Systemwechsel: Wie Privatpatienten in die Krankenkasse schlüpfen

Systemwechsel
Wie Privatpatienten in die Krankenkasse schlüpfen

Viele PKV-Kunden wollen zurück in das gesetzliche System. Denn insbesondere im Alter zahlen sie da oft weniger. Ein Systemwechsel ist jedoch nicht leicht. Die Politik hat zwischen den Systemen einige Hürden aufgebaut.
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DüsseldorfWer einmal in die private Krankenversicherung gewechselt ist, bindet sich eigentlich fürs Leben. Die Politik hat kaum Lücken gelassen, in das System der gesetzlichen Kassen zurückzukehren. Gerade für Versicherte, deren Beiträge stark gestiegen sind, ein Problem. Einfache Lösungen gibt es zwar nicht - ganz versperrt ist der Weg zurück ins Solidarsystem allerdings auch nicht.

Vor allem die Angst vor hohen Beiträgen im Alter treibt die Menschen um. „Wir müssen aber viele enttäuschen, weil sie keine rechtlichen Möglichkeiten haben zu wechseln“, sagte ein Sprecher des AOK-Bundesverbands. „Dies zeigt: Die Zeit der PKV als Vollversicherung geht zu Ende.“

Der Weg zurück in die GKV ist steinig. Der Gesetzgeber hat viele Hindernisse aufgebaut, um Rosinenpickerei zwischen den Systemen zu unterbinden. So ist es nicht gewollt, dass Menschen in jungen Jahren von den niedrigeren PKV-Prämien profitieren und im Alter dann von niedrigeren GKV-Prämien.

Wer wechseln möchte, sollte sich an einen Anwalt oder Rentenberater wenden, empfiehlt der Versicherungsmakler Sven Hennig. Er sieht es nicht als Aufgabe der Krankenkasse an, PKV-Kunden zu beraten. Viele Kassen tun dies dennoch.

Die Paragraphen des Sozialgesetzbuches sind jedoch so unverständlich, dass nur Eingeweihte sie verstehen. Grundsätzlich gilt: Je älter ein Patient, desto schwieriger wird der Weg zurück. Der Wechsel hängt maßgeblich von den Lebensumständen ab, etwa Berufsstatus, Einkommen und Alter. Der Gesetzgeber hat Bedingungen formuliert, um schnelle Wechsel zu verhindern.

Für Angestellte:

Das Einkommen muss für mindestens ein Jahr unter die Versicherungspflichtgrenze sinken. 2012 liegt diese Einkommensgrenze bei einem jährlichen Bruttogehalt von 50.850 Euro. Ein gut verdienender Angestellter könnte sein Einkommen also unter diese Grenze drücken, wenn er Teilzeit arbeitet. Dann könnte er zurück in die Krankenkasse. Solange er arbeitet, zahlt er zwar vermutlich den Höchstbeitrag. Doch wenn er Rentner ist, würde sein Kassenbeitrag sinken.

Doch nicht jeder kann zurück. Manche haben sich auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen, um in der PKV zu bleiben. Das kann man tun, wenn das eigene Einkommen unter die jeweils geltende Einkommensgrenze fällt. Eigentlich müsste man dann in die GKV. Viele unterschätzen jedoch die Folge einer solchen Ausnahmegenehmigung.

Für Selbstständige:

Wer freiberuflich oder selbstständig arbeitet und privat versichert ist, kann sich fest anstellen lassen und dann in die GKV wechseln. Sein Gehalt müsste aber unter der Versicherungspflichtgrenze liegen. Eine weitere Möglichkeit: die Selbstständigkeit aufgeben und der Familienversicherung des Partners beitreten.

Für Berufsanfänger:

Studenten, die während ihrer Hochschulausbildung privat versichert waren, können beim Eintritt ins Berufsleben in die GKV wechseln. Der Weg zurück ist grundsätzlich möglich - auch, wenn das Gehalt im ersten Berufsjahr über der Versicherungspflichtgrenze liegt.

Für über 55-Jährige:

Eine wichtige Grenze in den Regeln ist das Alter. Eine Rückkehr in die GKV ist für Angestellte und Selbstständige nur möglich, wenn sie das 55. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Wer älter ist, hat nur noch unter speziellen Voraussetzungen eine Chance. Berater halten es etwa für möglich, den Umweg über die Niederlande zu wählen. Dafür müsste der Versicherte jedoch eine Weile in dem Nachbarland angemeldet sein, was nicht für jeden praktikabel ist. Um sicherzugehen, dass dies funktioniert, empfiehlt sich die fachkundige Beratung durch einen unabhängigen Versicherungsberater. Diese Berufsgruppe arbeitet auf Honorarbasis. Wichtig ist, dass der Berater die Regeln des Sozialgesetzbuchs gut kennt.

PKV-Experten weisen darauf hin, dass eine Rückkehr in die GKV gar nicht mehr nötig sei, weil auch die privaten Krankenversicherer inzwischen Tarife anbieten müssen, die denen der GKV ähneln. Dies ist der sogenannte Basistarif. Daneben gibt es noch einen Standardtarif. Beide sind Alternativen zur Rückkehr in die gesetzliche Versicherung.

Wer als PKV-Kunde unbedingt in die GKV wechseln will, sollte sich das gut überlegen. Denn jeder PKV-Versicherte sammelt Altersrückstellungen, die im Rentenalter den Beitrag dämpfen. Diese Vorsorge, die die private Versicherung anlegt, geht bei einem Wechsel verloren. Dennoch denken Privatpatienten immer häufiger über die Rückkehr ins gesetzliche System nach, wie die Krankenkassen feststellen. 166?000 waren es zuletzt.


Kommentare zu " Systemwechsel: Wie Privatpatienten in die Krankenkasse schlüpfen"

Alle Kommentare
  • hi doggy,
    wie haben Sie es geschafft, noch mit 58 in die GKV zu kommen?

  • Unsicherheit über die zukünftige Beitragsentwicklung der PKV kann bekanntlich auch krank machen. Habe Erfahrung als ex PKV'ler, der mit 58 noch in die GKV kam !! Alle 3 Jahre Beitragserhöhungen von 30-40%, in den Zwischenjahren 3-4% und das alles bei 2000 SB ambulant. Nein Danke !! Da reicht im Alter die Rente gerade für den PKV-Beitrag. Und wer sich auf den Basistarif einlässt, wird beim Arzt zu Bittsteller, weil die PKV ihn schlechter bezahlt wie die GKV -- und der Arzt nach wie vor direkt mit dem PKV-Patienten abrechnet, nur zu halbierten Normaltarifen -- wenn der Arzt überhaupt Lust dazu hat !!

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    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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