Stürme
Unwetter verteuern Versicherungen

Teures Jahr für die Versicherer: Flut, Hagel und Stürme in Europa haben tiefe Spuren in den Bilanzen der Unternehmen hinterlassen. Jetzt dürften vielen Versicherungskunden höhere Rechnungen ins Haus stehen.
  • 0

MünchenWassermassen im Frühling, Hagel im Sommer und Orkane im Herbst: Eine Serie heftiger Unwetter hat in diesem Jahr nicht nur viele Menschen in Deutschland, sondern auch die Versicherer in Atem gehalten. Diesmal richteten nicht Wirbelstürme oder Überschwemmungen in fernen Ländern die höchsten Versicherungsschäden an, sondern Naturkatastrophen direkt vor der Haustür. „Bis auf Erdbeben hatten wir alles“, sagt Arno Junke, Chef der Deutschen Rückversicherung. Jetzt ist Aufräumen angesagt, denn in manchen Sparten schreiben die Versicherer schon ohne solche Katastrophen seit Jahren rote Zahlen. Bei Autofahrern und Hausbesitzern dürften sie nun an der Preisschraube drehen.

Besonders übel schlugen „Manni“, „Ernst“ und „Andreas“ zu. Dachziegel und Wintergärten gingen zu Bruch und Hunderttausende Autos wurden zerbeult, als bei den Hagelstürmen im Sommer teils tennisballgroße Eisklumpen vom Himmel fielen. Nach Schätzung des Rückversicherers Hannover Rück summierten sich die versicherten Schäden auf 3,2 Milliarden Euro. Zusammen mit der Flutkatastrophe im Mai und Juni und den Stürmen „Christian“ und „Xaver“ Ende Oktober und Anfang Dezember muss die Assekuranz Schätzungen zufolge wohl alleine in Deutschland Katastrophenschäden von mehr als 6,5 Milliarden Euro schultern.

Zu Buche schlagen die Unwetter vor allem in der Gebäudeversicherung. Schon seit zwölf Jahren reichten die Beitragseinnahmen der Sparte nicht aus, um die Aufwendungen zu decken, klagt Norbert Rollinger, Vorstand bei der R+V Versicherung. Hannover-Rück-Vorstand Michael Pickel erwartet, dass die Versicherer in der Gebäudeversicherung ein Drittel mehr für Schäden, Verwaltung und Vertrieb ausgeben, als sie an Beiträgen einnehmen. Damit würden der Branche in diesem Segment rund zwei Milliarden Euro fehlen.

Dass die Gebäudeversicherung seit Jahren Verluste hinnimmt, liegt daran, dass die meist alten Verträge keine Preiserhöhungen erlauben. Der Versicherer müsste den Kunden kündigen und ihnen neue, teurere Verträge anbieten. Damit riskiert das Unternehmen jedoch, dass die verärgerte Kundschaft auch mit anderen, lukrativeren Verträgen zur Konkurrenz wechselt. Nach Ansicht von Michael Pickel werden viele Anbieter dies nun in Kauf nehmen: „Ich glaube, dass der Schadenanfall in diesem Jahr einige zum Aufwachen gebracht hat.“

Seite 1:

Unwetter verteuern Versicherungen

Seite 2:

Auch Autofahrern drohen Mehrkosten

Kommentare zu " Stürme: Unwetter verteuern Versicherungen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%