meiner Altersvorsorge habe ich bisher aus versteuertem Einkommen bezahlt. Und später wird das dann noch mal versteuert. Gut, bei den interessanteren Sachen besteht meistens die Möglichkeit, das Kapital vor dem gierigen Staat im Ausland in Sicherheit zu bringen. Wer dies jedoch nicht macht, wird doppelt abgezockt. Nur die Rürup-Rente wird jetzt bei mir steuerlich gefördert. Aber daher hat der Staat ja auch die Finger drauf.

  • Als unabhängiger Versicherungsmakler empfehle ich Riester schon seit Jahren nicht mehr. Hier wird der Verbrauchter in 90 % aller Fälle insbesondere von den Bankberatern über den Tisch gezogen, da in vielen Fällen die Voraussetzung für die Förderung garnicht überprüft werden, so z.B. bei den sogenannten Zulagenverträgen, die oft den Frauen aufgeschwatzt werden, ohne dass der Ehemann einen Vertrag hat, was aber zwingende Voraussetzung ist, um die "super Förderung" zu bekommen. In den Kontoauszügen steht nämlich auf den folgenden Seiten unter *, das die Zulagen gerückgezahlt werden müssen, wenn die Voraussetzungen dafür nicht erfüllt sind. Nach meiner Erfahrung ca. 90 % aller Fälle.

  • Ich muss schon lachen, mit welchen Argumenten dafür oder dagegen geschrieben wird. Grundsätzlich sollten sich einige Fragen, wo der Unterschied zwischen Banken und Versicherungen liegt. Bis jetzt ist noch keine Versicherungsgesellschaft Pleite gegangen und mußte durch Steuergelder gerettet werden, im Gegensatz zu den Banken. Wer hat sich schon mal die Arbeit gemacht, die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung zu vergleichen? Wer hat sich schon mal die Verwaltungskosten der GRV näher angesehen? Wie alt muß jemand werden, um das Geld, das er in die GRV eingezahlt hat, wieder zurück zu bekommen? Riester- oder andere Produkte sind besser als gar keine Altersversorgung. Was garantiert die GRV? Nichts !!! Also bitte, zuerst mal das Hirn einschalten, dann Rechnen und dann maulen. Eines jedoch muß beim Riester sicher besser werden: Die Rente darf nicht auf das Existensminimum angerechnet werden!

  • Als Finanzberater habe ich gerne Riester empfohlen. Heute aber nicht mehr über eine Versicherung, da ich eine bessere Lösung mit durchschaubaren Kosten und besserer Rendite gefunden habe.
    [...]
    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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  • Der Renditeeffekt bei der Riester Rente liegt zumindest bei unserer Gesellschaft, und ich möchte hier keine Werbung machen, bei 0,99% bei einer Laufzeit von 30 Jahren. Wer nicht weiß, was der Renditeeffekt bedeutet, soll sich das bitte erklären lassen (ähnlich wie TER bei den Bankkosten). In keinem Fall aber liegen die Gesamtkosten bei dieser Laufzeit bei uns darüber. Alles andere ist nur heiße Luft und Getöse aus Ahnungslosigkeit. Auch die gewerkschaftsnahe Stiftung hat keinen blassen Schimmer, über was sie da schreiben. Hier versucht sich jeder an einer Thematik zu profilieren, die er nicht versteht. Das ist typisch deutsche Stammtischmentalität.

  • So viel "Durcheinander"! Die einen schreiben Riester ist gut, die anderen schlecht. http://www.versicherungsjournal.de/mehr.php?Nummer=113004
    Mal den Artikel aus dem Versicherungsjournal lesen.

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