Tarife
Bahr unterstützt private Krankenversicherung

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr will das Angebot von Wahltarifen bei gesetzlichen Krankenkassen neu regeln. Das könnte zu stärkerer Abwanderung zu den Krankenversicherern führen. Die Kassen lehnen dies ab.
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BerlinBundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will einem Medienbericht zufolge das Geschäft der gesetzlichen Krankenkassen beschränken. Geplant sei den gesetzlichen Kassen das Angebot von Wahltarifen deutlich zu erschweren, berichtet die „Berliner Zeitung" (Montagausgabe) vorab.

Durch eine vom Minister geplante Gesetzesänderung könnten diese Tarife nach Befürchtungen der Krankenkassen so teuer werden, dass sie sich künftig weder für die Versicherten noch für die Kassen lohnen und damit eingestellt werden müssten. Damit bestehe die Gefahr, dass Gutverdiener, die die Kassen über derartige Zusatztarife an sich binden konnten, in die private Krankenversicherung (PKV) abwandern.

Seit 2007 haben die Krankenkassen die Möglichkeit, ihren Versicherten Tarife mit unterschiedlichen Leistungen anzubieten. Derzeit nutzen fast neun Millionen Versicherte derartige Tarife, die an das Angebot der privaten Krankenversicherer angelehnt sind.

Zielgruppe sind vor allem Gutverdiener. Sie sollen mit diesen Tarifen davon abgehalten werden, zu einer Privatversicherung zu wechseln. Den privaten Krankenversicherern ist das daher schon lange ein Dorn im Auge. Sie hatten immer wieder gefordert, den gesetzlichen Kassen das Angebot von Wahltarifen gänzlich zu verbieten.

Die Zahl der Zusatzversicherungen in der privaten Krankenversicherung (PKV) stieg 2011 um mehr als eine halbe Million auf 22,50 Millionen. Wie im Vorjahr gab es einen besonders starken Anstieg bei den Pflegezusatzversicherungen um 10,6 Prozent auf 1,88 Millionen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Gesamtzahl der Zusatzversicherungen in der PKV damit um über vier Millionen oder rund ein Fünftel erhöht.

Bis Mitte 2012 verzeichnete die PKV bei den Zusatzversicherungen einen Nettozuwachs um 86.300 Verträge. Das etwas abgeschwächte Wachstum gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum mit einem Zuwachs von 118.700 Verträgen sei wohl durch das Abwarten vieler Kunden auf die neue Unisex-Tarifwelt zu erklären, erklärte der Verband. Insgesamt stieg damit die Zahl an Zusatzversicherungen im ersten Halbjahr 2012 auf 22,59 Millionen.

„Wahltarife können ihren Teil dazu beitragen, Menschen in der Solidargemeinschaft zu halten. Eine eventuelle Verschlechterung der Konditionen für die gesetzlichen Krankenkassen lehnen wir ab“, sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, zum Handelsblatt.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Tarife: Bahr unterstützt private Krankenversicherung"

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  • Als Rentner erhalten Sie in GKV und PKV exakt den selben Zuschuss vom Rentenversicherungsträger. Dieser berechnet sich ca. aus dem hälftigen Krankenkassensatz von Ihrer Rente. Derzeit liegt der Zuschuss bei 7,3% (Stand 2012)von Ihrer Rente und kann entsprechend beantragt werden.

  • @Lebenslang

    Dann hätten Sie sich in der Vergangenheit anders entscheiden müssen! Aber sicherlich haben Sie in der Vergangenheit genug verspart!! Also hören Sie doch auf vom Leid zu sprechen bzw. ihren Neid weiterzutragen!

  • Ob ein PKV Versicherter zufrieden ist, sollte man ihn selbst entscheiden lassen. Die Aussage, die meisten sind zufrieden, ist wage. Mit hohen Beihilfen wäre es mir auch besser.
    Auch finde ich es eigenartig, das man in der PKV von Solidarität redet.
    Solidar wäre, wenn auch Rentner in der PKV 50% Beihilfe bekommen würden. Das müsste doch ein Anreiz und das Ziel der PKV sein. Was einem bisher von Altersrückstellungen,10% Zuschlag zur Beitragsreduzierung im Alter erzählt wird langt schon lange nicht mehr zur Deckung. Was kommt da noch alles auf eine zu. In der PKV gibt es viele Gewinner und zu viele Verlierer.

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