Tricks in der PKV: So überlisten Versicherer ihre Kunden

Tricks in der PKVSo überlisten Versicherer ihre Kunden

Hinhalten, Verschleiern, Zulangen: In der privaten Krankenversicherung ist der Kunde oft der Dumme. Er zahlt mehr, ohne es zu merken. Und wenn er die Prämie drücken möchte, blocken ihn die Versicherer auch noch ab.
  • 36

DüsseldorfDie privaten Krankenversicherer kämpfen politisch ums Überleben – gegen die Krankenkassen und die Befürworter einer Bürgerversicherung. Daher verbreiten sie in diesen Tagen gerne Erfolgsmeldungen. „Wir können bereits heute sagen, dass im kommenden Jahr fast alle Versicherten von stabilen Krankenversicherungsbeiträgen profitieren werden", sagt etwa Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende der Debeka Versicherungsgruppe. „Es ist sogar davon auszugehen, dass wir für rund 100.000 ältere Versicherte die Beiträge leicht senken können.“

Die Debeka ist der Marktführer in der privaten Krankenversicherung (PKV). 2,2 der knapp neun Millionen Privatpatienten sind bei dem Versicherungsverein. Doch nicht jeder der mehr als 40 privaten Krankenversicherer steht so gut wie die Debeka da, die besonders viele Beamte versichert.

„Ich gehe davon aus, dass die Beiträge um etwa 7 bis 10 Prozent steigen werden“, sagt Ozan Sözeri von WIDGE.de, einem Beratungsunternehmen, das bei Tarifwechseln in der PKV hilft. „In einzelnen Tarifen sind mir jedoch schon Erhöhungen von 30 Prozent und mehr bekannt. Und das gilt wieder nur für das Neukundengeschäft – von den Bestandskunden gar nicht zu reden. Diese Informationen werden von den Versicherungsgesellschaften bekanntermaßen zurückgehalten.“

Das Negativbeispiel der vergangenen zwölf Monate war der Versicherer Central, der zur Generali-Gruppe gehört. Das Unternehmen hatte zeitweise wie verrückt Policen an Angestellte und Selbstständige verkauft, sich dabei jedoch mit Billigtarifen verhoben, weil diese höhere Kosten als gedacht verursachten.

Auch aus Kundensicht waren diese Einsteigerpolicen oft ein schlechtes Geschäft. Denn die später offerierten Tarife lassen viele Wünsche offen, weil niedrige Preise eben auch schlechte Leistungen bedeuten. Auf längere Sicht ist es für preisbewusste PKV-Mitglieder daher günstiger, wenn sie nicht nur auf den Preis achten, sondern auch auf Leistungen, die etwas über dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegen sollten.

Die Folge der verfehlten Verkaufsstrategie bei Central: In zahlreichen Fällen stiegen die Beiträge der eigenen Kunden zuletzt heftig. Kein Wunder also, dass besonders viele Versicherte dem Unternehmen jüngst den Rücken kehrten. Auch wenn zuletzt wieder mehr Ruhe eingekehrt ist, auch zum Ende dieses Jahres kursieren bereits wieder Fälle, in denen Belastungssteigerungen von rund 30 Prozent vorgerechnet werden.

Kommentare zu " Tricks in der PKV: So überlisten Versicherer ihre Kunden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Also ich, der privat versichert ist, kann die Erhöhung nur bestätigen. Es ist ja nicht so, dass die Beiträge ( in meinem Fall gleich mal um fast 60,00 €; übrigens der Name der Gesellschaft: DKV) anheben,nein, gleichzeitig werden die Bedingungen auch noch verschlechtert. So ist zum Beispiel in meinem Fall die jährliche Selbstbeteiligung um 40,00 € gestiegen. Also erzählt nichts von "pauschalen Aussagen" oder "Stimmungsmache" Das System ist einfach korrupt. Wie kann es sein, dass man von steigenden Kosten spricht und die Vorstände sich dabei neue Säcke für die horrenten Gehälter besorgen müssen. Einfach nur ein lachhafter Kommentar. Wahrscheinlich gehörst Du auch zu dem Haufen.

  • Das Grundproblem zwischen PKV und GKV ist doch der Kampf von Umlage gegen Vorsorge. Da kann man politisch mit Verträgen und Tarifen drumherum docktern, viele Vermittler oder auch Wasserköpfe beschäftigen oder eben nicht. Im Kern bleibt die Frage, essen wir den Gewinn von heute auch heute schon auf, oder sorgen wir mit unserer Lebensleistung für später vor. Jeder Ökonom wird da eine klare Antwort finden, Politiker, die nach 4 Jahren wiedergewählt werden wollen, eine andere. Dabei ist es wohl unerheblich, ob die Vorsorgeinstitution privat oder staatlich-treuhänderisch organisiert ist, wenn gesichert werden kann, daß Politiker nicht an das Geld herankönnen (um natürlich gute Taten für uns alle zu tun, ganz klar). Solange wir gesellschaftlich nicht auf Vorsorge umschalten, ist es wohl unumgänglich erstmal privat vorzusorgen, um wenigstens einen Teil an Sicherheit zu erlangen.

  • Fortsetzung:

    Dann doch lieber ein gewachsenes und respektvolles Nebeneinander von GKV und PKV, mit einem medizinischen Standard, um den uns die ganze Welt beneidet.

Serviceangebote