Systemwechsel
Der steinige Weg zurück in die Krankenkasse

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Zahlenstreit zwischen PKV und GKV

Wie die jüngsten Wechsler-Zahlen zu bewerten sind, darüber streiten PKV- und GKV-Vertreter. Der Sprecher des PKV-Verbandes, Stefan Reker, wies darauf hin: „Wir haben immer einen deutlich positiven Saldo hin zur PKV gehabt.“ Jedes Jahr würden unter dem Strich aber weitaus mehr gesetzlich Versicherte in die private Krankenversicherung wechseln als umgekehrt, sagte er. Das sei auch 2011 wieder so gewesen.

Besonders junge Leute wechseln gerne in die PKV. Reker geht aufgrund einer Hochrechnung von mehr Wechseln aus als im Vorjahr. 2010 waren es netto 74500 Personen. Zwischen 2006 und 2010 lag der Nettosaldo zugunsten der PKV zwischen 75000 und 140000 Personen.

Zumindest bei der Techniker Krankenkasse (TK) war der Nettosaldo in den vergangenen beiden Jahren mit durchschnittlich 40.000 Personen auch positiv, wie eine Sprecherin erläuterte. Barmer GEK und TK nannten im übrigen Bruttozahlen, also wie viel Kunden der PKV zu ihnen zurückkamen – ohne die Abgänge zur PKV zu betrachten.

Bei der TK zeige der Trend hier klar nach oben, sagte die Sprecherin. Von 50.000 im Jahr 2009 sei die Zahl der Systemwechsel auf 68.000 im vergangenen Jahr gestiegen. I

Einen ähnlichen Trend stellte die Barmer GEK fest. 2011 wechselten in den ersten elf Monaten rund 27600 PKV-Kunden zu der größten Krankenkasse mit 8,6 Millionen Versicherten. Auch dies sei ein deutlicher Anstieg von neun Prozent.

Die Krankenkassen weisen gerne auf die steigende Zahl der Wechsel hin, weil sie zuletzt durch die PKV wieder unter Druck geraten sind. Gerade für die attraktive Gruppe gut verdienender GKV-Kunden hatte die Regierung die Wechselmöglichkeiten Anfang 2011 wieder erleichtert. Diese Personen müssen nicht mehr drei Jahre warten, sondern können bei entsprechendem Einkommen schon nach einem Jahr in die PKV wechseln, die für sie oft günstigere Beiträge bietet als die GKV. 

Der PKV schadete jedoch zuletzt, dass einige Versicherer ihre Prämien zum Teil um bis zu 50 Prozent erhöhen mussten. Das schürte auch anderswo bei den rund neun Millionen Privatversicherten im Lande die Angst vor einer Beitragsspirale, die sie vor allem im Alter treffen könnte. Der Grund: In der PKV hängen die Beiträge stark von den verursachten Krankheitskosten ab, die mit steigendem Alter jedoch eher höher werden. In der GKV werden die Beiträge jedoch nach dem Einkommen berechnet, was insbesondere für Rentner mit niedrigem Einkommen im Alter ein Vorteil ist.

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  • Ich denke andere Laender koennen als Vergleich herangezogen werden. Australien z.B. hat eine Pflichtkrankenversicherung fuer ALLE - ob Angestellter oder auch Selbstaendiger. Diese deckt das noetigste ab wie akute Krankheiten und Notfaelle. Wer besseren Service moechte schliesst dann eine Zusatzversicherung ab. ich denke das macht Sinn und erspart Neidkommentare ueber Fremdfinanzierung.

  • Die Entwicklung geht doch dahin, daß das Kosten/Leistungsverhältnis der GKV rasant schlechter wird und wenn man die Praxis der GKV-Patienten mal genau unter die Lupe nimmt, sind sie bei horrenden Beiträgen doch nicht mehr als Bittsteller beim medizinischen Leistungsbetrieb. Die meisten Ärzte sehen GKV-Patienten doch lieber gehen als kommen, denn die rd. 30 Euro pro Patient/Quartal, die der Arzt heute von den GKV bekommt, deckt ja nicht mal die Kosten fürs Hände schüttelt, eine Beratung gibt es nicht mehr und warum auch, Fortbildung findet doch sowieso nicht mehr statt, sondern nur noch aufzuschreiben, was die Pharmaindustrie so empfiehlt. Dieses System hat keine Zukunft, es wurde 1957 von Adenauers Volksversicherung (gegen Ludwig Erhard) kreiert und es zeigt sich immer deutlicher, daß Anforderungen und Leistungen immer stärker auseinanderfallen. Es wäre besser gewesen, ein Sytem der PKV (ohne die moroden GKV) zu schaffen, daß nach Einkommenshöhe subventioniert wird. Aber das Subsidiaritätsprinzip bei Sozialmaßnahmen ist auch schon 1957 durch das Gießkannenprinzip ausgetauscht worden, was den hohen Schuldenstand heute von rd. 7 Bio. Euro fast zwangsläufig entstehen ließ.

  • Am sinnvollsten wäre eine gesetzliche Grundversicherung für alle welche die wesentlichen Grundrisiken abdeckt. Alles weitere könnte privat als Sahnehäubchen versichert werden.

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