Systemwechsel
Der steinige Weg zurück in die Krankenkasse

Die Angst vor hohen Beiträgen im Alter treibt viele Menschen zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Eine Rückkehr ist zwar nicht leicht. Unter bestimmten Bedingungen gibt es aber einen Weg.
  • 43

DüsseldorfDie gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gewinnt vor allem für ältere Privatpatienten wieder an Attraktivität. Die beiden größten Krankenkassen Barmer GEK und Techniker (TK) stellen das aufgrund der jüngsten Wechselzahlen fest. Die TK etwa verzeichnete im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von fast zwölf Prozent. Auch im AOK-System häufen sich die Anfragen von Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV).

Vor allem die Angst vor hohen Beiträgen im Alter treibt die Menschen zurück. „Wir müssen aber viele enttäuschen, weil sie keine rechtliche Möglichkeit haben zu wechseln“, sagte der Sprecher des AOK-Bundesverbandes, Udo Barske, dem Handelsblatt. „Dies zeigt: Die Zeit der PKV als Vollversicherung geht zu Ende.“ 

Der PKV schaden extreme Beitragserhöhungen einzelner Krankenversicherer wie der Generali-Tochter Central. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) nahm die privaten Anbieter deshalb in die Pflicht. „Sie schöpfen noch längst nicht alle Möglichkeiten aus, den Versicherten günstigere Tarife anzubieten“, sagte Bahr der „Neuen Westfälischen Zeitung“. Es müsse vermieden werden, Anreize zu schaffen, das Kassensystem zu unterwandern und zur gesetzlichen Kasse zu wechseln. 

Der Weg zurück in die GKV ist steinig. Der Gesetzgeber hat viele Hindernisse aufgebaut, um Rosinenpickerei zwischen den Systemen zu unterbinden. So ist es zum Beispiel nicht gewollt, dass die Menschen in jungen Jahren von den niedrigeren PKV-Prämien profitieren und im Alter dann von niedrigeren GKV-Prämien. Dennoch ist der Weg zurück nicht für alle verbaut.

Wer wechseln möchte, dem empfiehlt der Versicherungsmakler Sven Hennig, sich an einen Anwalt oder einen Rentenberater zu wenden. Er sieht es nicht als Aufgabe der Krankenkasse an, PKV-Kunden zu beraten. Viele Krankenkassen tun dies dennoch. Es gebe verschiedene Konstellationen, in denen ein Wechsel möglich sei, erläutert eine TK-Sprecherin. Solche Beratungen seien inzwischen Routine. Die Basis dafür seien die Regeln im Sozialgesetzbuch.

Die Paragraphen sind jedoch so unverständlich, dass nur Eingeweihte sie verstehen. Wechselwillige finden jedoch im Internet genügend verständliche Hinweise, unter welchen Voraussetzungen ein Wechsel möglich ist. Verschiedene Seiten informieren darüber, mitunter raten sie dann jedoch dennoch davon ab und empfehlen, lieber in der PKV zu bleiben.

Kommentare zu " Systemwechsel: Der steinige Weg zurück in die Krankenkasse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich denke andere Laender koennen als Vergleich herangezogen werden. Australien z.B. hat eine Pflichtkrankenversicherung fuer ALLE - ob Angestellter oder auch Selbstaendiger. Diese deckt das noetigste ab wie akute Krankheiten und Notfaelle. Wer besseren Service moechte schliesst dann eine Zusatzversicherung ab. ich denke das macht Sinn und erspart Neidkommentare ueber Fremdfinanzierung.

  • Die Entwicklung geht doch dahin, daß das Kosten/Leistungsverhältnis der GKV rasant schlechter wird und wenn man die Praxis der GKV-Patienten mal genau unter die Lupe nimmt, sind sie bei horrenden Beiträgen doch nicht mehr als Bittsteller beim medizinischen Leistungsbetrieb. Die meisten Ärzte sehen GKV-Patienten doch lieber gehen als kommen, denn die rd. 30 Euro pro Patient/Quartal, die der Arzt heute von den GKV bekommt, deckt ja nicht mal die Kosten fürs Hände schüttelt, eine Beratung gibt es nicht mehr und warum auch, Fortbildung findet doch sowieso nicht mehr statt, sondern nur noch aufzuschreiben, was die Pharmaindustrie so empfiehlt. Dieses System hat keine Zukunft, es wurde 1957 von Adenauers Volksversicherung (gegen Ludwig Erhard) kreiert und es zeigt sich immer deutlicher, daß Anforderungen und Leistungen immer stärker auseinanderfallen. Es wäre besser gewesen, ein Sytem der PKV (ohne die moroden GKV) zu schaffen, daß nach Einkommenshöhe subventioniert wird. Aber das Subsidiaritätsprinzip bei Sozialmaßnahmen ist auch schon 1957 durch das Gießkannenprinzip ausgetauscht worden, was den hohen Schuldenstand heute von rd. 7 Bio. Euro fast zwangsläufig entstehen ließ.

  • Am sinnvollsten wäre eine gesetzliche Grundversicherung für alle welche die wesentlichen Grundrisiken abdeckt. Alles weitere könnte privat als Sahnehäubchen versichert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%